Internet-Reaktionen
CNetz erinnert an „unhandliche Handy-Knochen“

Die Gründung des konservativen Lobby-Vereins CNetz wird bei Twitter und in Blogs kontrovers diskutiert. Und auch der Spott kommt natürlich nicht zu kurz.
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Bei Twitter ist das Hashtag #cnetz in den vergangenen zwei Tagen immer wieder unter den sogenannten „Trending Topics“ zu finden – das bedeutet, vereinfacht gesagt, dass darüber besonders viel gesprochen wird. Tatsächlich laufen im Minutentakt neue Tweets ein. Diskutiert wird über den Sinn und Unsinn von CNetz generell, aber auch über den Namen der neuen Internetlobby. Denn der weckt bei so manchem Erinnerungen an längst vergangene Tage: Seitdem im Jahre 1985 in Deutschland das offizielle C-Netz, ein analoges Mobilfunknetz der damaligen Telekom, eingeführt wurde, ist der Name eigentlich „besetzt“. „Wie kann man #CNetz als was Neues verkaufen?“ fragt deswegen @peed62 und verweist auf den Wikipedia-Eintrag zum C-Netz aus Telekom-Zeiten. Auch @2beemedia fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt und zwitschert: „Die Initiative #CNetz erinnert mich an das lange abgeschaffte Mobilfunknetz: war mal nützlich, wurde aber vom Innovationsgeist überrollt.“ @Felicea stößt ins gleiche Horn: „Nein, ich habe bei #CNetz nicht zuerst an christliche Netzpolitik gedacht, sondern an unhandliche Mobiltelefonknochen. #namensfail“

Kritik erntet die Internetlobby aber nicht für ihren Namen, sondern auch für ihre Gründungsmitglieder. Besonders die Frage, was CDU-Politikerin Erika Steinbach als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) zum Thema Netzpolitik beitragen könnte, beschäftigt die Twitter-Nutzer. Zwar hat Steinbach vielen anderen Unionspolitikern eines voraus – sie zwitschert in ihrem eigenen Twitter-Account. Trotzdem fühlen sich viele Twitterer von der Bundestagsabgeordneten nicht vertreten. Entsprechend wird Steinbachs Teilnahme am „Projekt“ CNetz kommentiert: „Erika Steinbach als Gründungsmitglied eines netzpolitischen Vereins? Mir fehlen gleich mehrfach die Worte“, schreibt @mw238. Und auch @DFranzenburg fehlt das Verständnis für Steinbachs Engagement: „Netzpolitikerin Erika #Steinbach gründet mit Unionspolitikern #CNetz. Netzpolitikerin? Steinbach? Selten so gelacht.“

Zur gleichen Zeit machen bei Twitter verschiedene selbst gestaltete „Plakatmotive“ die Runde. Auf einem der spöttischen Entwürfe ist Erika Steinbach zu sehen, daneben der Schriftzug: „Für ein Internet in den Grenzen von 1937!“ Zahlreiche weitere Satire-Bilder hat der Blog Metronaut in einem eigenen Artikel zusammengestellt.

In seinem Blog stellt sich Peter Tauber, ebenfalls CNetz-Gründungsmitglied und CDU-Bundestagsabgeordneter, der Kritik. Er schreibt: „Ja! Wir wissen, was das C-Netz war. Ja! Es ist eine Anspielung auf des C im Namen der Union, und das Netz soll die Brücke zur Netzpolitik schlagen. Ja! Wir wissen, dass das eher Vintage, Tradition, hoffnungslos veraltet oder old fashioned ist.“ Mit den Nörgeleien der letzten Tage könne er allerdings „ganz gut leben“: „Das CNetz ist nämlich im Gegensatz zu vielen anderen die da lauthals Kritik üben als Verein a) lernbereit und b) zur Selbstkritik fähig.“

Seit gestern hat CNetz übrigens auch bei Facebook eine eigene Fanpage, die in den vergangenen Stunden 80 Mal „geliked“ wurde. Mit Kommentaren halten sich die Fans hier allerdings noch zurück.

Tina Halberschmidt, Social-Media-Redakteurin
Tina Halberschmidt
Handelsblatt / Teamleiterin und Redakteurin Social Media

Kommentare zu " Internet-Reaktionen: CNetz erinnert an „unhandliche Handy-Knochen“"

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  • "Ich sehe uns nicht als Trainingslager an".
    Schade eigentlich. Ich hoffte auf einen Versuch das sich die Partei intern in netzpolitischen Themen coacht um in Zukunft die Totalausfälle zu vermeiden.

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