Internationale Pressestimmen zur GroKo Erleichterung über Merkels „leidenschaftslose Zweckehe“

Nach den langen GroKo-Verhandlungen überwiegt in der internationalen Presse Erleichterung über die Einigung. Begeisterung kommt jedoch kaum auf.
7 Kommentare
Für viele Medien macht Angela Merkel nach den langen Koalitionsverhandlungen einen abgekämpften Eindruck. Quelle: Reuters
Berlin

Für viele Medien macht Angela Merkel nach den langen Koalitionsverhandlungen einen abgekämpften Eindruck.

(Foto: Reuters)

Die Weltpresse hat die Verhandlungen zwischen Union und SPD mitverfolgt - und das Ergebnis mit gezügelter Begeisterung kommentiert. Vor allem Merkels Einfluss sehen einige Medien im Schrumpfen begriffen. Die nun erzielte Koalitionsvereinbarung sei „die am wenigsten schlechte Lösung“.

  • „BBC“: Zweckehe als Kompromiss

„Die Koalitionsvereinbarung ist eine Zweckehe. Nicht eine aus Liebe. Und schon gar nicht aus Leidenschaft. Es ist die am wenigsten schlechte Lösung, weil keine der beiden Seiten die Alternativen favorisiert: Eine Minderheitsregierung wird als instabil angesehen; Neuwahlen würden zu Monaten der Unsicherheit führen und könnten die Pläne des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zur Reform der Eurozone zunichtemachen.

Das Ergebnis ist also keine große Vision für ein neues Deutschland, sondern eine Liste pragmatischer Kompromisse. (...) Ein Kompromiss zwischen zwei so unterschiedlichen Parteien ist gut, da jeder etwas darin finden kann. Die Gefahr ist aber, dass man es beim Versuch, allen zu gefallen, am Ende niemandem Recht macht.“

  • „Bloomberg News“: Erfahrene Machtvermittlerin

„Vorhersagen über Merkels baldiges Abdanken könnten jedoch übertrieben sein. Ja, sie musste einige wichtige Ministerien aufgeben. Sie ist aber eine erfahrene Machtvermittlerin, die weiß, wann sie nachgeben und wann sie standhaft bleiben muss.“

  • „The Guardian“: Erleichterung statt Euphorie

„Die Wiederherstellung von etwas, das in Berlin als ,Business as usual' gilt, ist Anlass für vorübergehende Erleichterung, aber nicht zur Euphorie. Die SPD-Mitglieder können den Deal ablehnen. Und: Die Zusammenarbeit mit Frau Merkel hat die deutsche Mitte-Links-Partei ihrer Dynamik und Identität beraubt. Herr Schulz wurde bei der Wahl wegen des Fehlens einer eindeutigen Botschaft verspottet und tritt nun als Parteiführer ab.“

„Dieser Vertrag ist noch scheußlicher als erwartet“
Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall
1 von 28

Dieser Vertrag ist noch scheußlicher als erwartet“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Oliver Zander, am Mittwoch in Berlin. „Die Leistungsträger werden enttäuscht und der Sozialstaat explosionsartig ausgeweitet.“ Unruhig werde man, wenn man an die mittel- und langfristigen Folgen denke. „Das ist ein trauriger Tag für dieses Land.“

Dieter Kempf, Präsident des BDI
2 von 28

„In der Gesamtschau ist die deutsche Industrie mit dem Koalitionsvertrag unzufrieden“, erklärte BDI-Präsident Dieter Kempf über den Koalitionsvertrag. Kempf kritisiert unter anderem eine „klare Schieflage in Richtung Umverteilung anstatt in Zukunftssicherung“. Auch die Vereinbarungen zur Steuerpolitik, bei Förderung von Forschung und Entwicklung und der Digitalisierung seien nicht ausreichend.

Eric Schweitzer, Präsident des DIHK
3 von 28

Der DIHK freut sich nach eigenem Bekunden zwar über einige Investitionen. Die Wirtschaft sei aber zugleich „besorgt über teure Zukunftslasten, die insbesondere die Unternehmen treffen“, sagt Eric Schweitzer, Präsident des DIHK.

Armin Laschet
4 von 28

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD ist aus Sicht von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ein Gewinn für sein Bundesland. Einen „unrealistisch voreiligen und planlosen Ausstieg“ aus der Energieerzeugung mit Kohle werde es nicht geben, teilte Laschet am Mittwoch mit. Ein neuer Fonds werde den Strukturwandel in den Braunkohleregionen begleiten. Dies sei ein wichtiges Signal an das Rheinische Revier.

