Ingenieurmangel soll sich verschärfen
Wirtschaft reagiert alarmiert auf OECD-Bericht

Der jüngste OECD-Bildungsbericht sorgt für Aufruhr in der deutschen Wirtschaft. Das liegt vor allem an der düsteren Prognose, was die künftige Versorgung Deutschlands mit Ingenieuren und Naturwissenschaftlern betrifft. Um das Problem des Fachkräftemangels kurzfristig zu mildern, gebe es nur eine Lösung.

BERLIN. „Unser Ingenieurmangel wird sich in Zukunft weiter verstärken“, warnte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun. „Anders als in anderen OECD-Staaten reichen in Deutschland die Hochschulabsolventen nicht aus, um die aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden Ingenieure zu ersetzen – wir brauchen daher eine Bildungsoffensive für mehr Ingenieure“, sagte er dem Handelsblatt.

Schon heute fehlen – je nach Umfrage – in der Bundesrepublik 20 000 bis 40 000 Ingenieure. Nach den Daten der OECD wird sich die Situation noch massiv verschärfen: Auf 100 ältere Ingenieure zwischen 55 und 64 Jahren kommen hier zu Lande nur 90 Berufsanfänger zwischen 25 und 34 Jahren. In den 19 OECD-Staaten hingegen, für die der Organisation Zahlen vorliegen, kommen auf 100 ältere Ingenieure 190 Berufsanfänger.

Auch in den Naturwissenschaften hinkt Deutschland weit hinterher: Von 100 000 Beschäftigten von 25 bis 34 Jahren haben nur 1045 einen Abschluss in Naturwissenschaften - im OECD-Mittel sind es knapp 1300.

Die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht das Problem des Fachkräftemangels insbesondere im MINT-Bereich – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – als „klares Hemmnis für Deutschlands Wirtschaftswachstum und Innovationsfähigkeit“, heißt es in einer Stellungnahme für das Handelsblatt.

DIHK-Präsident Braun kritisiert die „falsche Weichenstellung“ in den Schulen:„Mit Naturwissenschaft und Technik fangen wir in der Schule zu spät an und hören zu früh wieder auf.“ Nötig sei schon in der Grundschule ein Unterrichtsfach Naturphänomene. „In der gymnasialen Oberstufe müssen wenigstens zwei naturwissenschaftliche Fächer bis zum Abitur belegt werden, denn wer früh drei von insgesamt vier naturwissenschaftlich-technischen Fächern abwählt, wird später auch kaum diese Fächer studieren“, sagte Braun.

Um das Problem des Fachkräftemangels kurzfristig zu mildern, helfe jedoch nur eine stärkere Öffnung des Arbeitsmarktes für qualifizierte Ausländer, argumentiert Braun. So sei „nicht einzusehen, warum die Politik derzeit nur Erleichterungen bei der Beschäftigung osteuropäischer Ingenieure - und nicht etwa für Experten aus allen Ländern - in Aussicht gestellt hat“. „Überfällig“ seien auch generelle Erleichterungen beim Zuzug hochqualifizierter Ausländer. Denn die geltenden Zuwanderungsregeln stellten gerade für kleine und mittlere Unternehmen oftmals eine zu hohe Hürde dar.

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Der OECD-Bildungsbericht 2007

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