"Intensive Begleitung durch Journalisten ist nicht hilfreich"
Ex-RAF-Terrorist Wagner aus der Haft entlassen

Der ehemalige RAF-Terrorist Rolf Clemens Wagner ist am Dienstag nach 24 Jahren aus der Haft entlassen worden, das bestätigte ein Sprecher des hessischen Justizministeriums auf Anfrage.

HB SCHWALMSTADT. Wagner (59) war 1977 an der Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer beteiligt. Er saß zuletzt im Hochsicherheitsgefängnis im nordhessischen Schwalmstadt und wurde von Bundespräsident Johannes Rau begnadigt.

Wagner war im November 1979 inhaftiert worden. Deutsche und schweizerische Gerichte hatten ihn wegen mehrfachen Mordes und Mordversuches zu jeweils lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Nach der in Deutschland üblichen Praxis wird eine Begnadigung nicht näher begründet. Ausschlaggebend ist immer der Einzelfall und das Verhalten des Betroffenen in der Haft.

Die ursprünglich für Mittwoch geplante Entlassung sei um einen Tag vorverlegt worden, um einen Medienauflauf zu vermeiden, sagte der hessische Sprecher. Um 7.45 Uhr verließ Wagner die Haftanstalt. Ob er am Gefängnis abgeholt wurde und wohin sich der 59-Jährige danach begab, blieb offen. „Der Mann muss sich nach der langen Haft erst mal wieder zurecht finden“, sagte der Sprecher. Intensive Begleitung durch Journalisten sei dabei nicht hilfreich.

Nach der Ermordung Schleyers im Jahr 1977 war Wagner 1979 an dem Attentat auf den damaligen Nato-Oberbefehlshaber Alexander Haig beteiligt. Dabei wurden der US-amerikanische General und drei seiner Begleiter leicht verletzt. 1993 wurde Wagner deswegen schuldig gesprochen. In der Schweiz wurden Wagner ein Banküberfall und ein dabei verübter Mord zur Last gelegt. Ein Gericht in Zürich verurteilte ihn 1980 ebenfalls zu lebenslanger Haft. Wegen der Verurteilung in zwei Staaten wurden die Strafen auf 30 Jahre addiert.

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