Innenminister machen Druck Wem gehört das Stadion?

Kontrollen auch mit Nacktscannern, härtere Sanktionen für Fans und Vereine: In der Debatte um Gewalt in Fußballstadien machen die Innenminister Druck. Mit fatalen Folgen, sagen die Fanforscher. Es drohe ein Fußballkrieg.
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Hannovers Fans brennen in der AWD-Arena bengalische Feuer ab. Quelle: dpa

Hannovers Fans brennen in der AWD-Arena bengalische Feuer ab.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn die Mitglieder der Deutschen Fußball Liga (DFL) heute in Frankfurt über das Papier mit der Überschrift „Sicheres Stadionerlebnis“ abstimmen, stehen sie unter besonderer Beobachtung. Denn die Innenminister der Länder überbieten sich seit Tagen mit ihren Forderungen nach schärferen Sicherheitsmaßnahmen und härteren Sanktionen. Auf diese Weise wollen sie Gewalttaten im Umfeld von Bundesligaspielen verhindern.

Der jüngste Vorstoß kam von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Er drohte den Vereinen, sie für Polizeieinsätze im Fußball zur Kasse zu bitten, sollten sie sich am Mittwoch nicht auf das umfassende Sicherheitspaket einigen. „Das ist von uns nicht gewollt, aber vielleicht bleibt uns keine andere Wahl“, sagte Schünemann.  

Pro Eintrittskarte ein Euro mehr für die Sicherheit – mit diesem Vorschlag hatte sich zuvor Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ins Gespräch gebracht. Weitere Ideen aus der Politik: Abschaffung der Stehplätze in Fußballstadien, eine Verlängerung der Stadionverbote auf bis zu zehn Jahre, Ganzkörperkontrollen beim Einlass.

Fanforscher Gunter A. Pilz, Honorarprofessor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hannover, ist entsetzt über „die Scharfmacher aus der Politik“. „Aus wahltaktischen Gründen führen die Innenminister eine völlig überzogene Debatte“, sagt Pilz im Gespräch mit Handelsblatt Online. Für ihn ist beispielsweise Schünemanns Verhalten nur mit der Landtagswahl am 20. Januar in Niedersachsen zu erklären. „Mit seinen populistischen Aussagen geht er auf Stimmenfang“, sagt Pilz. „Jeden Tag gibt es neue Forderungen und Drohgebärden seitens der Politik. Das hat den Druck vor der DFL-Mitgliederversammlung immens erhöht – was der Sache kein bisschen dient.“

Ein erster Entwurf des Sicherheitskonzepts, von der DFL im Alleingang ohne Beteiligung der Fans erarbeitet, war nach massiven Protesten von Fans und der Ablehnung mehrerer Klubs entschärft worden. Konsequenz: Man will nun mehr auf Dialog setzen und lieber gezielt nach Gewalttätern fahnden, anstatt komplette Fangruppen zu bestrafen. Die Verurteilung von Pyro-Technik, Rassismus und Gewalt sind weiterhin festgeschrieben.

Doch auch die neue Beschlussvorlage, denen zwei Drittel der Profiklubs zustimmen müssten, birgt noch Diskussionsstoff. Umstritten sind bei Fans und Vereinen die Möglichkeit der Ganzkörperkontrollen, die verstärkte Videoüberwachung und Kollektivstrafen, beispielsweise durch ein geringeres Eintrittskartenkontingent. Den Innenministern gefällt die Aufweichung des Sicherheitskonzepts nicht. „Ich sage ganz offen: Wir hätten uns mehr vorstellen können“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Rande der Innenministerkonferenz vergangene Woche.  

Dialog von Fans und Vereinen fördern
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32 Kommentare zu "Innenminister machen Druck: Wem gehört das Stadion?"

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  • @ultras_raus: Naja wer sich über gezahlte Steuern und Abgaben definieren muß...
    Aber bitteschön: Der Fußball bringt dem dt. Staat jährlich Steuereinnahmen iHv ca. 1.500 MEUR ein. Die Polizeikosten (für die 1. Bundesliga ca. 1,1 MEUR pro Spieltag, somit knapp 40 MEUR pro Jahr) entsprechen lediglich einen Bruchteil davon.
    Somit subventionieren Sie 0 EUR in Sachen Fußball ;-)


    P.S.: Bzgl. Subventionierung sei ehrlicherweise auch angemerkt, daß der dt. Steuerzahler das Logen-Klientel auch subventioniert.

  • @marinero
    Beide. Denn Fußballspiele sind weder gemeinnützige Veranstaltungen noch ein Grundrecht.
    Es ist eine kommerzielle Veranstaltung, mit der Geld verdient wird.
    Da die Fußballvereine auch in der Lage sind, ihren Spielern immer höhere Millionengehälter zahlen zu können, können Sie sich auch an den Kosten für die Polizeieinsätze, die ihre ach so friedlichen Fans nun mal auslösen beteiligen.

