Internet-Attacken

AfD weist eigene Anhänger in die Schranken

Die Anhängerschaft der Euro-Gegner-Partei AfD nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Vor allem im Internet giften unbekannte User gegen vermeintliche Kritiker. Das geht nun auch der Bundespartei zu weit.
174 Kommentare
Bernd Lucke, Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD): Die Anhänger der Partei gehen mit Journalisten hart ins Gericht. Quelle: dpa

Bernd Lucke, Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD): Die Anhänger der Partei gehen mit Journalisten hart ins Gericht.

(Foto: dpa)

BerlinDie euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihre Anhänger zur Mäßigung bei der Meinungsäußerung im Internet aufgefordert. Hintergrund sind heftige Attacken auf den stellvertretenden Chefredakteur der "Welt"-Gruppe Ulf Poschardt auf seiner Facebook-Pinnwand. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum einige wenige die ungeschriebenen Gesetze einer klugen Streitkultur hinter sich lassen und im Netz völlig unterhalb der Gürtellinie einzelne Journalisten angreifen“, erklärt die Bundespartei in einer Mitteilung. „Insbesondere distanziert sich der Bundesvorstand von den Beleidigungen gegen Dr. Ulf Poschardt auf dessen Facebook-Profil.“

Die Anfeindungen waren offenbar so massiv, dass Poschardt bei Facebook von einem „Fluten“ seines Email-Accounts sprach: „niveau sinkend, stets beleidigend und selbst irre beleidigt. erschütternde dokumente eines verängstigenden kleinbürgertums, das gerne zu einem herrn professor aufschaut.“

Was Poschardt erlebt, scheint im Netz der Normalfall zu sein. Auch Artikel bei Handelsblatt Online werden oft mit heftigen Leserkommentaren vermeintlicher AfD-Anhänger überzogen und die Autoren als „Systemschreiber“ oder „Mietmaul der Blockparteien“ verunglimpft.

Auch die Printausgabe des Handelsblatts war ins Kreuzfeuer von AfD-Anhängern geraten, nachdem es berichtet hatte, dass Parteichef Bernd Lucke ernsthaft Wähler vom rechtsextremen Rand für sich gewinnen will. „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD“, hatte Lucke im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt. „Ohne uns gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“.

Die Berichterstattung, die auch bei Handelsblatt Online stattfand, entfachte einen regelrechten Shitstorm im Netz, woraufhin Chefredakteur Oliver Stock einen offenen Brief an die AfD-Sympathisanten veröffentlichte und darin unter anderem erklärte: "Ich meine, die Anti-Euro-Partei und ihr Chef sollten sich deutlich von diesen falschen Freunden distanzieren. Das habe ich als Leser des Gesprächs mit Herrn Lucke vermisst."

AfD-Anhänger betreiben Online-Pranger
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Internet-Attacken - AfD weist eigene Anhänger in die Schranken

174 Kommentare zu "Internet-Attacken: AfD weist eigene Anhänger in die Schranken"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Unsachliche Angriffe sind schlimm. Das gilt für einige wenige Anhänger der AfD aber EBENSO auch für eine riesige Anzahl an Linksextremisten, die sich seit Jahren in jedem Forum herumtummeln. Warum wurde darüber nie berichtet? Warum distanzieren Linke und Grüne sich nicht davon. Die AfD ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen.

  • DschingisKhan: Ich stimme voll mit Ihnen überein! Insbesondere mit den letzten Sätzen. Ich wende mich auch immer mehr den Internetmedien zu, weil mir viele Berichte der Zeitungen immer mehr unglaubwürdig erscheinen. Ich glaube allerdings nicht, dass da von "ganz Oben" gesteuert wird. Aber ein bisschen Druck auf die Redakteure scheint mir schon da zu sein. Lob an den Administrator: Gute Arbeit! Ich beneide Sie nicht für diese zeitaufwenige Arbeit!

  • DschingisKhan: Ich stimme voll mit Ihnen überein.

