Informationen erbeten
BKA will Wirtschaft im Anti-Terror-Kampf einspannen

BKA-Chef Jörg Ziercke hat Mängel in der Terrorismus-Frühaufklärung der deutschen Sicherheitsbehörden ausgemacht. Die Defizite beheben helfen sollen deutsche Unternehmen, die in Krisenregionen tätig sind. Für die Zuträger soll sich die Information auszahlen.

HB WIESBADEN. Terroristen wie die afghanischen Taliban oder die kolumbianische Farc finanzieren sich mit Drogenhandel, Schleuser agieren transnational, und die Computersysteme des weltweiten Finanzsystems sind für Erpresser so verlockend wie für Mafia und religiöse Fanatiker - in der globalisierten Welt verschwimmen nicht nur Ländergrenzen, sondern auch die Delikt- und Tätereinteilungen der klassischen Polizeiarbeit.

Die wachsende Verflechtung des Verbrechens will das Bundeskriminalamt (BKA) mit einer Vernetzung auf dem Gebiet der Sicherheit beantworten - und BKA-Präsident Jörg Ziercke machte am Donnerstag klar, dass er dabei nicht nur Behörden im Blick hat.

„Neue Allianzen gegen Kriminalität und Gewalt“ hatte das BKA seine Herbsttagung in Wiesbaden betitelt. Als Partner solcher Allianzen nannte Ziercke in erster Linie die Wirtschaft. Von internationalen Konzernen verspricht sich Deutschlands oberster Polizist Informationen über die Lage in fernen Ländern, von Pharmafirmen Erkenntnisse über Medikamentenfälscher, von Computerunternehmen Hinweise auf neue Entwicklungen und das, was Kriminelle damit anfangen könnten.

Private Wachdienste mit ihren 150 000 Beschäftigten - die längst Atomkraftwerke, Geldtransporteund Flughäfen schützen - sind für ihn ebenso Teil einer „Sicherheitsarchitektur“ wie die Bundeswehr, die der BKA-Chef mehr als bisher für Aufklärung und Früherkennung nutzen will.

Auch für den einzelnen Bürger sieht der BKA-Chef einen Platz in seinem „ganzheitlichen Ansatz“ - etwa in der Auseinandersetzung mit dem Fundamentalismus: „Jeder Einzelne kann ein Zeichen setzen.“ Und solange „Hacker als Helden gefeiert“ würden, könne die Verfolgung der immer professioneller und kommerzieller auftretenden Computerviren-Täter wenig bewirken.

Die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbehörden hat das BKA in den vergangenen Jahren ausgebaut. Inzwischen gibt es in Berlin ein Zentrum zur Terrorismusabwehr, bei dem Informationen von Polizei und Nachrichtendiensten zusammenlaufen. Defizite hat der seit anderthalb Jahren amtierende BKA-Chef indes bei der Frühaufklärung ausgemacht. Wer Deutschland vor Anschlägen schützen wolle, müsse möglichst viel über die Situation in den Krisenregionen wissen, die Terroristen als Operationsbasis dienten, sagte er am Donnerstag: „Das BKA hat 62 Verbindungsbeamte in 48 Ländern“, zählte er auf. „Das allein reicht aber nicht.“ Konzerne wie BASF und Siemens, die in solchen Gegenden aktiv seien, könnten mit ihrem Wissen zur Lage-Analyse beitragen.

Eine praktische Folge solcher Analysen ist etwa die geplante Arbeit von BKA-Beamten in Tadschikistan. Im Rahmen eines Pilotprojekts sollen sie die Polizei im Nachbarland Afghanistans bei der Bekämpfung des Heroinhandels unterstützen - und damit die ökonomische Basis der Taliban stören. Eine ähnliche Mission kündigte Ziercke für Venezuela an.

„Die Allianzen sollen keine Einbahnstraße sein“, versicherte Ziercke. Die Wirtschaftsunternehmen erwarteten im Gegenzug Informationen, die sie zum Schutz ihrer Mitarbeiter verwerten könnten. Rechtliche Schwierigkeiten sieht der BKA-Chef dabei nicht. Die Gesetzeslage erlaube das, sagte er am Donnerstag. Es gebe bereits einen Kreis hochinteressierter Firmen. Der Sicherheitschef der Siemens AG, Norbert Wolf, bestätigte das auf der Tagung: Um sich gegen Firmenspionage zu schützen und in Krisenregionen arbeiten zu können, sei Siemens auf die Unterstützung der Sicherheitsbehörden angewiesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%