Industriepolitisches Konzept
Stärken und Schwächen der deutschen Industrie

In seinem industriepolitischen Konzept beschreibt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Vor- und Nachteile des Produktionsstandorts Deutschland. Wie die Politik helfen kann, die Spitzenstellung Deutschlands im internationalen Wettbewerb zu halten.
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HB. In seinem industriepolitischen Konzept beschreibt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Vor- und Nachteile des Produktionsstandorts Deutschland.

Stärken

Deutschland verfüge über "einen großen Heimatmarkt im Herzen Europas und eine überwiegend moderne Versorgungs-, Verkehrs- und Telekommunikationsinfrastruktur". Auch gebe es "motivierte und qualifizierte Fachkräfte sowie eine differenzierte und leistungsfähige Forschungslandschaft". Zu den weiteren Vorteilen zähle die Vielzahl der Unternehmen vom Kleinunternehmen bis zum Konzern und einem "nicht selten weltweit führenden industriellen Mittelstand". Dies erleichtere es, Netzwerke und Cluster aufzubauen. Auch gehöre Deutschland zu den führenden Forschungsnationen. "Traditionell besitzt die deutsche Industrie eine herausragende Kompetenz im Bereich hochwertiger Technologien, etwa im Fahrzeug- und Maschinenbau, in der chemischen Industrie oder der Elektrotechnik, doch auch bei den Spitzentechnologien hat Deutschland spürbar aufgeholt - mit einer besonders ausgeprägten Kompetenz im Bereich der Medizin- und Messtechnik", heißt es in dem Konzept. Hinzu komme die "hohe Produktivität" des verarbeitenden Gewerbes und "die Vorreiterrolle bei Umwelt- und Klimatechnologien".

Schwächen

Die Stärken, warnt Brüderle, dürften aber nicht über die Gefahren hinwegtäuschen, die sich im globalen Wettbewerb ergäben. "Die deutsche Industrie muss im internationalen Vergleich hohe Arbeitskosten (Bruttolöhne und Lohnzusatzkosten) und hohe Strom- und Energiekosten verkraften", heißt es im Konzept. Außerdem entwickelte sich der Fachkräftemangel "zu einem immer dringenderen Problem". Brüderle nennt als Beispiel eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des IW Köln, wonach allein der Ingenieurmangel "im Krisenjahr 2009 zu einem Wertschöpfungsverlust in Höhe von 3,4 Mrd. Euro geführt" hat. Das rohstoffarme Deutschland sei zudem massiv von Importen abhängig, weshalb es unabdingbar sei, die Partnerschaften mit Rohstoffländern zu intensivieren. In den neuen Bundesländern sei das Angebot unternehmensnaher Dienstleistungen gering und die Forschungsintensität im verarbeitenden Gewerbe niedrig, bemängelt Brüderle. Zudem herrsche bundesweit eine "verbreitete Skepsis gegenüber neuen Technologien". Dies gelte insbesondere bei "potenziell emissionsträchtigen Anlagen im näheren Wohnumfeld".

Fazit

Um die Spitzenstellung zu halten, müsse die Politik helfen, die Rahmenbedingungen zu verbessern, resümiert Brüderle. Dazu gelte es, die Ausbildung zu fördern, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, Umwelt- und Klimaschutz kosteneffizient zu gestalten, die Energie- und Rohstoffversorgung zu sichern und die Produktivität und Effizienz sowie die Fortentwicklung von Produkten und Produktionssystemen zu verbessern. Dies könne Politik nicht allein leisten. Nötig sei " ein gutes Zusammenspiel aller gesellschaftlichen Gruppen".

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