Industriepolitik
Schröder röhrt wie eh und je

Gerhard Schröder ist zurück: Der Altkanzler hat sich in die Kontroverse um die "richtige" Industriepolitik eingeschaltet. Auf einer Wahlkampfveranstaltung rechnet er mit der großen Koalition ab, wettert gegen Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg und verteidigt Entscheidungen während seiner Amtszeit.

ILSEDE. Da marschiert er ein wie damals als Kanzler. Gerhard Schröder betritt die alte Gebläsehalle der Ilseder Hütte, längst eine Industriebrache. Es wird ein Abend der Abrechnung mit der Großen Koalition. Links und rechts schützen ihn Sicherheitsbeamte. Ihm folgen SPD-Generalsekretär Hubertus Heil und Jürgen Schneider, Vorstand der Salzgitter AG, die hier früher mal eine Kokerei betrieb. Schröder tritt auf die Bühne und redet wie zu besten Wahlkampfzeiten: "Der Staat muss an der Seite der arbeitenden Menschen stehen", ruft er. "Das können Sozialdemokraten weit besser als andere."

Nach langer Pause schaltet er sich wieder in die Innenpolitik ein. Im beschaulichen niedersächsischen Ilsede, unweit von Braunschweig, wettert er gegen den "Baron aus Bayern" und meint damit Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Schröders Stimme röhrt wie in besten Zeiten den 600 Zuhörern entgegen. Einer wie Schröder zieht immer noch.

Zu Heil hatte er vorher noch gesagt, er wolle keine Wahlkampfveranstaltung machen. Doch Schröder rechnet ab mit der Union. Der Schweiß läuft ihm den Rücken herunter. "Wir haben bei Holzmann kein Steuergeld verplempert", sagt er. Es geht an diesem Abend auch um ihn und sein Erbe. Union und SPD streiten seit Monaten darüber, was die beste Industriepolitik fürs Land ist. Es geht um Schaeffler, Conti, Porsche, Heidelberger Druck, aber vor allem um Opel. Während zu Guttenberg eine "geordnete Insolvenz" nicht ausschließt, warnt Kanzlerkandidat und Schröder-Freund Frank-Walter Steinmeier vor dem "Gerede über eine Insolvenz". Wann also soll der Staat nun helfen?

"Insolvenz ist nahe der Pleite", ruft Schröder. "Mein Rat wäre zu gucken, welcher Investor ein langfristiges Geschäftsmodell anbietet, das nicht auf Abwicklung setzt und das interessante Märkte im Auge hat." Zu Guttenberg macht nichts anderes, doch das ist heute nicht so wichtig. Schröder sagt: "Frank-Walter Steinmeier hat sehr genaue Vorstellungen, was sein darf und was nicht."

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