Initiative geplant
Steinbrück warnt vor Kollaps durch Hedge-Fonds

Die Bundesregierung sieht die Stabilität der internationalen Kapitalmärkte durch das milliardenschwere Geschäft von Hedge-Fonds bedroht. Eine entspreche Initiative zum Gegensteuern wird von den USA und Großbritannien unterstützt, die eine schärfere Kontrolle von Hedge-Fonds bisher vehement abgelehnt hatten.

BERLIN. Nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) stellen Hedge-Fonds ein systematisches Risiko für die Weltfinanzmärkte dar. Steinbrück will deshalb mit seinen Finanzministerkollegen der G7-Runde am Wochenende über eine Initiative beraten, die die Sicherheit der Kapitalmärkte deutlich erhöht. „Um die systemischen Risiken besser beurteilen zu können, brauchen wir mehr Informationen über die Gesamtheit der Investitionen, die von Hedge-Fonds ausgelöst sind. Dazu gehört auch, dass man mehr über die möglichen Risiken der Vertragspartner von Hedge-Fonds weiß, insbesondere Banken“, sagte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow dem Handelsblatt.

Bei dem ersten Treffen der G7-Finanzminister in Essen steht nicht nur die Forderung nach mehr Transparenz bei Hedge-Fonds auf der Tagesordnung. Auch über die Initiative der Bundesregierung für einen schrittweisen Aufbau von Anleihemärkten in Schwellenländern sowie das Thema Energieeffizienz und die Reform des Internationalen Währungsfonds soll gesprochen werden.

Grundlage für die Hedge-Fonds-Beratungen sind Unterlagen, die Staatssekretär Mirow erstellt hat und den übrigen Finanzministern einen Überblick über die Branche und die Risiken für die internationalen Finanzmärkte geben. Daraus geht hervor, dass das Marktvolumen der weltweit rund 9 000 Fonds auf etwa 1 400 Mrd. Euro geschätzt wird und das Bundesfinanzministerium systemische Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte vermutet. Darüber hinaus fehlen nicht nur den Finanzministern der sieben größten Industrienationen Informationen über Geschäft und Finanzierung von Hedge-Fonds, sondern auch den nationalen Finanzaufsichtsbehörden. Daran will die G7-Runde jetzt etwas ändern und sucht nach Instrumenten, die die Branche transparenter machen.

Unter anderem will Bundesfinanzminister Steinbrück Informationen darüber sammeln, welche Banken Hedge-Fonds mit Krediten versorgt haben. Nur dann könne man abschätzen, ob der Konkurs eines Hedge-Fonds für eine Kettenreaktion auf den Finanzmärkten sorgt und auch Banken gefährdet. Ob ein solches Kreditregister eingeführt wird, ist ungewiss. Die Vereinigten Staaten haben bereits erhebliche Bedenken geäußert. Staatssekretärin Barbara Hendricks hatte deshalb darauf hingewiesen, dass ein solches Register nur dann sinnvoll sei, „wenn sich die überwiegende Mehrheit der relevanten Staaten daran beteiligt“. Diese „kritische Masse von Ländern“ sei derzeit nicht in Sicht, so Hendricks.

Weitere Daten wünscht sich die Regierung über die unternehmerische Beteiligung von Hedge-Fonds. Bisher existieren weltweit unterschiedliche Grenzen, ab der eine solche Investition bekannt gemacht werden muss. Steinbrück favorisiert eine international einheitliche Meldepflicht.

Nach Einschätzung des Finanzministeriums werden die politischen Beratungen unter den G7-Ländern erst in den nächsten Monaten zu konkreten Ergebnissen führen können. Ob die Staats- und Regierungschefs auf dem Weltwirtschaftsgipfel Anfang Juni in Heiligendamm Beschlüsse verkünden können, bleibt trotz aller Bemühungen Berlins ungewiss. Experten rechnen höchstens mit der Einführung eines freiwilligen Kodexes.

Mehr Aussicht auf Erfolg hat die deutsche Initiative zum Aufbau von Anleihemärkten in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Ziel der Bundesregierung ist es, in diesen Ländern die Abhängigkeit von ausländischen Kreditgebern zu verringern und Bondmärkte in heimischer Währung aufzubauen“, betonte Mirow. Damit würden die Finanzmärkte der Schwellen auch weniger anfällig für Finanzmarktschocks. An den Beratungen nehmen Russland, China, Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien teil.

Im Vergleich zu Europa und den Vereinigten Staaten haben die Bondmärkte in den meisten Schwellenländern enormen Nachholbedarf. Nach Informationen des Finanzministeriums liegt das Volumen ausstehender Anleihen in den Schwellenländern gerade einmal bei 43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in den Industrieländern dagegen bei 140 Prozent.

Der Aufbau von Anleihemärkten soll in mehreren Schritten realisiert werden: Zunächst geht es darum, die Rechtssysteme in den Schwellenländern zu verbessern, weiter sollen Standards für Anleihegeschäfte entwickelt und Aufsichtsbehörden für die Finanzmärkte aufgebaut werden.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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