Innovation
Das Land der Ideen scheitert an der Umsetzung

Innovationen zählen zu den wichtigen Faktoren für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. Deutschland schneidet im internationalen Vergleich mit anderen Industrienationen dabei nur mittelmäßig ab.

DÜSSELDORF. An aussichtsreichen Ideen mangelt es hier zu Lande zwar nicht, an der Umsetzung der Erfindungen hapert es allerdings erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wachstumsfaktor Innovation“ des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Roman Herzog Instituts, die gestern in Berlin präsentiert wurde.

Innovationen zählen zu den wichtigen Faktoren für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. Das IW hat den Forschungsaufwand, die Zahl der Arbeitskräfte, die regionalen Rahmenbedingungen sowie die Umsetzung analysiert und kommt zu dem Schluss: Deutschland landet insgesamt mit Mittelfeld, die USA liegen an der Spitze, Griechenland trägt die rote Laterne. Das mäßige Abschneiden Deutschlands hat laut IW vor allem einen Grund: Am Standort D gelangen viele Erfindungen nicht zur Marktreife – das Geldverdienen übernehme allzu häufig die ausländische Konkurrenz.

Prominentes Beispiel: der Transrapid. Das Gemeinschaftsprodukt von Siemens und Thyssen-Krupp verkehre seit Anfang 2004 fahrplanmäßig in China, zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong – nicht aber im Land der Produkterfinder Deutschland. Ihr Gefallen am Verkehrsmittel Made in Germany bekunde die Volksrepublik nicht etwa durch eine Flut von Aufträgen für das Transrapidkonsortium. „Stattdessen arbeiten die Chinesen eifrig daran, die Technik selbst herstellen und vermarkten zu können“, schreibt das IW. Dass es hier zu Lande nicht an Ideen mangelt, belegen Zahlen des Europäischen Patentamtes: Dem Jahresbericht 2004 zufolge steuerte Deutschland mit 23,2 Prozent den zweitgrößten Anteil an erteilten Patenten weltweit bei – nur die USA lieferte mit 24,2 Prozent mehr Ideen.

Der Innovationserfolg scheitere in Deutschland an der Umsetzung, sagt Roman Herzog, Ehrenvorsitzender des gleichnamigen Instituts. „Aus Unternehmenssicht ist die Finanzierung vor allem dann problematisch, wenn ein Prototyp zur Serienreife entwickelt werden soll“, so der Altbundespräsident. Das scheitere oft daran, dass die Firmen keinen Zugriff auf Kapital haben. Während in den USA 0,22 Prozent des Bruttoinlandsproduktes als Risikokapital zur Verfügung stünden, seien es in Deutschland gerade mal 0,03 Prozent und damit kaum mehr als in den innovationsschwachen südeuropäischen Staaten.

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