Interner Streit
SPD-Linke kritisiert Gabriels Rentenkonzept

Die Rentenpläne von SPD-Chef Gabriel stoßen in den eigenen Reihen auf Kritik. Die Jusos wollen die gesetzlich fixierte Absenkung des Rentenniveaus rückgängig machen. Die Parteilinke will außerdem Frauen besserstellen.
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BerlinIn der SPD-Linken ist die Korrektur der SPD-Rentenpläne durch Parteichef Sigmar Gabriel auf Skepsis gestoßen. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitnehmer (AfA), Klaus Barthel, sagte der „Berliner Zeitung“ (Montag), es sei gut, dass Bewegung in die Debatte komme. „Gerade für die Frauen wird dadurch aber nichts erreicht.“

Auch der SPD-Nachwuchs fordert Änderungen. Die Jusos wollen, dass sich die Partei auch auf die Fahnen schreibt, die gesetzlich fixierte Senkung des Rentenniveaus wieder rückgängig zu machen. Das Rentenniveau solle mindestens auf dem derzeitigen Stand von 50 Prozent des durchschnittlichen Nettolohns bleiben. „Für die Absenkung auf 43 Prozent gibt es weder bei den Anhängern der SPD noch im Parteivorstand oder den Gewerkschaften eine Mehrheit“, sagte Juso-Chef Sascha Vogt der Zeitung „Die Welt“. „Wir sollten so mutig sein und die Beiträge stärker steigen lassen.“

Gabriel will im Fall einer SPD-geführten Regierung Zehntausenden Arbeitnehmern eine abschlagsfreie Rente - in bestimmten Fällen auch schon vor dem 65. Lebensjahr - erlauben: Wer 45 Versicherungsjahre habe, solle ohne Einbußen in den Ruhestand gehen können, heißt es in Gabriels Beschlussempfehlung für den SPD-Vorstand, der heute tagt. Einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bestätigte Gabriel am Sonntagabend in der ARD.

Zu diesem Vorstoß sagte Barthel, das Berufsleben von Frauen sei nach wie vor oft durch längere Erziehungszeiten unterbrochen. Außerdem arbeiteten Frauen häufiger in sozialversicherungsfreien Minijobs.


dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • „SPD-Linke, Parteilinke“? (Was ist das?)

    „Beiträge“? (Zutreffender: Sozialsteuern)

    „in den Ruhestand gehen“? (Richtiger: Rente gezahlt bekommen)

    „sozialversicherungsfrei“? (Jede Einkunftsart sollte besteuert werden.)

    Eine gut entwickelte Gesellschaft schützt a l l e ihre Bürger, sichert sie vor den großen Lebensrisiken ab. Versicherung ist etwas anderes: Beiträge nach Durchschnittsrisiko, kleinere Versichertengemeinschaft.
    Sigmar Gabriel ist mit seiner Pension belastet und hält nicht besonders viel von Freiheit, GLEICHHEIT und Brüderlichkeit in der Gesellschaft, bremst egoistisch ihre Weiterentwicklung.

    Ich meine:
    Rente für a l l e in der Gesellschaft, die aus Sozialsteuern auf a l l e Einkunftarten finanziert wird, von a l l e n nach einheitlichem Steuersatz erhoben.
    Bedingungsloses Grundeinkommen und dazu ab Rentenzahlbeginn die Rente aus eigenen Sozialsteuerzahlungen.

  • Wir brauchen eine umfassende Rentenreform.
    Nicht so ein SPD-Rentenniveau-Senkungs-Gepfusche.
    Nein, komplett umstellen auf nur ein Alterssicherungssystem.
    Statt Pensions- und Rentensystem, nur noch Rentensystem. Damit erfolgt die Gleichstellung aller Einzahler hinsichtlich Altersvorsorge und Einzahlung ins Renten-u. Krankenkassensystem. Da keine Partei anscheinend auch nur im Entferntesten eine solche längst überfällige Reform ins Auge fasst, wäre das doch eine prima Steilvorlage für die FDP. Das Wählervolk stünde geschlossen dahinter. Endlich würde der Beamtenwohlstand nicht mehr auf dem Rücken der Otto-Normal-Zweite-Klasse-Bürger ausgetragen.

  • Man muss es klar sehen, der Euro hat die Rentner arm gemacht. Wer früher eine Rente von 2000,- DM bezog, war eigentlich nicht schlecht gestellt. Wer aber heute eine Rente von 1000,- € oder weniger erhält, führt bereits einen Überlebenskampf!
    Es wird sich nicht umgehen lassen, dass man das Rentensystem ändern und die gesamte Volkswirtschaft Deutschlands an der Altersversorgung beteiligen muss. Mir schwebt da eine Art Rentenabgabe, abhängig von der Lohnsumme eines Betriebs vor.
    Schröders Modell der privaten Vorsorge ist nicht nur ein Flop, sondern eine regelrechte Unverschämtheit, denn genau die Schichten, die es bitter nötig hätten, sind finanziell gar nicht in der Lage, zusätzlich Gelder in eine solche, zudem unsichere, Versorgung einzubringen. Schröder hat sich, zusammen mit Riester und Rürup, zum größten Lobbyisten der Versicherungswirtschaft gemacht. Eigentlich müssten die von der Versicherungswirtschaft ein Denkmal und jede Menge Provision bekommen - diese Ära Schröder ist mE eine der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der SPD!

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