Internet
Parteien versagen kläglich im Wahlkampf 2.0

Von Obama lernen heißt siegen lernen, so lautete das Credo zum Start des Wahlkampfes in Deutschland. Wie der US-Präsident wollten die Parteien vor allem im Internet auf Stimmenfang gehen. Kurz vor der Bundestagswahl zeigen Tests und Studien jedoch: Die Parteien haben kläglich versagt.

DÜSSELDORF. „Die Parteien haben im Wahlkampf eine riesengroße Chance verpasst“, dieses vernichtende Urteil fällt Frank Brettschneider über die Onlineaktivitäten der Parteien. Der Professor für Kommunikationswissenschaft der Universität Hohenheim hat zusammen mit dem Medieninstitut Communication Lab Ulm untersucht, wie nutzerfreundlich die Internetseiten der Parteien sind und ob dort angemessen kommuniziert wird. Dabei kam auch das sogenannte Eye-Tracking zum Einsatz, bei dem die Blickbewegungen der Testpersonen beim Betrachten der Websites aufgezeichnet werden. „Von Obama haben die Parteien auf jeden Fall nichts gelernt“, sagt Brettschneider im Gespräch mit Handelsblatt.com. Auch das Verbraucherportal Getestet.de hat den Wahlkampf 2.0 der Parteien geprüft. Fazit: „Politik spielt sich für die Parteien eben doch nicht im Internet ab.“

Die Studie der Universität Hohenheim unterzog die Websites der Parteien einer mehrstufigen Untersuchung, bei der jeweils Punkte vergeben wurden. Keine Partei kann demnach von sich behaupten, sie hätte eine leicht verständliche und einfach zu bedienende Internseite, die sämtlichen Kriterien eines nutzerfreundlichen, gebrauchstauglichen und barrierefreien Auftritts erfüllt. Am besten schnitt die Linkspartei ab. Doch auch diese Seite erreichte nur 64,2 Prozent der maximal erreichbaren Punktzahl. Platz zwei belegt die CSU mit 59,35 Prozent, gefolgt von der FDP mit 56,47 Prozent und der CDU mit 56,22 Prozent. Auf dem vorletzten Rang findet sich die SPD mit 55,11 Prozent. Mit 48,6 Prozent das schlechteste Ergebnis erhielten die Grünen.

Als kritisch bewerteten die Forscher fehlende Übersichtlichkeit, Misserfolge bei den Suchanfragen, Unstrukturierte Informationen sowie un- oder missverständliche Begriffe oder Links, die von den Probanden nicht richtig interpretiert wurden. Auf vielen Websites mussten die Testpersonen oft frustriert aufgeben.

Bei der CDU erkannten die Probanden den Unterschied zwischen der Parteiseite und der Kampagnenseite zur Bundestagswahl gar nicht. Denn wer auf die Webseite www.cdu.de geht, der landet automatisch auf dem Kampagnenportal. Das bietet allerdings kaum Inhalte. Dass der User von hier auf die Parteiseite wechseln kann, half nichts: Der Link wurde von den Testern schlicht nicht gesehen. „Da findet man ja gar nichts“, lautete ein Kommentar. Die CSU hingegen präsentiert ihre Internetseite der Studie zufolge nüchtern, übersichtlich und klar strukturiert. Allerdings offenbaren sich bei der Suche nach speziellen Informationen Problem in der Handhabung. Keine der Testpersonen kam mit der Suchfunktion zurecht. Diese „entspricht nicht den heute gängigen Standards und ist nicht als Web 2.0 tauglich einzustufen“, heißt es in der Studie.

Wirkte die Internetseite der SPD auf die Mehrheit der Probanden optisch sehr ansprechend, erwies sich die Navigation als „verwirrend und unklar“. Keiner der Tester fand den Button „Navigation anzeigen“, wodurch die Lösung der gestellten Aufgabe unmöglich wurde. Erfindungsreichtum bewiesen die Sozialdemokraten bei der Beschriftung ihrer Elemente. Das Problem dabei: „Informiert bleiben“ wird einfach nicht als Synonym für „Newsletter“ verstanden.

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