Internet-Attacken
AfD weist eigene Anhänger in die Schranken

Die Anhängerschaft der Euro-Gegner-Partei AfD nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Vor allem im Internet giften unbekannte User gegen vermeintliche Kritiker. Das geht nun auch der Bundespartei zu weit.
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BerlinDie euro-kritische Alternative für Deutschland (AfD) hat ihre Anhänger zur Mäßigung bei der Meinungsäußerung im Internet aufgefordert. Hintergrund sind heftige Attacken auf den stellvertretenden Chefredakteur der "Welt"-Gruppe Ulf Poschardt auf seiner Facebook-Pinnwand. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum einige wenige die ungeschriebenen Gesetze einer klugen Streitkultur hinter sich lassen und im Netz völlig unterhalb der Gürtellinie einzelne Journalisten angreifen“, erklärt die Bundespartei in einer Mitteilung. „Insbesondere distanziert sich der Bundesvorstand von den Beleidigungen gegen Dr. Ulf Poschardt auf dessen Facebook-Profil.“

Die Anfeindungen waren offenbar so massiv, dass Poschardt bei Facebook von einem „Fluten“ seines Email-Accounts sprach: „niveau sinkend, stets beleidigend und selbst irre beleidigt. erschütternde dokumente eines verängstigenden kleinbürgertums, das gerne zu einem herrn professor aufschaut.“

Was Poschardt erlebt, scheint im Netz der Normalfall zu sein. Auch Artikel bei Handelsblatt Online werden oft mit heftigen Leserkommentaren vermeintlicher AfD-Anhänger überzogen und die Autoren als „Systemschreiber“ oder „Mietmaul der Blockparteien“ verunglimpft.

Auch die Printausgabe des Handelsblatts war ins Kreuzfeuer von AfD-Anhängern geraten, nachdem es berichtet hatte, dass Parteichef Bernd Lucke ernsthaft Wähler vom rechtsextremen Rand für sich gewinnen will. „Grundsätzlich ist es gut, wenn jemand uns wählt und nicht die NPD“, hatte Lucke im Gespräch mit dem Handelsblatt gesagt. „Ohne uns gäbe es die Gefahr, dass enttäuschte Wähler, die eigentlich gar nicht rechts sind, aus Protest extremistische Parteien wählen“.

Die Berichterstattung, die auch bei Handelsblatt Online stattfand, entfachte einen regelrechten Shitstorm im Netz, woraufhin Chefredakteur Oliver Stock einen offenen Brief an die AfD-Sympathisanten veröffentlichte und darin unter anderem erklärte: "Ich meine, die Anti-Euro-Partei und ihr Chef sollten sich deutlich von diesen falschen Freunden distanzieren. Das habe ich als Leser des Gesprächs mit Herrn Lucke vermisst."

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AfD-Anhänger betreiben Online-Pranger

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  • Unsachliche Angriffe sind schlimm. Das gilt für einige wenige Anhänger der AfD aber EBENSO auch für eine riesige Anzahl an Linksextremisten, die sich seit Jahren in jedem Forum herumtummeln. Warum wurde darüber nie berichtet? Warum distanzieren Linke und Grüne sich nicht davon. Die AfD ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen.

  • DschingisKhan: Ich stimme voll mit Ihnen überein! Insbesondere mit den letzten Sätzen. Ich wende mich auch immer mehr den Internetmedien zu, weil mir viele Berichte der Zeitungen immer mehr unglaubwürdig erscheinen. Ich glaube allerdings nicht, dass da von "ganz Oben" gesteuert wird. Aber ein bisschen Druck auf die Redakteure scheint mir schon da zu sein. Lob an den Administrator: Gute Arbeit! Ich beneide Sie nicht für diese zeitaufwenige Arbeit!

  • DschingisKhan: Ich stimme voll mit Ihnen überein.

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