    Natürlich ist der Großteil der fans friedlich, ändert aber ichts daran, dass es auch genügend Deppen gibt, die z.B. Bengalos im Stadion zünden und rumwerfen.
    Es ist immer so, dass die Mehrheit wegen ein paar Deppen eingeschränkt wird.

  • Wie oben schon von "stiller" geschrieben, finanziert sich der Fußball selbst. Das ist ein MRD. Geschäft an dem der Staat krätig mit verdient, wussten sie, dass weniger als 0,001% der Stadiongänger verletzt werden!? Und wer sich im Stehplatzbereich bei den "Ultras" aufhält, ist sich bewußt, dass dort auch mal etwas abgebrannt werden kann. Ihr Kommentar zeugt von arroganz, sie halten sich für was besseres als Fußballfans? Sie wurden wahrscheinlich als Kind immer als letztes gewählt und leiden daher unter einem Trauma...

  • Ich habe da mal ein paar Fragen liebe Leser!

    Da sind diese imaginären Kosten für Polizeieinsätze.
    Spielen wir mal den Gedanken durch, das die Vereine
    komplett auf Polizei verzichten können und die
    Sicherheit mit privaten DL sicherstellen.

    Entlassen wir dann Polizisten weil wir sie nicht mehr
    brauchen?
    Bekommen Polizisten die nur dann vielleicht nur im
    VW Passat spazieren fahren kein Geld mehr?
    Wieviel Geld sparen die Herren Innenminister?

  • @genervt:

    Wenn Sie können, entkräften Sie doch die Argumente von BigBrotherEverywhere!!

    Ansonsten kann ich zu Ihrem Statement nur sagen: Man soll nicht von sich auf andere schließen...

  • @BigBrother
    Wahrscheinlich haben die unterbelichteten Krawallbrueder im Stadium genauso wie Sie eine dumpfe Ahnung, dass das eigene Leben verpfuscht ist.... Die randalieren, Sie glauben an Traeume und Versprechungen vom geschenkten guten Leben? Gleichheit fuer alle, keiner muss arbeiten, lasst uns alle froehlich sein..... Aufwachen, Mann!

  • Warum soll der Steuerzahler für Einsätze bei Fussballspielen zahlen?

    Nunja genauer betrachtet liegen die Nettosteuereinnahmen des Staates durch die Bundesliga bei rund 1,5 Mrd Euro. Die Kosten für Polizeieinsätze sind darin schon enthalten.

    Jetzt stellt sich die Frage wo genau der Steuerzahler "draufzahlt?"

  • @089flo
    Naja, der Unterschied liegt wahrscheinlich darin, dass die von einigen hier als 'Unterschicht' bezeichneten Fans des 'Proleten'-Sportes Fussball weniger Steuern zahlen. Ich persoenlich oute mich hier mal als Operngaenger, der Fussball als Ventil fuer die unteren Bevoelkerungsschichten sieht. Insofern gut.#, weil notwendig, um diese Leute ruhig zu halten.
    Also, als Operngaenger und der Oberschicht angehoerend, zahle ich vermutlich soviel Steuern und Abgaben im Jahr wie 20 oder mehr von diesen Typen. Insofern subventioniere ich -absolut gesehen- mehr als Sie. Und deshalb ist meine Forderung auch legitim. Jeder Euro fuer Kultur ist mir lieber als jeder Cent fuer Polizeiensaetze (ausserhalb des Stadiums), um hirnlose Krawallmacher unter Kontrolle zu halten.

    Misgoennen Sie mir nicht Othello, ich lasse Sie auch Ihr Endspiel geniessen. Und falls dann die Operngaeste versuchen das Haus abzufackeln, koennen Sie sich gerne ueber die entstehenden Polizeikosten echauffieren....

  • Bürgerrechte gelten nicht mehr viel in diesem Land, zumindest die Tendenz ist erschreckend. Terrorgesetze ohne Terror, Vorverurteilung und Überwachung von Fussballfans, Abschottung des Reichstagsgebäudes von seinen Bürgern ... nur die wirklichen Gefahren für unsere innere Ordnung werden in der Politik als Nebenthema geparkt: Bankendiktatur, Korruption in Politik und Wirtschaft, gesellschaftliche Segregation und Bildungsnotstand ...

  • Was mir schon seit längerem auffällt und hier nicht
    diskutiert wird ist die große Koalition zwischen SPD
    und CDU/CSU. Innenpolitisch bemühen sich beide große
    Parteien permanent Bürgerrechte zu reduzieren. Zwischen
    Wiefelspütz und Friedrich ist kein Unterschied erkennbar.
    War es bisher nur die große Terrorgefahr die an die Wand
    gemalt wurde um jede Form von Überwachung zu rechtfertigen
    so muss jetzt auch noch der Fußball herhalten.
    Und es scheint mir als wenn viele Wähler dieses Verhalten
    auch noch goutieren, siehe Kommentare hier.
    Nur was einmal weg ist kommt dann auch nicht mehr wieder!

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