Ingenieure dringend gesucht
Arbeitsagentur räumt Fachkräftemangel ein

Der Arbeitsmarkt brummt: Insbesondere Ingenieure werden knapp. Bislang hatte die Arbeitsagentur den Fachkräftemangel als regionales Problem eingestuft. Mittlerweile hätten sich die Hinweise auf einen Fachkräftemangel nach Erkenntnissen der Arbeitsagentur aber verdichtet, sagt der Finanzchef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Raimund Becker.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der Mangel an Fachkräften hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Angesichts der ungebrochenen wirtschaftlichen Dynamik würden vor allem in Baden-Württemberg und Bayern Ingenieure händeringend gesucht, sagte der Finanzchef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Raimund Becker, bei der Vorlage der Arbeitsmarktdaten für August. „Das Potenzial an Arbeitslosen reicht in bestimmten Branchen nicht mehr aus.“

Bislang hatte die Nürnberger Behörde das Phänomen als regionales Problem eingestuft. Mittlerweile hätten sich die Hinweise auf einen Fachkräftemangel aber verdichtet. In zwölf Bundesländern gebe es inzwischen durchschnittlich nur einen Bewerber pro ausgeschriebener Ingenieurstelle, berichtete Becker. Das sei ein Ungleichgewicht. „Wir brauchen, um Stellen zügig besetzen zu können, schon eine Relation von drei zu eins.“ Ähnlich schwierig sei in einigen Regionen auch die Besetzung freier Fräser-, Schlosser- und Mechaniker-Stellen.

„Derart groß wie zurzeit war der Fachkräftemangel noch nie“, bestätigte der Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Ralph Wiechers, dem Handelsblatt. Ausschlaggebend seien mehrere Gründe: Der laufende Aufschwung sei „deutlich kräftiger als die kurzatmigen Aufschwungphasen“ früherer Jahre. Und unabhängig vom Aufschwung nehme seit Jahren der Trend zu, höherqualifizierte Arbeitskräfte einzustellen. „Billige Arbeitskräfte sind relativ gesehen in Deutschland einfach zu teuer, so dass die Unternehmen sich zunehmend spezialisieren und dafür spezialisierte Arbeitskräfte brauchen“, argumentierte Wiechers.

Zudem hinterlässt die in den Vorjahren geringe Zahl der Hochschulabsolventen im Ingenieurwesen ihre Spuren: 2005 beendeten nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) 39 407 ein solches Studium – 1996 waren es noch 52 278. Dieser akute Mangel hatte im Juli dafür gesorgt, dass ein Fünftel aller Maschinenbauer mehr produziert hätte, wenn sie mehr Beschäftigte gehabt hätten, ergab eine Umfrage des Münchener Ifo-Instituts.

Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt war im August weiter gesunken – aber nicht so stark wie erwartet. 3,705 Millionen Erwerbslose zählte die BA. Das waren 10 000 Erwerbslose weniger als im Juli. Die saisonbereinigte Zahl, bei der jahreszeitliche Effekte wie die Sommerflaute herausgerechnet werden, sank im Monatsvergleich um 15 000. Im Juli hatte der Rückgang 45 000 betragen, im Juni 38 000. Die Arbeitslosenquote verharrte bei neun Prozent.

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