Internet-Aktivitäten der Parteien
SPD-Wahlkampf in Schwarz-Gelb

Mit einer Seiten-Flut buhlen die Parteien im Internet im Wählerstimmen. In epischer Breite werden die eigenen Konzepte hochgejubelt und die der Gegner miesgemacht. Die Schatzmeister sehen den Schaukampf im Web gelassen: Der Großteil des Budgets geht an anderer Stelle drauf.

HB BERLIN. Die virtuelle Attacke ist in Schwarz und Gelb getüncht und lässt kein gutes Haar an Angela Merkel und Guido Westerwelle. Detailversessen werden die CDU-Vorsitzende und ihr FDP-Pendant auf www.die-falsche-wahl.de als Fälscher, Trickser und Täuscher dargestellt. Auftraggeber des Machwerks: Der SPD-Parteivorstand. "Negative campaigning" nennen Fachleute solche Seiten, die nur einem Zweck dienen: Die Konkurrenz madig machen.

Im Internet tobt wieder der Kampf um Wählerstimmen, und das Beispiel zeigt, dass er zuweilen noch einen Tick härter geführt wird als im Parlament, auf der Straße und in den Talkshows. Dabei ist die Propaganda im Web ist vor allem eines: Vergleichsweise billig. Es müssen keine Plakate gedruckt, aufgestellt und bei Zerstörung ersetzt werden, niemand muss Infostände anschaffen und Kugelschreiber oder Luftballons ordern. Entsprechend klein ist der Anteil der Internet-Wahlkampfkosten an den Gesamtbudgets der Parteien.

Gerade einmal ein Prozent, schätzt Stefan Hennewig, der bei der CDU für Internet-Kommunikation zuständig ist, dürften es bei den Christdemokraten sein, die PDS rechnet mit fünf Prozent, die Grünen mit "etwas über zehn". SPD und FDP geben sich verschwiegen und verraten nur, was sie sich den Wahlkampf insgesamt kosten lassen. Immerhin lassen sich die Liberalen entlocken, sie gingen davon aus, dass die "traditionelle Großflächenplakatierung" den Löwenanteil des Gesamtetats von 3,5 Mill. Euro verschlingen werde.

Dabei sind die Strategien des virtuellen Wahlkampfes so unterschiedlich wie die Parteien selbst. Die CDU etwa konzentriert ihre Web-Aktivitäten auf ihre Partei-Seite www.cdu.de, eine Sonderseite wie 2002 www.zeit-fuer-taten.de wird es nicht wieder geben. Sehr zum Leidwesen diverser Adressenhändler, die sich Domains wie www.kanzlerin-merkel.de, www.marktradikal.de oder www.sozial-ist-was-arbeit-schafft.de gesichert haben und die Parteizentrale mit derartigen Vorschlägen bombardieren - in der Hoffnung, die Union kaufe ihnen die Rechte dafür ab. Bis zu 15 000 Euro gingen abenteuerliche Forderungen, berichtet Hennewig.

Der Hintergrund des Verzichts auf eine plakative Adresse hat aber weniger mit Geldforderungen zu tun: "Wir haben festgestellt, dass die meisten Internet-Nutzer 2002 ganz konventionell die CDU-Parteiseite angesteuert haben, um sich zu informieren", sagt Hennewig. Die PDS machte die selbe Erfahrung, weshalb auch die Sozialisten keine Neuauflage von www.pds2002.de vorbereiten. Die sei "nicht so der große Bringer gewesen", bekennt PDS-Onlineredakteur Ronald Friedmann.

Die politische Konkurrenz sieht das anders - allen voran Liberale und SPD mit ihrem bunten Blumenstrauß von Netz-Angeboten: "Wir fahren mehrgleisig", sagt Internet-Redaktionsleiter Uwe Evers. www.fdp.de, die gemeinsame Seite von Bundespartei, Bundestagsfraktion und Friedrich-Naumann-Stiftung, richtet sich an jene Nutzer, die sich nicht nur über Inhalte informieren, sondern auch im Forum diskutieren wollen. Wer eher an einem "werblichen Auftritt" (Evers) interessiert ist, wird von der FDP demnächst auf einer eigenen Seite mit der Adresse des Wahlslogans bedient, und unter www.fdp-buergerfonds.de bitten die Liberalen wie schon 2002 um Spenden.

Ähnlich opulent versucht es die SPD, die für ihren gesamten Wahlkampf 25 Millionen Euro zur Verfügung hat. Die Partei-Seite www.spd.de ist einstweilen zum "Kampagnenportal" umfunktioniert worden, mit dem das Willy-Brandt-Haus Programm und Positionen unters Online-Volk bringen will. Parallel hat die Partei "Beiboote" an den Start gebracht wie eigentum-verpflichtet.spd.de oder arbeitsmarktreform.spd.de. Die Grünen konzentrieren ihren Web-Wahlkampf www.gruene.de und haben zusätzlich nur eine "virtuelle Wahlkampfzentrale" unter www.prozentfabrik.de eingerichtet.

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