Initiative will Plutoniumfabrik kaufen
„Wir kaufen Hanau"

Sind vielleicht Andrea Nahles, Konstantin Wecker, Hans-Christian Ströbele schon bald stolze Besitzer der zum Verkauf stehenden Hanauer Plutoniumfabrik? Am Donnerstag hat die Initiative "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges" (IPPNW) die Aktion „Hanau selber kaufen“ gestartet und direkt viele prominente Mitstreiter gefunden.

rje DÜSSELDORF. 50 Millionen und einen Euro will die Initiative aufbringen, um den Zuschlag zu erhalten, denn China bietet nur 50 Millionen Euro. Ziel sei es, einen Export nach China zu verhindern, sagt Ute Watermann, Sprecherin der Initiative. „Wir hoffen, dass unsere Initiative der Regierung den Anstoß gibt, über den Verkauf nachzudenken." Letztendlich müsse die Regierung den Verkauf verhindern. Auch Winfried Nachtwei unterstützt die Aktion. „Ein Export der Anlage wäre sicherheitspolitisch verantwortungslos“, meint der Sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Und so will die IPPNW die Anlage kaufen.

Die IPPNW sucht noch weitere Mitstreiter und ist zuversichtlich, den Zuschlag zu erhalten. „Das ist kein Gag, wir meinen das Ernst“, sagt der IPPNW-Vorstandsvorsitzende Stephan Kolb im Gespräch mit Handelsblatt.com. Wer sich an dem Aktion beteiligen will muss zunächst kein Bargeld geben, sich aber verbindlich verpflichten im Falle des Zuschlages das Geld zu überweisen.

„Sollten wir den Zuschlag erhalten, werden wir ein Entsorgungskonzept für die Anlage erarbeiten“, erklärt Kolb. Das werde sicher auch noch Geld kosten aber eventuell ließe sich mit der Verwertung auch etwas verdienen.

In der MOX-Brennelemente-Fabrik wurde Plutoniumoxid mit Uranoxid in einem bestimmten Verhältnis gemischt und zu Brennstäben verarbeitet. Mit diesen MOX-Brennstäben werden Atomkraftwerke befeuert - es lässt sich aber auch waffenfähiges Plutonium erbrüten.

Siemens hat die MOX-Fabrik in Hanau 1995 aufgegeben. Sie ist nie in Betrieb gegangen. Mittlerweile ist die komplette Ausrüstung der Fabrik in 60 Container verpackt worden - und diese 60 Container werden verkauft. Inhalt: Mühlen zum Pulverisieren des radioaktiven Materials, Abfallcontainer, Sinteröfen und Pressen zur Herstellung von Brennstofftabletten, aus denen dann die Brennstäbe gemacht werden, Handschuhkästen, Inspektionssysteme. Die Ausrüstung dient dazu, unter einer sehr guten Abschirmung mit dem radioaktiven Plutonium arbeiten zu können.

Die Firma Siemens äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu diesem neuen Angebot.

Die Bundesregierung geht nach Angaben des stellvertretenden SPD-Fraktionschefs Gernot Erler davon aus, dass China die Bedingungen für einen Export der Hanauer Plutoniumfabrik erfüllen wird.

Erler sagte am Mittwoch in Berlin: „Die Chancen stehen gut, dass die Zusagen gegeben werden.“ Dies werde im Kanzleramt versichert. „Die Zusagen müssen wasserfest und realisierbar sein“, betonte Erler. Er sagte, die Entscheidung über die Genehmigung des Exports werde die Bundesregierung voraussichtlich im März fällen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%