Innovatives Baden-Württemberg
Bunte Zettel

In Baden-Württemberg floriert nicht nur die Wirtschaft. Auch auf dem Gebiet der Innovationen ist der Südwesten der Republik ganz stark. Fast nirgendwo sonst ist die Zahl der Patentanmeldungen so hoch wie in Ostwürttemberg.

Hätte sich Hans Härle an einem lauen Sommernachmittag nicht in einem Spinnennetz verfangen, wäre der M-Klasse-Geländewagen von Mercedes heute doppelt so laut. Der Ingenieur betrachtete die klebrigen Spinnweben in seinem Garten im ostwürttembergischen Baldern genauer und hatte eine Idee. Die schrieb er auf einen Zettel und stopfte diesen in einen Zettelkasten, der auf seinem Schreibtisch steht. So wie er es immer macht, wenn er eine gute Idee hat.

Aus den Zettelnotizen ist mittlerweile ein Produkt geworden: ein Spezialblech, mit dem Mercedes den Abgaskrümmer seiner M-Klasse-Geländewagen abdeckt. Das Blech, für das Erfinder Härle den Innovationspreis Ostwürttemberg erhielt, schluckt dank seiner netzartigen Oberflächenstruktur den Schall. Deswegen röhren die Geländewagen nun weniger. Schon zeigen andere Autokonzerne und ein Flugzeughersteller Interesse an dem Blechle aus Baldern.

Härle hat im Laufe seines Lebens mehr als 120 Patente angemeldet - und ist damit typisch für die Einwohner dieser Region. Während das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer Studie feststellte, dass Deutschland in weiten Teilen die Ideen für innovative Produkte fehlen, sind die Menschen zwischen Aalen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd besonders findig. Ostwürttemberg bringt es auf jährlich 114 Patente pro 100 000 Einwohner - so viel wie keine andere ländliche Region in Deutschland. Der Bundesschnitt liegt bei 50 Patenten.

Mit ihrer Innovationskraft können sich die wackeren Süddeutschen selbst mit den städtischen Innovationsführern Stuttgart und München messen, wo die großen Forschungsabteilungen von Konzernen wie Siemens, DaimlerChrysler oder Bosch sind. Besonders viel erfinden Ostwürttemberger in den Bereichen Maschinen- und Fahrzeugbau, Papierverarbeitung und Medizintechnik. Hier haben aber auch der Teddybär und der Schleuderaschenbecher ihre Wiege.

Innovationstreiber sind dabei nicht nur regionale Unternehmen wie Zeiss, Schwäbische Hüttenwerke oder der Papiermaschinen-Hersteller Voith, sondern auch die Ingenieure kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie freie Design- und Ingenieursbüros wie das von Hans Härle. "Ohne die vielen Kleinen wären wir nicht auf dem Spitzenplatz", sagt Ursula Bilger von der Wirtschaftsförderung Ostwürttemberg.

Woher die Lust am Erfinden kommt? Härle bemüht die Historie der Region: "Wir hatten hier nie Rohstoffe und mussten mit dem Kopf arbeiten", erklärt er. "Das Tüfteln und Denken im eigenen Kämmerlein verbunden mit solider Ausbildung hat hier eine lange Tradition."

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