Integration und Arbeitsmarkt
Forscher dämpfen Flüchtlings-Euphorie

Flüchtlinge, die nach Deutschland drängen, suchen nicht nur Sicherheit, sondern auch eine wirtschaftliche Perspektive. Für viele stehen die Chancen schlecht – auch, weil die Flüchtlinge in Europa ungleich verteilt sind.

BerlinAngesichts des Flüchtlingsandrangs in Deutschland stellt sich immer drängender die Frage, wie die anerkannten Flüchtlinge integriert werden können. Besonders wichtig ist dabei aus Expertensicht die Integration in den Arbeitsmarkt, damit Schutzbedürftige ihren Lebensunterhalt möglichst eigenständig bestreiten können.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt jedoch vor falschen Hoffnungen.  Vielfach werde unterstellt, dass anerkannte Flücht­linge lediglich die einschlägigen Integrations-Maßnah­men durchlaufen und insbesondere die deutsche Spra­che lernen müssten, um sich ohne größere Probleme in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Doch einfach lägen die Dinge aber nicht, heißt es in einer Studie des DIW-Migrationsforschers Karl Brenke. „Vielen Perso­nen, denen gerade erst ein Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde, fällt es schwer, einen Job zu finden – insbeson­dere dann, wenn hinreichende Sprachkenntnisse fehlen und die Flüchtlinge sich erst noch an ihre neue Umge­bung gewöhnen müssen.“

Überdies, so Brenke, litten manche Flüchtlinge nicht selten unter gesundheitlichen Einschränkungen körperlicher oder seelischer Art. „Aus diesen Gründen wäre es unter anderem hilfreich, wenn Asylbewerbern, die eine hohe Anerkennungschance haben, schon während des laufen­den Asylverfahrens Sprachkurse angeboten würden“, schlägt der DIW-Forscher vor. „Mit dem Erlernen der deutschen Sprache dürften sich die Beschäftigungschancen deutlich verbessern und sich somit die Abhängigkeiten von Sozialleistungen ver­mindern.“

Das ist in Vergangenheit jedoch auch nicht immer gelungen. Zwar habe die Zahl von Beschäftigten ins­besondere bei Somalis und Syrern, aber auch bei Afghanen und Personen aus Erit­rea in den letzten Jahren „prozentual erheblich zugenommen“, heißt es in einer Studie des DIW-Migrationsforschers Karl Brenke. Die absoluten Zahlen bei den Beschäftigungszuwächsen seien allerdings nicht groß. Wesentlich bedeutender waren dagegen die Beschäftigungszuwächse bei den Osteuropäern, deren Heimatländer nicht zur EU gehören.

Die Situation könnte sich noch verschärfen. Angesichts der zuletzt stark zugenommenen Flüchtlingszahlen hält es Brenke für möglich, dass die Arbeitslosigkeit von anerkannten Flüchtlingen das Arbeitsmarktgeschehen stärker beeinflusst als bisher geschätzt. Unter den Syrern gebe es inzwischen mehr Arbeitslose als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, bei den Irakern hielten sich Arbeitslose und Beschäftigte die Waage. Kaum besser sehe es bei den Afghanen, Somalis und Personen aus Eritrea aus.

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