  • Gerade komme ich aus meinem Andalusien-Urlaub zurück. Ich habe mich oft mit deutschen Touristen über die Wahl 2013 unterhalten. Unabhängig von der jeweiligen, politischen Ausrichtung waren sich alle einig: die Medien haben eine höchst unrühmliche Rolle gespielt. Gerade das Handelsblatt ist hiervon gewiss nicht ausgenommen.

    Ich habe die Diskussionen um die AfD beim Handelsblatt sehr aufmerksam als 'geneigter Leser' verfolgt. Sehr auffallend war, dass es mehrheitlich eben nicht die AfD-Anhänger waren, welche ihren Emotionen durch eindeutige Beleidigungen Ausdruck verliehen haben. Es ist für mich immer noch völlig unverständlich, warum die HB-Redaktion es so offensichtlich zugelassen hat, dass ein User Eddie und zahlreiche andere Nicks mit identischem Wortlaut und identischen Rechtschreibfehlern in primitivster Form hetzt und beleidigt und damit jede Diskussion auf ein unterirdisches Niveau gezogen hat. Dieser mehr als berechtigten Kritik werden sich die HB-Redakteure wohl oder übel stellen müssen.

    Im Internet-Zeitalter müssen offensichtliche Medien-Manipulationen nicht mehr duldsam hingenommen werden. Es ist ein Anti-AfD-Blog entstanden, um offensichtliche Lügen und Falschdarstellungen zu verbreiten. Und es ist eben auch ein Blog erstellt worden, der Medienmanipulationen anprangert. Ich habe mich ohnehin gewundert, warum die Armada der Blogger so lange zum Treiben der Medien geschwiegen hat.

    Worin bestand nun die 'unrühmliche Rolle der Medien', die meinen Gesprächspartnern so sauer aufgestoßen ist? Auf meine Nachfragen erhielt ich folgende Begründungen:

    Es wurde nicht inhaltlich berichtet und informiert - viele Medien beschränkten sich schlicht auf das Waschen schmutziger Wäsche, obendrein mit höchst manipulativen Formulierungen. Einen Tag vor den Wahlen wurden noch Umfragen veröffentlicht, so dass der Eindruck entstanden ist, dass die Medien keinen Respekt mehr vor der demokratischen Gepflogenheiten haben.

    Was sagen Sie denn dazu, liebe HB-Redakteure?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @ Gabriel
    Unglaublich, Sie streiten die Diffamierung der AfD als rechte Partei ab, und liefern direkt das Beispiel dafür, die AfD eben doch durch eigene, wilde Phantasien als rechte Partei zu diffamieren !
    Erstens, kann die AfD nichts dafür, wenn die "Freiheit" meint, zugunsten der AfD auf zukünftige Kandidaturen verzichten zu müssen; sie wurde weder von der AfD dazu aufgefordert, noch darum gebeten. In den Medien wird, ebenso wie von Ihnen eine Story draus, die dem Leser suggeriert, hier würde von beiden Seiten aktiv eine Fusion durchgeführt, was absolut nicht zutrifft. Inzwischen geht Lucke sogar so weit, ehemaligen Mitgliedern der Freiheit generell die Aufnahme in der AfD zu verweigern !
    Was Sie dann für eine Geschichte konstruieren, ist nicht nur frei erfunden und diffamierend, Sie beleidigen Herrn Lucke auch noch als "Lügen- Lucke".
    Zitat: [Also, zahlen wir mal 1 + 1 zusammen: zumindest rechtspopulistische AfD (wichtigste Themen: Anti-EUR/EU, gegen Zuwanderung) "fusioniert" mit verfassungsfeindlicher Nazi-Partei, deren Mitglieder die AfD bereits im BT-Wahlkampf fleissig unterstuetzt hatten. Da behauptet Lügen-Lucke dann auch noch dreist, die AfD sei nicht rechts...] Erstens ist die AfD nicht generell gegen Zuwanderung, die AfD spricht sich nur gegen WAHLLOSE und UNBEGRENZTE Zuwanderung aus. Zweitens hat "Die Freiheit" nicht für die AfD geworben, sondern ist selbst zur BTW angetreten. Die angebliche "Fusion" findet nicht statt, sondern ist ein Produkt Ihrer Phantasie !!
    Bleibt nur ein Fazit, der Beitrag wurde von Spinner- Gabriel geschrieben !

