Integration
Ströbele will deutsche Hymne auf Türkisch

Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sorgt für Aufregung: Er fordert jetzt eine offizielle türkische Version der deutschen Nationalhymne. Für diesen Vorstoß hagelt es selbst von Parteifreunden Kritik. Applaus erhält Ströbele dagegen von unerwarteter Seite.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Zuwanderer sollten die türkische Hymnen-Version als „Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands“ singen können, sagte Ströbele vor dem Hintergrund der Debatte in den USA über eine spanische Version der US-Nationalhymne. „Ich würde es als Zeichen der Integration werten, wenn türkisch-stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten“, sagte Ströbele der Berliner Zeitung „B.Z.“. „Das wäre auch ein Symbol für die Vielsprachigkeit Deutschlands.“

Die FDP unterstützt die Forderung Ströbeles. Die Fraktionssprecherin für Integration und Migration, Sybille Laurischk, sagte: „Das wäre eine interessante Möglichkeit für Menschen anderer Herkunft und Sprache, die deutsche Kultur zu verstehen.“ Sie hielte dies auch für einen Beitrag zur Einbürgerungsdebatte. Schließlich habe die Hymne ganz zentral mit der deutschen Staatsentwicklung zu tun und zeige: „Wir haben schon im 19. Jahrhundert um Einigkeit, Recht und Freiheit gerungen.“ So könne man Grundwerte der deutschen Demokratie auch Menschen mit geringen deutschen Sprachkenntnissen nahe bringen.

Dagegen lehnte der stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach eine türkische Version der deutschen Hymne entschieden ab. „Die deutsche Nationalhymne auf türkisch wäre das Gegenteil von Integration. Das Erlernen der deutschen Sprache in Schrift und Wort ist doch die Schlüsselqualifikation schlechthin“, zitiert ihn die „BZ“. Die deutsche Hymne auf Türkisch anzubieten, wäre nach Auffassung des CDU-Politikers daher „ein falsches Signal an alle hier lebenden Immigranten“. Im Übrigen käme man in der Türkei auch nicht auf die Idee, die türkische Nationalhymne ins Deutsche zu übersetze, wird Bosbach weiter zitiert.

Noch schärfer reagierte die CSU-Bundestagsabgeordnete Renate Blank. Sie sprach in Berlin von einer „unerträglichen Provokation“ Ströbeles. Damit habe sich der Grünen-Politiker endgültig aus der Realität in diesem Land verabschiedet und lächerlich gemacht. „Statt „Einigkeit und Recht und Freiheit' auf Türkisch brauchen wir bessere Deutschkenntnisse für hier lebende Ausländer“, schrieb Blank weiter in ihrer Presseerklärung.

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Auch Ströbeles Parteifreundin, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast, wies den Vorstoß zurück: „Da ist dem Christian Ströbele wohl etwas vom 1. April auf Anfang Mai gerutscht.“ Ströbele hatte im November 2004 schon einmal mit einem Vorstoß für Integration Aufsehen erregt, als er einen muslimischen Feiertag in Deutschland ins Gespräch brachte. Mit seinem Vorschlag, dafür einen christlichen Feiertag zu streichen, stieß er auf breite Ablehnung.

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