Informationen zum Heizungsverbrauch
„Einsparungen? Mehr als zweifelhaft“

Ein Praxistest hat gezeigt: Mieter, die regelmäßig Informationen zu ihrem Heizungsverbrauch erhalten, können diesen senken. Doch die privaten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer sagen, die Potenziale würden überschätzt.
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BerlinWerden Mieter regelmäßig über ihr Heizverhalten und die dadurch entstehenden Kosten informiert und über Änderungen ihres Heizverhaltens beraten, profitiert die Mehrheit anschließend von einer niedrigeren Heizkostenrechnung. Das zeigt ein Modellvorhaben, das die Deutsche Energie-Agentur (dena) gemeinsam mit dem Energiedienstleister ista, dem Deutschen Mieterbund und dem Bundesbau- und Umweltministerium (BMUB) durchgeführt hat. Haus & Grund, der Verband der privaten Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, hält dagegen. „Die Potenziale monatlicher Informationen für Mieter über ihren Energieverbrauch werden überschätzt“, meint Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke. „Dass die minimalen Einsparungen der Projektteilnehmer unter Berücksichtigung aller Kosten langfristig in der Praxis überhaupt erzielt werden können, ist mehr als zweifelhaft.“ In der Regel müssten Verbraucher wohl mit Mehrbelastungen rechnen.

Überlegungen, unterjährige Verbrauchsinformationen für Mieter per Gesetz oder Verordnung vorzuschreiben, erteilte Warnecke eine Absage. Die Kosten für die technische Nachrüstung lägen momentan im Verhältnis zu den möglichen Einsparungen zu hoch. „Wir müssen alles tun, um die Kosten für Mieter und Vermieter zu senken, statt sie immer weiter zu erhöhen“, forderte Warnecke.

Der Deutsche Mieterbund dagegen erklärt, eine unterjährige Verbrauchsinformation mache durchaus Sinn. Dabei gehe er allerdings davon aus, dass Mieter für diese Leistung nicht zusätzlich zahlen müssten, so Lukas Siebenkotten, Direktor des Mieterbundes. Bei einem zunehmend digitalisierten Geschäftsumfang könnten unterjährige Verbrauchsinformationen über kurz oder lang ein selbstverständlicher Beitrag einer intelligenten Abrechnungslösung werden, ohne dass dafür Kosten in Rechnung gestellt werden müssten, so Siebenkotten. Auch der Mieterbund sprach sich indes gegen ein Gesetz oder eine Verordnung aus.

Die am Dienstag dem Umweltministerium übergebene Studie zeigt, dass Mieter, die monatlich über ihren Wärmeverbrauch und die Kosten informiert wurden und über Optimierungsoptionen beim Heizen und Lüften beraten wurden, ihren Verbrauch um durchschnittlich zehn Prozent senken konnten. Über mehrere Jahre wurden die Heizungsverbräuche von knapp 1000 Haushalten in Essen, München und Berlin ausgewertet. 189 Haushalte wurden gesondert informiert und beraten. Die Mehrheit änderte ihr Heizverhalten und sparte Heizenergie ein. Die Studie zeigte auch auch Mehrverbräuche in den untersuchten Haushalten. Nicht jeder Mieter zahlte am Ende also weniger Geld. Hier gebe es noch viele Fragezeichen, so der Deutsche Mieterbund.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Jedem Fachmann war das von Vorne herein klar, aber Umweltfetischisten wollten und wollen es nicht hören.

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