Internationale Industriekonferenz Zypries' Plädoyer für den Freihandel

Brigitte Zypries nutzt ihren ersten großen Auftritt als neue Bundeswirtschaftsministerin für ein Plädoyer für den Freihandel. Die Gabriel-Nachfolgerin verspricht ein selbstbewusstes Auftreten gegenüber den USA.
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Die neue Bundeswirtschaftsministerin hatte bei der Internationalen Industriekonferenz des Bündnisses zur Zukunft der Industrie in Berlin ihren ersten großen Auftritt vor Vertretern der Wirtschaft. Quelle: dpa
Brigitte Zypries

Die neue Bundeswirtschaftsministerin hatte bei der Internationalen Industriekonferenz des Bündnisses zur Zukunft der Industrie in Berlin ihren ersten großen Auftritt vor Vertretern der Wirtschaft.

(Foto: dpa)

BerlinÜber dem Amt des Bundeswirtschaftsministers scheint ein Fluch zu liegen. Als er noch die Stelle innehatte, kam Sigmar Gabriel stets zu spät zu seinen Reden. Auch seine Nachfolgerin Brigitte Zypries verspätet sich zu ihrem ersten großen Auftritt vor Vertretern der Wirtschaft bei der Internationalen Industriekonferenz des Bündnisses zur Zukunft der Industrie in Berlin um ein paar Minuten.

Als sie eintrifft, versammelt sich um Zypries sofort eine Traube von Männern in dunklen Anzügen – alle wollen der neuen Wirtschaftsministerin die Hand schütteln, es ist erst ihr elfter Tag in dem Amt. Die Halle ist gut gefüllt, die meisten kennen die neue Ministerin noch nicht. DIHK-Chef Eric Schweitzer posiert mit Zypries für die Kameras, VCI-Präsident und BASF-Chef Kurt Bock schüttelt ihr die Hand, BDI-Chef Dieter Kempf und IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nehmen direkt nehmen ihr Platz in der ersten Reihe.

Als Zypries ans Rednerpult tritt und spricht ist Totenstille im Saal, alle hören der neuen Ministerin gespannt zu. Sie nutzt ihre Rede für ein Plädoyer für den Freihandel. Und sie betont, dass sie, obwohl sie neu im Amt ist, sich schon lange mit Industriepolitik beschäftigt. Die Bedeutung der Industriepolitik habe ihr schon ihr langjähriger Weggefährte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nahegelegt.

Die Industrie sei das „heiße Herz des Wirtschaftsstandorts Deutschland“, sagte Zypries. Deswegen sei vollkommen  klar: „Wir wollen, wir müssen die Industrie weiter stärken“. Das Ziel, die Industriequote in Deutschland auf 20 Prozent zu erhöhen, sei genauso wichtig wie das Klimaschutzziel.

Worauf alle Teilnehmer im Raum am meisten gewartet haben dürften ist jedoch ihre Position im Umgang mit der neuen US-Regierung. Präsident Donald Trump hatte sich bereits während des Wahlkampfes in den USA mehrfach äußerst kritisch zum internationalen Freihandel geäußert. Als eines seiner ersten Amtshandlungen hatte er ein Dekret zum Ausstieg der USA aus dem transatlantischen Freihandelsabkommen TPP unterschrieben und damit gedroht, Zölle zu erheben, wenn Autobauer nicht in den USA produzieren.

Zypries riet zu Gelassenheit. „Wir stehen dazu, was wir für richtig halten“, sagte Zypries in Berlin. „Wir wollen einen fairen Welthandel etablieren, von dem alle profitieren.“ Man wolle der neuen amerikanischen Administration selbstbewusst und mit Gesprächsbereitschaft begegnen – „wie denn auch sonst“, betonte die Wirtschaftsministerin. Amerika und Deutschland teilten gemeinsame Werte, man sei volkswirtschaftlich eng miteinander verbunden.

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4 Kommentare zu "Internationale Industriekonferenz: Zypries' Plädoyer für den Freihandel"

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  • Sehr geehrte Frau Heide,

    es ist sicher lieb gemeint, wenn Frau Zypries der amerikanischen Administration selbstbewußt und mit Gesprächsbereitschaft begegnen will.

    Aber Deutschland ist keine wirtschaftliche Weltmacht. Um Donald Trump vom Protektionismus abzubringen, bedarf es anderer Gewichte. Gemeint sind damit die 28 Länder der EU. Sie müssen sich zusammenraufen und darauf verständigen, amerikanische Einfuhrzölle mit gemeinsamen Gegenmaßnahmen zu beantworten. Das Argument lautet, bei einem Handelskrieg verlieren alle. Auch die USA.

    Nicht nur an Wohlstand (billige Importe). Wenn die Exporte jedes einzelnen Landes einbrechen, haben wir in jedem Land eine Rezession. Auch in den USA.

    Kurz und gut: Wer den freien Handel verteidigen will, muß vom Handelskrieg reden. Muß sagen, dass dann auch die USA Wohlstand und Arbeitsplätze verlieren.

  • Der Welthandel ist Frei genug. Er bedarf keiner weiteren Eliten Regelungen ala TTIP oder sonst welcher Vereinbarungen = politische Regelungen.
    Der Handel war schon IMMER Frei...erst durch die Politik wurde der Handel seiner Freiheit beraubt!

  • Ein "selbstbewusstes Auftreten gegenüber den USA" wäre nur, wenn Frau Zypries erklären würde:

    35 % Importzoll für VW, BMW, Daimler-Benz in den USA, bedeutet 35 % Importzoll für Ford, Opel, General Electric in der EU.

    Dafür werde Deutschland, als größter Nettozahler der EU sorgen.

  • Warum fällt es den Regierenden derart schwer, das Problem zu erkennen? Wohl deshalb, weil alle Massnahmen zum Schutz vor einer bedrohlichen Einwanderung an der liberalen Weltordnung rütteln. Diese steht unter dem Fixstern der Globalisierung, das heisst: immer mehr internationale Zusammenarbeit, immer weniger nationalstaatliche Schranken. So ging das lange gut. Doch heute sollte die Einsicht dämmern, dass man nicht fortfahren kann wie bis anhin.

    Die Bewältigung der Einwanderung wird für einige Staaten zur Existenzfrage, namentlich im EU-Raum. Die EU muss Europa nicht zur Festung ­ausbauen. Aber sie muss beweisen, dass sie – und nicht Schlepperbanden – die Gesetze des Handelns diktiert.

    Doch es geht nicht nur um Flüchtlinge und illegale Einwanderer. Selbst in das Dossier der Personenfreizügigkeit kommt Bewegung. Ist das EU-Credo von den vier Freiheiten wirklich sakrosankt für das Funktionieren eines Binnenmarktes? Das angesehene Bruegel-Institut, eine unabhängige Denkfabrik in Brüssel, verneint die Frage. Ein ­Binnenmarkt könne auch nur mit den drei Freiheiten für Waren, Dienstleistungen und Kapital funktionieren.

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