Auch mit Blick auf die Sorge um einen Atomunfall in den belgischen Pannen-Reaktoren Tihange und Doel sei ein gutes Ergebnis für Nordrhein-Westfalen erreicht worden. „Wir setzen uns auf europäischer Ebene für umfassende Sicherheitsüberprüfungen, verbindliche Sicherheitsstandards und ein System wechselseitiger Kontrolle ein.“

Ingo Kramer, BDA-Präsident
5 von 28

Der Arbeitgeberpräsident bezeichnete die Ergebnisse des Koalitionsvertrags in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik als „weitgehend enttäuschend“. Vieles bleibe wirtschaftlich unvernünftig und bedeute weniger Flexibilität für die Unternehmen, dafür aber ein Mehr an Belastung und Regulierung. „Der Vertrag ist geprägt von rückwärtsgewandter Umverteilung und unverantwortlicher Belastung der jungen Generation, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen für die Zukunft abzusichern.“ Im Vergleich zum Sondierungsergebnis bedeute der Koalitionsvertrag eine „dramatische Verschlechterung“ aus Sicht der Wirtschaft. „Es hätte natürlich schlimmer kommen können. Aber es hätte nachhaltig sehr viel besser sein müssen.

Hans-Walter Peters, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken
6 von 28

Der Privatbankenverband zeigte sich zufrieden. „Trotz einiger Schwächen, etwa in der Steuerpolitik, ist dieser Koalitionsvertrag eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Regierungsarbeit“, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Hans-Walter Peters. Bemerkenswert sei, „dass die Politik der Attraktivität des Finanzplatzes Deutschland wieder mehr Aufmerksamkeit schenken wird“. Die Überprüfung der Bankenregulierung auf Widersprüche und unbeabsichtigte Nebenfolgen sei wichtig.

Dietmar Bartsch
7 von 28

Fraktionschef Dietmar Bartsch warf Union und SPD einen durchweg schwachen Koalitionsvertrag vor. „Die Wahlverlierer präsentieren sich heute wie die großen Gewinner mit einem Vertrag des kleinsten gemeinsamen Nenners“, sagte Bartsch. Es fehle eine gerechte Besteuerung und Umverteilung. „Das Personalgeschacher überlagert dazu die Inhalte.“

  • „Indian Times“: Vom Helden zum Verlierer

„Knapp ein Jahr, nachdem er versprochen hatte, Deutschlands älteste Partei wiederzubeleben, erklärte Martin Schulz nun, er werde als Vorsitzender der Sozialdemokraten zurücktreten – geschwächt durch ein Wahldebakel und ein paar Kehrtwenden zu viel. Stunden nach dem hart umkämpften Koalitionspakt sagte Schulz, dass er nicht der richtige Mann sei, um den ,Erneuerungsprozess' seiner Partei anzuführen. Ein Fall vom Helden zum Verlierer.“

  • „New York Times“: Neuer Deal, alte Partner – hohe Kosten

„Es war kennzeichnend, dass Frau Merkel, die seit 12 Jahren an der Macht ist, eher müde als jubelnd wirkte. Der neue Deal mit den alten Koalitionspartnern ist genau die Regierung, gegen die die Deutschen im September gestimmt hatten. Er hinterlässt die rechtsextreme Alternative für Deutschland als führende Oppositionspartei des Landes. Und er kommt Frau Merkel, die unglaublich schrumpfende Kanzlerin, teuer zu stehen – sie musste wichtige Ministerien abgeben .

  • „Neue Züricher Zeitung“: Es dominiert die Müdigkeit

„Merkel betonte an der Pressekonferenz die Bemühung, überall die Balance zu halten: zwischen Sozialpolitik und Wirtschaftspolitik, Humanität und Steuerung in der Migrationspolitik. Es sei ein langer Weg gewesen, der zum Vertrag geführt habe. Es habe sich aber gelohnt, meinte sie. „Schwung und Dynamik“, die sich Merkel für Deutschland verspricht, standen in krassem Kontrast zu ihrem Vortrag. Gelegentlich schien sie fast einzunicken. Den europäischen Aufbruch zu verkünden, überließ sie Schulz.

  • „Washington Post“: Das Ende von Merkels Ära

„Merkel geht aus den letzten Koalitionsverhandlungen als drastisch geschrumpfte Figur hervor. Sie wurde von ihren Verhandlungspartnern der Mitte-Links-Partei (SPD) gezwungen, einen extrem hohen Preis zu bezahlen. In den Reihen ihrer eigenen Christdemokraten (CDU) wird man das so schnell nicht vergessen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Merkel die deutsche Politiklandschaft so gestalten konnte, wie sie wollte. Auch wenn sie ihren Platz als Kanzlerin behält – das Ende ihrer Ära ist schon in Sicht.“

