
BERLIN. Ganz langsam erwärmen sich die Frauen in Deutschland für die Ingenieurswissenschaften: Im Studienjahr 2008/ 2009 waren immerhin schon 22 Prozent der Anfänger in diesen Fächern weiblich. Es geht allerdings – trotz Girls-Day-Aktionen und diversen Werbekampagnen der Wirtschaft – nur sehr langsam voran: Zu Beginn der 90er-Jahre waren auch schon 18 von 100 Ingenieurstudenten Frauen. In rund fünfzehn Jahren sind sie also gerade mal sechs Prozentpunkte vorangekommen.
Das ist umso bedauerlicher, als die Wirtschaft hofft, die erwarteten Lücken bei den Ingenieuren im nächsten Aufschwung künftig zumindest teilweise mit Frauen besetzen zu können. Verschärfend kommt hinzu, dass künftig die Zahl der Schulabgänger rapide sinken wird.
Bislang gehen die meisten Experten davon aus, dass Mädchen in Kindergarten und Schule in den Mint-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – nicht genug oder nicht richtig gefördert werden. Eine Pisa-Sonderauswertung hatte jedoch ergeben, dass Desinteresse das kleinere Problem ist – viel entscheidender sei mangelndes Selbstvertrauen in puncto Technik. Ein ähnliches Ergebnis brachte kürzlich eine Studie der Akademie für Technikwissenschaften Acatech.
Nicht nur in den Medien erleben junge Mädchen wenig Ingenieurinnen – selbst an den Universitäten sind sie noch die absolute Ausnahme: So ist derzeit gerade mal jeder 13. Ingenieur-Lehrstuhl mit einer Frau besetzt. Selbst das ist jedoch gegenüber Anfang der 90er-Jahre schon eine Verdreifachung. Quer über alle Fächer sind mittlerweile 16 Prozent aller Professoren weiblich. Das geht aus dem jüngsten Bericht der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz der Wissenschaftsminister (GWK) zu Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung hervor.