Internet-Wahlkampf
Brüder zum Netze, zu Facebook

Sie sind überall im Netz, die Wahlkämpfer: bei Facebook, Twitter, Youtube. Deutschlands Volksvertreter wollen siegen wie Obama: digital. Doch wird das Internet tatsächlich über den nächsten Bundeskanzler entscheiden?

BERLIN. Stolz schwingt mit in Jürgen Trittins Stimme: „Ich hab sofort was auf Facebook geposted.“ Vor ein paar Minuten hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die IT-Messe Cebit eröffnet, Trittin war im Saal. „Hoffentlich wird die innovativer als ihre Rede zur Eröffnung", habe er der Cebit per Social Network gewünscht, berichtet der Grüne Spitzenmann seinen Begleitern in der Straßenbahn auf dem Weg Richtung Bahnhof.

Das Internet erreicht die hohe Politik. Nicht nur Trittin ist beim weltweit größten Social Network aktiv, auch Mitstreiterin Renate Künast folgt dem Vorbild von Parteichef Cem Özdemir. Der nutzte die Plattform schon bevor er Bundesvorsitzender wurde, neben seinem Profil mit über 1 000 Kontakten gibt es eine Fan-Seite, die mehr als 2000 Unterstützer zählt. „Wir hatten das Gefühl, dass unsere Wähler dort zunehmend präsent sind – also sind wir es auch“, sagt Robert Heinrich, Online-Experte der Grünen-Parteizentrale.

Angetrieben vom Erfolg des US-Präsidenten Barack Obama, versuchen sich auch die großen deutschen Parteien im Netz – mit neuen Methoden. Zum ersten Mal, sagt Hans-Jürgen Beerfeltz, Bundesgeschäftsführer der FDP, würde nicht mehr über die Hälfte aller Investitonen in Plakatwerbung fließen – eine kleine Revolution im festgefahrenen Parteien-Marketing. Beerfelz ergänzt: „Dieser Wahlkampf wird dialogorientiert und weniger propagandistisch.“ Sprich: Bürger sollen sowohl mit den Parteien und Kandidaten ins Gespräch kommen, wie auch miteinander.

Dabei setzten die Wahlkämpfer auf zwei Standbeine: einerseits vorhandene Web-Dienste, andererseits eigene Netzwerke. „Mit mach Arena“ heißt das der Liberalen und Beerfeltz ist stolz, dass sich dort 10 100 Interessierte registiert haben, deutlich mehr als beim „Team 2009“ der CDU (5 400 Nutzer) und bei der SPD-Seite „Wahlkampf09“ (6 100). Die Plattform der Grünen, „Wurzelwerk“ getauft, ging wegen „gravierender technischer Probleme“ noch nicht ins Netz. Verhältnismäß ist die Online-Anhängerschar damit klein. Die SPD zählt rund 520 000 Mitglieder, etwas mehr als ein Prozent von ihnen sind bei „Wahlkampf09“ dabei.

Bislang seien die Homepages der Parteien so etwas wie Landebahnen gewesen, erklärt Klaus Schüler, Bundesgeschäftsführer der CDU. Nun müssten sie sich weiterentwickeln, „zu einer Art Startrampe, von der aus Sympathisanten und Unterstützer mobilisiert werden, im Netz aktiv zu werden. Für uns heißt das: CDU.de, unser Online-Portal, wird vom Informations- zum Mobilisierungsportal weiterentwickelt.“

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