Integration
Islam-Konferenz will Oper sehen

Die Islam-Konferenz hat gleich zu Beginn deutliche Konfliktpunkte zu Tage gebracht. Heftige Diskussionen gab es vor allem beim Thema Gleichstellung der Frau. Trotzdem spricht Innenminister Schäuble von einem gelungenen Auftakt. Schließlich unternehmen alle Konferenzteilnehmer bald einen ersten gemeinsamen Ausflug.

HB BERLIN. Gemeinsam haben sich die Teilnehmer der ersten Islam-Konferenz für eine Weiter-Aufführung der Mozart-Oper "Idomeneo" an der Deutschen Oper Berlin ausgesprochen. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte nach der Konferenz, die Teilnehmer würden sich freuen, wenn das Haus bald eine Möglichkeit sähe, die Oper wieder aufzuführen. Die Konferenzteilnehmer würden die Aufführung gern gemeinsam besuchen.

Intendantin Kirsten Harms hatte die Oper am Montag aus dem Spielplan genommen, weil sie nach einer Warnung des Landeskriminalmates islamistische Attacken befürchtete. In der Inszenierung werden in einer Szene die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed präsentiert.

„Ich halte die Entscheidung für falsch“, sagte der Bundesinnenminister. Der CDU-Politiker plädierte aber auch für ein Ende der Diskussion darüber. Mit der Kunst- und Pressefreiheit sei es ähnlich wie mit dem Folterverbot: Man dürfe erst gar nicht anfangen, mit den Augen zu zwinkern, sondern müsse die Freiheitsrechte ernst nehmen.

Arabischer Journalist: „Die Absetzung der Oper ist feige“

Insgesamt bewertete Schäuble das knapp dreistündige erste Treffen von Vertretern des Staates und islamischer Verbände im Berliner Schloss Charlottenburg positiv. Er räumte allerdings ein, dass es bei einigen Punkten „knirschte“. Vor allem bei der Frage der Behandlung von Mädchen in der Schule habe es Meinungsunterschiede gegeben.

Die Frage einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft der Muslime müsse zu einem späteren Zeitpunkt geklärt werden, sagte Schäuble. Hier habe ein Teil der muslimischen Seite auf eine schnellere Lösung gedrungen. Der Bundesinnenminister zeigte sich aber zuversichtlich angesichts des guten Auftakts des auf zwei Jahre angelegten Diskussionsprozesses und fügte hinzu, es wäre unehrlich gewesen, wenn es hier nicht geknirscht hätte. Es sei gut gewesen, dass man sich trotz dieser unterschiedlichen Positionen gegenseitig „ertragen“ habe.

Bayerns Innenminister und Vorsitzender der Innenministerkonferenz, Günther Beckstein (CSU), sah in dem Treffen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Integration der Muslime und des Islams in die deutsche Rechtsordnung. „Eine weite Wegstrecke liegt aber noch vor uns“, fügte er hinzu. So werde es sicherlich auf muslimischer Seite noch heftige Diskussionen bei der Gleichstellung der Frau geben.

CSU-Generalsekretär Markus Söder rief die Muslime in der Bundesrepublik auf, sich stärker als Deutsche zu fühlen. „Ich glaube, es bedarf einer Art Unabhängigkeitsbewegung der Muslime in Deutschland“, sagte Söder dem „Münchner Merkur“. Wenn man ähnliche Rechte wie die Kirchen haben wolle, müsse man zusätzlich ein kulturelles Signal aussenden - vor allem zum Gewaltverzicht. „Islamistische Gewaltverherrlichungen müssen ganz klar als Irrweg abgelehnt werden.“ Das sei die Kernfrage für einen erfolgreichen Dialog.

Am Auftakt der Konferenz nahmen je 15 Vertreter der Muslime in Deutschland sowie von Ministerien, Bundesländern und Kommunen teil. Neben fünf islamischen Dachverbänden hatte Schäuble auch zehn Einzelpersönlichkeiten eingeladen, darunter auch Vertreter eines säkularen Islam. Bislang ist die Interessenvertretung der Muslime stark zersplittert, so dass dem Staat ein zentraler Ansprechpartner fehlt.

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