Integration von Ausländern
Lösungen im Stundentakt

Der sechste Tag nach dem Hilferuf der Rütli-Hauptschule in Berlin hat begonnen. Eine neue Flut von Lösungsvorschlägen und Debattenbeiträgen zur Integration von Ausländern wälzt sich im Stundentakt über die Nachrichtenticker in die Redaktionen von Zeitungen, Radiosendern und Fernsehanstalten.

BERLIN. Punkt 10.06 Uhr kommt der erste Vorschlag zur Frage, wie man denn mit der Gewalt an Schulen umgehen soll. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller fordert die SPD zu neuen Verhandlungen über das Zuwanderungsgesetz auf. Zwei Minuten später, um 10.08 Uhr lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem „Islam-Gipfel“ ins Kanzleramt ein. 10.34 Uhr: Die Union Europäisch Türkischer Demokraten bezeichnet den Vorstoß Bayerns als „Stammtischparole“. 10.54 Uhr: Berlins Bildungssenator Klaus Böger lehnt es ab, die Hauptschule als Schulform abzuschaffen. Um 11.45 Uhr wirft die bayerische SPD Edmund Stoiber (CSU) Populismus vor. Und um 11.54 Uhr macht Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) die „Muslime als Hauptproblem“ aus.

Integrationsgipfel, Islam-Gipfel, bessere Sprachförderung, mehr Streetworker, mehr Psychologen, mehr Deutschkurse, Deutsch als Pflicht, Bußgeld für Deutschverweigerer – im schlimmsten Fall droht sogar die Abschiebung. Die Politikmaschinerie ist voll angelaufen. Keiner will zurückstehen, wenn es um die Lösung für ein Problem geht, das seit Jahren allen Experten und Politikern bekannt ist. Die Bitte des neuen Leiters der Rütli-Schule vom Vortag, weiteren „Rummel“ zu vermeiden, geht völlig unter. Helmut Hochschild, der agile 49-Jährige, noch nicht einmal drei Tage im Amt, findet sich großformatig in der „Bild-Zeitung“ wieder. Sein Blick ist in diesem Moment der Pressekonferenz nach unten gesenkt: Darüber steht die Schlagzeile: „Die Konferenz der Ratlosen“. Doch der Tag ist noch jung. Die Vorschläge reißen nicht ab. 13.50 Uhr: Die Innen-Experten der Union stellen ein neues Konzept vor. Danach soll das Integrationsangebot für Zuwanderer deutlich ausgebaut werden, gleichzeitig müssen sich Verweigerer auf stärkere Sanktionen einstellen. 14.27 Uhr: Schönbohm meldet sich wieder: Er ist gegen Fragebögen bei der Einbürgerung.

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