Inspektionsreise
Vereinte Nationen monieren deutsches Schulsystem

Zum Abschluss seiner Inspektionsreise durch deutsche Bildungseinrichtungen hat der Bildungsexperte der Uno-Menschenrechtskommission, Vernor Muñoz, einen Paukenschlag gelandet: Er kritisierte die wachsenden Befugnisse der Bundesländer im Bildungsbereich - genau das also, worauf die Länder regelrecht erpicht sind.

HB BERLIN. Muñoz sagte am Dienstag in Berlin, dadurch verliere der Bund die Möglichkeit, eine Einheit zu gewährleisten. Zwischen den einzelnen Bundesländern seien die bestehenden Unterschiede zu groß. Muñoz rief zu einer Debatte über weitere Reformen im deutschen Bildungssystem auf.

Zudem kritisierte Muñoz, dass sich soziale Ungleichheiten in den Bildungschancen der Kinder widerspiegelten. Dabei merkte er an, die Aufteilung von Schülern auf einzelne Schularten finde in Deutschland „sehr früh“ statt. „Der Zugang zu Bildung ist ein Menschenrecht“, betonte Muñoz. Gebildete Menschen seien das wichtigste Kapital des Landes.

Muñoz hatte in den vergangenen zehn Tagen Kindergärten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen besucht und mit Wissenschaftlern, Politikern sowie Eltern- und Lehrervertretern gesprochen. Am Montag hatten 14 Pädagogik-Professoren in einem offenen Brief an Muñoz Benachteiligungen von Migrantenkindern, armen Schülern und Behinderten im deutschen Bildungssystem kritisiert. Es gebe „keine Chancengleichheit“, hieß es in dem Brief.

Lobend äußerte sich Muñoz zur beginnenden Betonung der vorschulischen Bildung. Als Konsequenz seines Besuchs gab der Sonderberichterstatter vier vorläufige Empfehlungen. An erster Stelle nannte er die Aufgabe des Vorbehalts der Bundesregierung gegen die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, so dass Migranten in Deutschland erst ab 18 Jahren als volljährig gelten und nicht wie derzeit schon ab 16.

Ferner müsse die vorschulische Bildung kostenlos sein. Die Menschenrechtserziehung müsse in allen Schulen und bei der Weiterbildung der Lehrer eine stärkere Rolle spielen. Schließlich dürften die Schülerinnen und Schüler nicht schon nach der vierten Klasse auf die verschiedenen Schulformen verteilt werden.

Seine endgültigen Empfehlungen will Muñoz demnächst der Bundesregierung zuleiten. Anschließend werden sie in seinen Abschlussbericht an den Uno-Menschenrechtsausschuss aufgenommen, den er nach ähnlichen Besuchen mehrerer Länder in fast allen Teilen der Welt verfassen wird.

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