Ingo Wolf nimmt Abschied von der Spaßnummer und setzt auf alte liberale Tugenden
FDP schwenkt Vorfahrtsschilder

Beflügelt von den guten Umfrageergenissen überrascht Ingo Wolf, Spitzenkandidat der NRW-FDP, in den letzten Wochen mit einer offensiven Art. Auch Parteichef Westerwelle ist überzeugt: "Wolf werde einmal Kult sein".

KÖLN/NOTTULN. Guido Westerwelle hat die Tanzfläche schon längst verlassen. Für Ingo Wolf geht es jetzt erst los. Rhythmisch klatscht der Mann mit der grau-weißen Jungenfrisur in die Hände, grölt bei der Abschlussparty des Bundesparteitags in Köln auf einem Rheinschiff, umgeben vom Parteivolk, laut beim Westernhagen-Song "Es geht mir gut" mit. Es scheint so, als wolle sich der ehemalige Oberkreisdirektor an diesem Abend das ihm anklebende Image vom drögen Bürokraten, vom sprechenden Aktendeckel von der Seele singen.

Doch je näher der Wahltag am 22. Mai rückt, desto weniger muss sich der FDP-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen an der Musik berauschen. Die Liberalen liegen mit der CDU in den Umfragen klar vor Rot-Grün. Mit dem Slogan "Arbeit hat Vorfahrt" haben sie ihr Wahlkampfthema gefunden. Sie präsentieren sich als die Wirtschaftspartei und schwenken landauf, landab die gelben Vorfahrtsschilder. Auch wenn der Vorsprung bröckelt. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: Auch ein Tsunami kann jetzt nichts mehr vermasseln.

Die guten Umfrageergebnisse beflügeln sichtbar das Selbstbewusstsein des Kandidaten. Letzte Woche ging er zum Gegenangriff auf Bärbel Höhn über. Die grüne Umweltministerin piesackte Wolf in einem Fernsehduell wie seit Monaten wieder mit seinen hohen Ruhestandsbezügen. Der Fraktionschef der Liberalen erhält in dieser Funktion dreifache Diäten und außerdem die Ruhestandsbezüge als ehemaliger Oberkreisdirektor. Wolf schlug zurück und titulierte Höhn als "wahren Geld- und Goldhamster", sie könne ja nach einer Wahlniederlage im Alter von 53 Jahren "mit 9 500 Euro Pension lebenslang spazieren gehen". Was er verschwieg, Höhn hatte bei der Änderung des Ministergesetzes gegen die höheren Pensionen für derzeitige Amtsinhaber gestimmt. Trotzdem: Für die FDP-Truppe, denen die Denunzierung Wolfs durch die Grünen wehtut, war es ein "Volltreffer".

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