Initiative gegen Abzockerei: SPD-Politiker fordert EU-Richtlinie zu Manager-Gehältern

Initiative gegen Abzockerei
SPD-Politiker fordert EU-Richtlinie zu Manager-Gehältern

Nach dem erfolgreichen Volksentscheid zur Begrenzung von Managergehältern in der Schweiz drängen deutsche Politiker auch hierzulande auf entsprechende Regeln. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß fordert eine EU-Richtlinie.
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Berlin, OsnabrückNach dem Ja der Schweizer zu einer Begrenzung von Managergehältern fordert die SPD entsprechende Schritte auch in Deutschland und der EU. "Der Volksentscheid ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um der Abzockerei im Management auch andernorts zu begegnen", sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montagsausgabe). "Das Resultat sollte als Ermutigung für die Einführung der europäischen Richtlinie verstanden werden."

So sollten etwa Bonuszahlungen nicht höher sein als das Grundgehalt, sagte Poß. Zwar könne die Entwicklung in der Schweiz nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen werden. Aber es gehe um den Grundsatz: "Die Menschen akzeptieren dieses perverse Boni-System nicht nur bei Banken, sondern auch in der Realwirtschaft nicht mehr." Ihn persönlich erfülle es mit Genugtuung, dass selbst in der wirtschaftsliberalen Schweiz die Menschen gegen das System mobil machten.

Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zeigte sich aufgeschlossen gegenüber der Schweizer Initiative. "Ich bin sicher, dass es solche Mehrheiten auch in Deutschland gäbe", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Der Wirtschaftsexperte Michael Hüther warnte hingegen vor einer gesetzlichen Regelung von Managergehältern nach Schweizer Vorbild. Es sei gut, dass über eine öffentliche Debatte Druck auf Unternehmen ausgeübt werde, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe). "Aber statt mehr Gesetzen brauchen wir mehr Aufsichtsräte und Vorstände, die selbst Verantwortung übernehmen."

Mehr als zwei Drittel der Schweizer stimmten bei der "Volksinitiative gegen die Abzockerei" am Sonntag mit Ja. Die Initiative will erreichen, dass künftig die Aktionäre eines Unternehmens über die Gehälter an der Spitze entscheiden. Ein "Goldener Handschlag" beim Weggang aus einem Konzern und Begrüßungsmillionen vor dem Beginn eines Arbeitsverhältnisses sollen verboten werden. Auch Prämien bei Firmenkäufen oder -verkäufen soll es nicht mehr geben.


afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Initiative gegen Abzockerei: SPD-Politiker fordert EU-Richtlinie zu Manager-Gehältern"

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  • Ich finde das zwar gut, was die Schweizer absolut demokratisch gean haben, aber wie die SPD wieder darauf reagiert, ist armselig und heuchlerisch.
    Wr hat denn die große Zockerei, Gier und Ausbeutung der Bürger freigegeben? Es war doch die SPD mit ihrem Genosse der Bosse.
    Da wollen die heute nichts mehr von wissen
    Derzeit rennen sie zusamme mit den dunkelroten Grünen durchs Land und wollen uns Bürgern die nette bürgerliche, soziale Partei vorspielen.
    Noch mehr Heuchelei gab es wirklich noch nie

  • was aber ist mit den total ueberzogenen Politiker-Bezuegen
    in BRUESSEL ? abgeschobene Politiker leben wie im Schlaraffenland und schwaenzen zum Teil (wie Koch-Mehrin)
    auch noch die Sitzungen !

  • Der Schweizer Vorstoß geht in die richtige Richtung, ist aber zu kurz gegriffen. Das selbe Problem exzessiver Zahltage, Beraterhonorare, Aufwandsentschädigungen und Mehrfach-Pensionen existiert auch in Sport und Politik.

    Der Vorstoß der SPD ist nur peinlich. Glauben die allen Ernstes dass die Vortragshonorare und Gehaltsvorstellungen als Bundeskanzler ihres Spitzenkandidaten schon vergessen sind? Hier soll wahrscheinlich nur eine neue Neiddebatte vom Zaun gebrochen werden um von den eigenen Verfehlungen abzulenken.

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