Interbankenhandel
DIW setzt bei Interbankenhandel auf Rettungsschirm

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält zusätzliche Maßnahmen für nötig, um die Kreditvergabe der Banken untereinander, den sogenannten Interbankenhandel, in Schwung zu bringen. Auch in der Großen Koalition wachsen die Sorgen, dass die staatlichen Milliardenhilfen für die Banken verpuffen könnten.

dne/HB DÜSSELDORF/BERLIN. „Letztendlich müssen möglichst viele Banken unter den staatlichen Rettungsschirm gehen, damit das (Kredit-) Ausfallrisiko durch eine staatliche Garantie aufgehoben wird. Doch weil das Bankensystem so stark vernetzt ist, nutzt es nichts, wenn nur einzelne Banken diese Garantie in Anspruch nehmen“, sagte die Finanzmarktexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Dorothea Schäfer, im DIW-Online-Interview "7 Fragen an", das Handelsblatt.com vorab vorliegt.

Nach Ansicht Schäfers muss die Finanzmarktkrise zunächst auf nationaler Ebene bekämpft werden, weil es momentan noch nationale Regulierungs- und Bankaufsichtssysteme gebe. In Deutschland seien „definitiv“ höhere Eigenkapitalquoten nötig, betonte die DIW-Expertin. „In dieser Hinsicht sind weltweit alle Länder in Zugzwang, dennoch muss das erst einmal auf nationaler Ebene initiiert werden.“ Insgesamt sei dieser Punkt deshalb sehr wichtig, um die allgemeine Systemstabilität zu erhöhen.

Auch in der Großen Koalition wachsen die Sorgen, dass die staatlichen Milliardenhilfen für die Banken verpuffen könnten. Trotz umfassender Garantien des Rettungsfonds SoFFin komme die Kreditvergabe der Institute untereinander nicht in Schwung, warnte der Vorsitzende des Kontrollgremiums des Bundestages, Albert Rupprecht, am Mittwoch im Reuters-Interview. Bisher haben 15 Banken und Versicherer beim SoFFin Staatshilfe beantragt - der Fonds bürgt mittlerweile mit 90 Mrd. Euro für Geldgeschäfte. Die Immobilienbank Hypo Real Estate stockte ihren Garantierahmen um zehn auf 30 Mrd. Euro auf.

In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Brief an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück warnte Rupprecht vor der Gefahr, dass der SoFFin seine Mittel ausschöpfe, das Vertrauen der Banken untereinander aber trotzdem nicht zurückkehre. Wegen der Finanzkrise leihen sich die Institute kaum noch Geld. Der SoFFin kann mit insgesamt 400 Mrd. Euro für Interbanken-Kredite bürgen und sich auch mit bis zu 80 Mrd. Euro direkt an Instituten beteiligen.

Rupprecht fordert schnelle Änderungen am Rettungsschirm. Der Bundestag tagt nächste Woche zum letzten Mal in diesem Jahr und dann erst wieder in der zweiten Januarhälfte. Bis dahin gebe der SoFFin aber weitere Garantien ab, irgendwann seien seine Mittel ausgeschöpft. Im Gespräch ist zurzeit eine Clearingstelle bei der Bundesbank, die das Kredit-Ausfallrisiko übernehmen würde. Rupprecht zufolge kommt auch ein Einlagensicherungsfonds der Banken in Betracht, in den die Institute eintreten müssten.

Die Risikoprämien am Geldmarkt sind zuletzt zwar gefallen. Die Institute parken aber noch immer überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank, anstatt einander Kredite zu geben. Das behindert unter anderem größere Finanzierungsvorhaben.

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