Ingrid Sehrbrock
DGB nominiert CDU-Frau für Vizevorsitz

Der laufende Machtkampf zwischen den Gewerkschaften könnte eine Christdemokratin ins Amt der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden befördern. Auf ihrer jüngsten Klausurtagung im brandenburgischen Neuhardenberg haben sich die Spitzen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) darauf verständigt, das CDU-Mitglied Ingrid Sehrbrock für den Vizeposten neben DGB-Chef Michael Sommer zu nominieren.

HB BERLIN. Das wurde am Donnerstag in Gewerkschaftskreisen bestätigt. Sehrbrock gehört seit 1999 dem DGB-Bundesvorstand an und vertritt dort die Themen Bildung und öffentlicher Dienst.

Die Personalentscheidung hängt mit der geplanten Ablösung der seit 1990 amtierenden Vizevorsitzenden und Sozialexpertin Ursula Engelen-Kefer zusammen. Den Fachbereich der 62-Jährigen soll auf Betreiben der Großgewerkschaften Verdi und IG Metall die frühere Grünen-Politikerin Annelie Buntenbach übernehmen, die derzeit die Abteilung Sozialpolitik der IG Bauen-Agrar-Umwelt leitet. Da die Entscheidung für Buntenbach ohnehin hart umstritten war, schied sie als Kandidatin für den Vizevorsitz aus. Neben Buntenbach soll der bisherige IG-Metall-Abteilungsleiter Claus Matecki neu in den fünfköpfigen geschäftsführenden Vorstand einziehen. DGB-Chef Michael Sommer will das Personal-Tableau heute offiziell vorstellen. Die endgültige Entscheidung fällt Ende Mai bei den Vorstandswahlen auf dem DGB-Bundeskongress.

In Gewerkschaftskreisen wurde gestern allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Personalpläne noch für weitere Reibereien sorgen könnten. Nach wie vor gibt es offenkundig großen Unmut darüber, dass Verdi-Chef Frank Bsirske und IG-Metall-Chef Jürgen Peters die Entscheidung für Buntenbach und Matecki durch Absprachen vor der DGB-Klausur faktisch erzwungen hätten. Beide Gewerkschaften stellen zusammen etwa zwei Drittel der 400 Delegierten auf dem DGB-Kongress.

Als alternative Kandidaten standen Reiner Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbunds, und die saarländische SPD-Sozialpolitikerin Isolde Ries bereit.

Die Entscheidung für Sehrbrock als Kandidatin für den Vizevorsitz scheint das personalpolitische Dilemma zu belegen: Auf dem DGB-Kongress 2002 hatte sie mit 64 Prozent das mit Abstand schlechteste Wahlergebnis erzielt. Unberechenbar könnte der Ausgang der Wahl erst recht dann werden, sollte Engelen-Kefer ihre Überlegung in die Tat umsetzen und auf dem DGB-Kongress eine Kampfkandidatur einreichen.

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