  • @ Klaus Schneppenheim

    Danke für den Kommentar. Genauso ist es. Hoffentlich hält Prof. Lucke das durch.

    In der Wirtschaft, die ja angeblich so sehr vom Euro profitiert, denken viele ähnlich wie Herr Lucke, schweigen aber zum Thema Euro.

    Warum? „Man wird heute relativ schnell nicht auf der Sachebene argumentativ attackiert, weil das geht in der Regel nicht, wenn man ein vernünftiges gutes Argument hat, sondern man wird persönlich attackiert und wenn man verwundbar ist, dann will man das nicht.“(Dr. Reitzle, Linde AG)

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @ Rettungswahnsinn
    Zitat: [Dass die Anhänger der AfD hierauf sauer reagieren, ist verständlich, aber vielleicht sollte dieser Effekt ja gerade erreicht werden.]- Ende Zitat-
    Es gibt also doch noch AfD- Sympathisanten, die die Medieninquisition durchschaut haben: solange auf der AfD und ihren Anhängern rumtrampeln, bis diese aus der Haut fahren und tatsächlich manchmal übers Ziel hinausschießen, um dann genüsslich feststellen zu können, dass sich um die AfD nur rechte Rechthaber und Primitive scharen, mit denen man nicht vernünftig diskutieren kann. Lucke hat dies schon von Anfang an durchschaut und ist in jeder Talkshow ruhig und fair geblieben, obwohl man ihn z. T. aufs Schwerste beleidigt hat ohne Eingreifen der Talkmaster (Will, Plasberg, Illgner), oft das Wort abgeschnitten hat, u.s.w. ! Herrlich, wie oft man vergeblich versucht hat, ihn aus der Reserve zu locken, nachdem man in der Sache kaum Argumente oder Sachkenntnisse hatte und demzufolge persönlich wurde. Lucke hat in der Sache Recht, er hat die besseren Fachkenntnisse und die besseren Argumente, deshalb wurden die Diskussionsteilnehmer zunehmend unsachlicher und schriller in Ihren persönlichen Beleidigungen, während Lucke sich niemals auf deren Niveau herabgelassen hat. Immer nach dem Motto: Lass´ Dich nie auf das niedrige Niveau Deiner Gegner herab, da kennen die sich besser aus, weil sie sich immer nur auf diesem niedrigen Niveau bewegen (bei manchem "Diskussions"- Teilnehmer war das Niveau so niedrig, da passte locker noch ne Kellerwohnung drüber).
    (Klaus Schneppenheim)

  • Zitat: "...wenn 99% aller Mainstream-Medien versuchen, Herrn Lucke eine Rechte Gesinnung anzuhängen..."

    Das ist leider so! Man hat erkannt, daß man in diesem verknoppten GEZverblödeten Land die meisten Leute damit von einer politischen Alternative abschrecken kann, nachdem es jahrzehntelang gelungen ist, dem Toitschen Michel eine "Erbschuld" und ein schlechtes Gewissen einzureden.
    Die AfD ist doch in den letzten Monaten in den meisten Medien entweder systematisch totgeschwiegen oder systematisch kleingeredet und miesgemacht worden.
    Welche anderen Möglichkeiten als das WWW sollte man denn dann eigentlich noch nutzen, wenn man sich nicht auf die kriminelle Stufe von SA-mäßigen Randalierern, Störern von AfD-Veranstaltungen und Sachbeschädigungen begeben wollte??
    Ich gehe nach wie vor davon aus, daß das Ergebnis von 4.7% NICHT korrekt zustandegekommen ist!
    Im Falle einer korrekten Auszählung und ohne die nahezu volksverhetzenden Pöbeleien gegen die AfD (auch hier) wären wohl durchaus 6% + X möglich gewesen!
    Auf ein Neues!
    Nach der Wahl ist vor der Wahl!

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%