Startseite

7 Kommentare zu "Internationale Pressestimmen zur GroKo: Erleichterung über Merkels „leidenschaftslose Zweckehe“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Georg Strömer: Deutschland profitiert extrem von Europa und vom Euro? Als Folge der für Deutschland zu niedrigen Zinsen und der zu niedrigen Währung haben wir hier fast Vollbeschäftigung. Auf den ersten Blick großartig. Wir dürfen also fast alle arbeiten. Aber was bekommen wir z.B. für ein exportiertes Auto? Ein Versprechen (= unsere Sparvermögen), dass das exportierte Auto in der Zukunft mal bezahlt wird (Kredit). Und die sprudelnden Steuereinnahmen werden nicht an die Leistungsträger verteilt oder für eine Verbesserung der Infrastruktur verwendet, sondern gehen an Rentner, Flüchtlinge und Südeuropäer. Großartig ist also, dass man uns erzählt, wir würden extrem profitieren - dabei arbeiten wir einfach nur für die Anderen!

  • Sehr geehrter Herr Georg Strömer,
    glauben sie wirklich was sie als ihre Meinung hier geschrieben haben?
    Wenn sie den Politischen Lebenslauf von Herrn Schulz verfolgt hätten wüsten sie das er der größte Gegner der Bundesrepublik Deutschland ist.
    Seine Erfahrungen in der EU kenne ich nur in Wortgefechten mit Abgeordneten die nicht seiner sichtweiße waren. Er kann kein Außenminister der Bundesrepublik Deutschland sein/werden, denn dieser Aufgabe ist er wirklich nicht gewachsen.
    Er wird deutsches Steuergeld mit vollen Händen in der EU verteilen.
    Zum Ende, er hat Steuergeld widerrechtlich angenommen ohne eine sichtbare Leistung dafür erbracht zu haben.
    Vielen Dank

  • Es wird mal wieder nur gemosert und gemeckert, anstatt etwas selber zu machen. Die SPD hat sich, mangels einer echten Alternative für Deutschland, extrem verantwortungsbewusst verhalten! Schulz ist nicht Kanzler geworden, kann aber ggf. als Außenminister seine große Erfahrung in der Europapolitik einbringen. Deutschland profitiert EXTREM von Europa. Der EURO ist ein Segen für uns!
    Es gibt mehr für Kinder, die Krankenversicherung bewegt sich in die richtige Richtung etc. Große Sprünge gibt es in Demokratien selten. Wenn doch, bitte Beispiele nennen.
    Bei allen Bedenkenträgern und Moserkommentatoren fehlen mir die Hinweise auf andere positive Beispiele.

  • 2018. Planziel erreicht. Wir haben eine neue Stufe der Evolution erreicht : Zweckstillstand. Jetzt beginnt für uns die „Zukunft“. Merkel sei Dank ...

  • Leider bestehen kaum Zweifel, dass die Merkel wieder gewählt wird, aber die Gegner in ihrer eigenen Partei werden keine 3 1/2 Jahre stillhalten. Was ist mit den anderen "Hoffnungsträgerinnen" (Kramp-Karrenbauer etc.) ? Die haben wohl schon vor der Verteilung der Ministersessel die Flinte ins Korn geworfen.
    Nun warten wir halt mal ab wie viele Gegenstimmen die Merkel bei der Kanzlerwahl einsammelt; ich denke ziemlich viele!

  • Es kommt immer so wie die Politiker es haben wollen. Ein Schulz ist angetreten um Kanzler zu werden, was für ein tollkühner Versuch, an den er als einziger dran glaubte, Gabriel wußte warum. Der glühende Sozialdemokrat hat fleißig Waffen ins Krisengebiet geliefert und uns den ganzen Salat ein gebrockt. Jetzt wird er bald in die Wirtschaft verschwinden und das Volk kann sein Schlamassel aus baden.Frau Merkel ist alles egal, Hauptsache sie kommt ins Guinessbuch. Man kann nur beten, dass die Jugend endlich erwacht und einen Riegel vor der GroKo schiebt.

  • Ein schwarzer Tag für Deutschland und die deutsche Demokratie.
    Verlierer SPD stellt neue SPD Regierung unter der stehend Ko gegangenen machtgeilen Kanzlerin Merkel.
    Sie hat bewusst die wichtigsten Ministerien dem Verlierer der Wahl also der SPD bewusst überlassen, was für eine große Kanzlerin!!!
    Ich wollte keinen Herrn Schulz als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland einen Lügner und Betrüger des deutschen Volkes.
    Europa wird sich freuen über den deutschen Geldsegen für Europa, und Frankreich darf sich auch freuen die deutschen werden die Träume Frankreichs bezahlen, also alle sind froh und Glücklich.
    Und Deutschland ist einen Schritt weitergekommen sich ab zu schaffen.
    Ein hoch auf Frau Merkel!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%