Initiative des Wirtschaftsministers
Rösler will Neuen Markt wiederbeleben

Vor zehn Jahren musste die Deutsche Börse nach einer Serie von Skandalen und Kursverlusten den Neuen Markt schließen. Jetzt will Bundeswirtschaftsminister Rösler den umstrittenen Wachstumsmarkt wiederbeleben.
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DüsseldorfVor zehn Jahren musste die Deutsche Börse nach einer Serie von Skandalen und dramatischen Kursverlusten ihr Wachstumssegment Neuer Markt schließen. Jetzt will Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach Informationen des Handelsblatts (Montagsausgabe) den umstrittenen Wachstumsmarkt wiederbeleben. Rösler verfolgt mit seiner Initiative vor allem das Ziel die Wachstumsfinanzierung junger innovativer Unternehmen in Deutschland zu verbessern.

Nach Informationen des Handelsblatts trafen sich im Juni erstmals Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der Deutschen Börse und des Bundesverbands Deutsche Startups, um die Chancen für eine Wiederbelebung des Neuen Markts auszuloten. Anfang August sprachen dann Rösler und der Vorstandschef der Deutschen Börse Reto Francioni in Frankfurt über das Thema. Die Börse stehe den Plänen „sehr positiv“ gegenüber, heißt es in Finanzkreisen. Im Berliner Ministerium heißt es, der Plan passe zum Aufbau einer starken deutschen Internet-Wirtschaft.

2000, auf dem Höhepunkt des Neuen Marktes, wagten in Deutschland mehr als 140 Firmen den Börsengang. 2012 waren es gerade einmal acht. „Derzeit wird man fast belächelt, wenn man bei Investoren den Börsengang als eine Option angibt“, sagte Florian Nöll, Chef des Bundesverbands Deutsche Startups dem Handelsblatt. Damit fehlt sogenannten Wagniskapitalfinanzierern („Venture Capital“) eine wichtige Ausstiegsmöglichkeit.

Diese Investoren beteiligen sich an jungen Wachstumsfirmen und unterstützen sie während der frühen Wachstumsphase. Danach verkaufen die Venture Capital Gesellschaften ihre Anteile häufig über die Börse. Mit dem Untergang des Neuen Marktes erlitt aber auch die junge Wagniskapital-Kultur in Deutschland einen schweren Rückschlag. Seit 2008 halbierte sich deren Volumen.

2012 wagten sich gerade einmal drei Neuzugänge in den Entry Standard der Deutschen Börse, das 2005 gegründete Segment mit den geringsten Anforderungen an Börsenneulinge.Jetzt prüfen das Wirtschaftsministerium und die Börse nach Informationen des Handelsblatts mehrere Optionen, die den Zugang innovativer Firmen zum Kapitalmarkt verbessern sollen. Entweder soll der Entry Standard attraktiver für junge High-Tech-Firmen werden, oder die Börse gründet gleich ein neues Segment mit noch einfacheren regulatorischen Anforderungen als im Entry Standard.

„Das Unternehmen, für das wir das neue Börsensegment planen, dürfte in der Regel bereits einen Umsatz von 30 bis 50 Millionen Euro machen und hat 100 bis 500 Mitarbeiter“, erläutert Startup-Spezialist Nöll. Zielgruppe des „neuen“ Neuen Markts sollen laut Nöll „institutionelle Investoren, etwa Versicherer, nicht Privatanleger“ sein. „Wir wollen nicht die Fehler des Neuen Marktes wiederholen“. Der Verbandschef hoff, dass das neue Börsensegment bereits „Mitte 2014 starten könnte“.

Hans-Jürgen Jakobs Quelle: dpa
Hans-Jürgen Jakobs
Handelsblatt / Senior Editor
Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Initiative des Wirtschaftsministers: Rösler will Neuen Markt wiederbeleben"

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  • Wäre dankbar, wenn Sie Ihre These, dass junge Unternehmen aus Europa ein Listing in den USA vorziehen, anhand von Beispielen verifizieren könnten. Mir will gerade keins einfallen.

    Interessieren würde mich auch, wer außer Ihnen in meinem Kommentar einen Schimmer erkennt, dass ich glaube, ein Börsengang wäre das Ende aller Kapitalgewinne. Es geht mir klar um den ganz speziellen Fall, dass Start-ups in der Frühphase ihres Entstehens, in der sie eine funktionierende Technologie erst noch entwickeln müssen und über kein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen, an der Börse nichts zu suchen haben. Das war der Kardinalfehler des Neuen Marktes. Zwar ist es möglich, dass Investoren durch diese anfängliche Zurückhaltung auf die eventuell großen Gewinne der ersten Stunde verzichten müssen; andererseits werden deren Einlagen durch spätere Kapitalerhöhungen ohnehin oft dermaßen verwässert, dass ihnen Hören und Sehen vergeht.

    Wenn Sie das Beispiel Amazon heranziehen, entspricht das genau einem der wenigen Beispiele, von denen ich sprach, die vom Erfolg gekrönt waren und den Investoren reiche Ernte einfuhren. Für eine vollständige Liste der Kapitalverbrenner würden Sie aber den Platz vieler Kommentarfelder in Anspruch nehmen müssen.

    Dass Sie aber behaupten, es ginge eben nicht um Venture Capital, sondern um eine funktionierende Börse erschließt sich mir auch bei mehrmaligem Lesen nicht im Geringsten. Haben Sie einen anderen Artikel gelesen?

  • da hgat sich das röschen bestimmt von christian lindner beraten lassen :-))))

  • Klingt gut! (und war klar das viele das wieder miesreden wollen)

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