Internet
Rechtsextreme kapern das Internet

Ewig gestrige Ideen modern verpackt - die rechtsextreme Szene nutzt das Internet gezielt, um Jugendliche anzusprechen. Trotz Verboten und Aufklärungskampagnen gegen rechtes Gedankengut nimmt die Zahl der extremen Internetangebote noch zu, wie eine Studie zeigt. Denn die Methoden der Rechten werden immer perfider.

BERLIN. Dröhnende Musik, schnelle Kameraschnitte – im Film einer rechtsextremen Gruppe aus Hannover wird die Hetze gegen Ausländer als hippes Event präsentiert. Vermummte rennen durch die Straßen, sprühen ihre Botschaften auf Hauswände oder werfen Flugblätter aus einem Riesenrad. „Deutsche Volksfeste für das deutsche Volk “ ist darauf zu lesen. Doch es geht auch unterschwelliger.

Auf der Seite der Media Pro Patria, einer der Filmschmieden der rechten Szene, ist ebenfalls ein Video hinterlegt. Die Musik ist düster, die Bilder sind es auch. Dunkle Wolken über den Finanzzentren der Welt künden vom nahenden Untergang durch die Wirtschaftskrise, Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht aus dem Off von „nationalen Kraftanstrengungen“, die jetzt unternommen werden müssten, um das Schlimmste zu verhindern. Solche Videos seien typisch für die neue Rechte, sagt Stefan Glaser, Leiter der Arbeitsgruppe Rechtsextremismus von Jugendschutz.net. Gemeinsam mit der Bundeszentrale für Politische Bildung kämpft Jugendschutz.net gegen rechte Gewalt im Netz und dokumentiert die rechten Aktivitäten.

„Die Auftritte werden immer jugendaffiner und es werden gesellschaftspolitische Probleme angesprochen, die viele Menschen beschäftigen“, sagt Glaser. Und die Rechten nutzen das Internet immer stärker für ihre Propaganda. 2008 zählten Glaser und seine Kollegen 1 707 rechte Angebote im Netz, im Jahr zuvor waren es noch 72 weniger. Aktuell liegt die Zahl bei rund 1 800. Besonders Seiten von Kameradschaften oder autonomen Nationalisten haben zugenommen, aber auch die NDP hat ihr Angebot von rund 190 in 2008 auf heute 220 Aktivitäten erhöht. Besonders der Versandhandel boomt, von Musik über Kleidung wird der rechte Lifestyle beworben.

Da die rechte Propaganda immer subversiver verbreitet wird, sind viele der Seiten nicht auf Anhieb als rechtsextrem zu erkennen. Auch das Aussehen der Rechten selbst ändert sich. Statt Glatze und Springerstiefel tragen rechtsextreme Aktivisten heute oft Baseball-Kappe, Kapuzenshirt und Turnschuh. Hier liege ein großes Problem, so Glaser. Denn so seien von den rund 5 000 gezählten Videos und Profilen nur 1 500 unzulässig, das heißt strafrechtlich verfolgbar. „Der Großteil der Angebote liegt unterhalb der Strafgrenze.“

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