2 Bewertungen ***
28.08.2008 
Industrie: Emissionshandel birgt große Gefahren

Industrie warnt vor Produktionsverlagerung

von Klaus Stratmann

Die energieintensive Industrie hält Produktionsverlagerungen in Länder außerhalb der EU für unumgänglich, wenn die komplette Versteigerung der Emissionsrechte Realität wird. Das geht aus Berechnungen der betroffenen Branchen hervor. Umwelt- und Wirtschaftsministerium sind in der Frage uneinig.

BERLIN. So kommt eine Studie, die das Beratungsunternehmen McKinsey für die deutsche Zementindustrie angefertigt hat, zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2020 etwa 50 Prozent der Produktion deutscher Zementwerke durch Importe ersetzt würde. Durch die Verwendung importierter Zementprodukte in diesem Umfang würden Kohlendioxidemissionen von 9,8 Mill. Tonnen in Länder wie Ägypten, Saudi-Arabien und China verlagert.

Die Berechnung fußt auf der Annahme, dass die Berechtigung zur Emission einer Tonne Kohlendioxid die Unternehmen 35 Euro kostet. Dieser Wert ist durchaus zurückhaltend geschätzt. Sollte ein Emissionszertifikat in einigen Jahren 50 Euro kosten, würden laut McKinsey 86 Prozent der deutschen Produktion durch Importe ersetzt. Zertifikate für das laufende Jahr kosten derzeit zwar nur rund 25 Euro. Die geplante Verknappung dürfte die Preise jedoch ansteigen lassen.

Hintergrund der Berechnungen ist die aktuelle Debatte um den Emissionshandel ab 2013. Den Vorstellungen der EU-Kommission zufolge soll die Industrie schrittweise in die Ersteigerung von Emissionsberechtigung einsteigen. 2020 sollen die Unternehmen alle Emissionszertifikate ersteigern müssen, die sie derzeit noch kostenlos zugeteilt bekommen. Dadurch würden sich die Produktionskosten in einzelnen Branchen erheblich erhöhen. Die Energiebranche soll die Zertifikate sogar bereits ab 2013 komplett ersteigern müssen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Obamas Kabinett nimmt Gestalt an

    Die Milliardärin Penny Pritzker aus Chicago soll nach US-Medienberichten Wirtschaftsministerin in der Regierung des designierten Präsidenten Barack Obama werden. Mit dieser Personalie nimmt die Regierungsmannschaft zwei Wochen nach der US-Wahl allmählich Gestalt an.Bildergalerie 

  • Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlos...

    Was auf dem Weltfinanzgipfel beschlossen wurde

    Auf dem Weltfinanzgipfel in Washington wollten die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) einen Fahrplan für eine neue Weltfinanzordnung vereinbaren, die eine Finanzkrise, die die ganze Welt in die Rezession treibt, in Zukunft verhindern soll. Was beschlossen...Bildergalerie 

  • Was führende Köpfe vom Finanzgipfel e...

    Was führende Köpfe vom Finanzgipfel erwarten

    Nichts Geringeres als eine neue Weltfinanzordnung wollen die 20 Staats- und Regierungschefs der größten Wirtschaftsmächte am Wochenende in Washington aus der Taufe heben. Was Politiker, Konzernchefs, Ökonomen und andere führende Köpfe aus der Finanzwelt vom Weltfinanzg...Bildergalerie 

vor

 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kein Ausweg aus der Finanzkrise in Sicht  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Hermann-Josef Knipper

Der letzte Tag der „Euro Finance Week“ in Frankfurt hat das ganze Drama der Macht- und Ratlosigkeit der Finanzbranche deutlich gemacht. Nach der harschen Kritik von Bundespräsident Horst Köhler, der nicht weniger als ein neues Weltfinanzsystem gefordert und viele Schuldige benannt hatte, mühten sich Banker, Ökonomen und Notenbanker um Auswege aus der Krise. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Deutscher Bauernstaat  Artikel in Merkliste

21.11.2008 von Helmut Hauschild

Die Bundesregierung tut sich mit ihrer Agrarpolitik als Industriestaat keinen Gefallen. Kommentar