Integration
Brüderle offen für Änderung bei doppelter Staatsbürgerschaft

In Deutschland geborene Einwandererkindern müssen sich entscheiden, welchen Pass sie besitzen wollen. Doch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will das ändern. Die Justizministerin will die jetzige Lösung überprüfen.
  • 75

BrüsselFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle will junge Migranten zum Bleiben in Deutschland bewegen. „Ich bin sehr für ideologische Abrüstung bei der Frage einer doppelten Staatsbürgerschaft“, sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Entscheidend sei nicht, ob jemand zwei Pässe habe, sondern, ob er sich in Deutschland integriert und einbringe. „Qualifizierte Zuwanderung sichert unseren Wohlstand. Ich bin für eine Willkommenskultur“, sagte Brüderle.

In Deutschland gilt seit dem Jahr 2000 ein politisch umstrittenes Optionsmodell bei der Staatsbürgerschaft. In Deutschland geborene Einwandererkindern müssen sich spätestens mit dem 23. Lebensjahr entscheiden, welche der beiden Staatsbürgerschaften sie aufgeben, sofern die Eltern nicht beispielsweise aus einem EU-Staat stammen. Etliche Deutsche haben ihre Pässe wieder zurück gegeben und sind nun wieder Ausländer.

FDP-Politiker Brüderle hält Änderungen nun für möglich. „Die doppelte Staatsangehörigkeit kann unter gewissen Voraussetzungen auch bei anderen Herkunftsländern ein Instrument sein, um die Integration zu beschleunigen“, sagte Brüderle. Wir sollten uns die Optionsregelung beim Staatsbürgerschaftsrecht deshalb genau ansehen. „Wenn sie dazu führt, dass junge gut ausgebildete Menschen sich gegen Deutschland entschieden, gehört sie auf den Prüfstand“.

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich offen für die Genehmigung von mehr doppelten Staatsbürgerschaften gezeigt. "Integration kann auch durch doppelte Staatsbürgerschaft gefördert werden, wie die vielen Fälle von gut integrierten Bürgern mit Doppelstaatsbürgerschaft zeigen", sagte die FDP-Politikerin "Spiegel Online" in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Die Optionslösung gehöre auf den Prüfstand, wenn sie dazu führe, "dass sich Menschen von Deutschland abwenden", sagte die Ministerin. "Wir sollten uns einer weiteren Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts nicht verschließen und die doppelte Staatsangehörigkeit auf eine rechtlich breitere Basis stellen."

Mit Material von Reuters

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Integration: Brüderle offen für Änderung bei doppelter Staatsbürgerschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist sehr schade wenn schon wieder Wahlkampf mit dem Thema 'Doppelte Staatsbürgerschaft' gemacht wird. Das hatten wir doch schon. Koch hat Karriere gemacht. Die Debatte haben wir immer noch.
    Ich finde die Deutschen sollten mit diesem Thema lockerer umgegen und mal nach USA, Canada, Frankreich, Australien... schauen.
    Ich bin seit 11 Jahren mit einer ausländischen Frau verheiratet, unsere Kinder sind doppelstaatler, so what. Ich fände es mehr als gerecht wenn meine Frau nun endlich den deutschen Pass bekommen würde und nicht genötigt würde ihren abzugeben. Die Abstammung oder Herkunft ist Teil der Identität.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%