Interview
Aachener Rektor: „Auf 'Exzellenzgetöse' wird unglaublich geachtet“

In der zweiten Runde hat es auch die renommierte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen in den erlauchten Kreis der Elite-Universitäten geschafft. Rektor Burkhard Rauhut sagt im Interview, was seiner Hochschule der Titel bringt.

Handelsblatt: Was bedeutet die Kür zur Elite-Uni für die RWTH Aachen?

Burkhard Rauhut: Es bedeutet, dass unsere Anstrengungen der letzten Jahre in die richtige Richtung gingen, dass wir in Zukunft besser nach außen verkaufen können, was wir tatsächlich anzubieten haben. Es wird im Ausland unglaublich drauf geachtet, wie das, flapsig formuliert, Exzellenzgetöse bei uns ausgeht. Auch intern werden wir damit eine ganze Menge Schub kriegen, um Projekte anzugehen, die in der nächsten Zeit notwendig sind, und die wir in unserem Zukunftskonzept beschrieben haben.

Was genau haben Sie vor?

Wir haben uns genau angeschaut, was eine sehr gute technische Universität in Zukunft leisten muss. Und einer der wesentlichen Punkte ist: Wir müssen die Grundlagenforschung verstärken, vor allem bei der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung nachbessern. Daneben müssen wir uns noch stärker an das Forschungszentrum Jülich anschließen - das hat man gerade wieder bei der Vergabe des Nobelpreises an den dort forschenden Physiker Peter Grünberg gesehen. Die hervorragend ausgestatteten Großforschungseinrichtungen und wir mit den klugen jungen Köpfen - beides zusammen ist eine unschlagbare Kombination.

Zum dritten werden wir verstärkt auf human development setzen - und zwar vom Kindergarten bis hin zu den Alumni. Dazu gehören etwa auch Double-Career-Angebote für Paare. Schließlich müssen wir unsere governance-Struktur, also die Führung der Uni, auf die neuen Anforderungen einstellen, stärker auf externe und interne Beratung setzen, die Zentrierung von Entscheidung, sowohl in den Fakultäten als auch an der Spitze.

Werden sie mehr und teurere Forscher engagieren?

Davon gehe ich aus - wenn entsprechend viel Geld kommt. Denn wie viel Geld wir genau bekommen, wird sich erst in den nächsten zwei bis drei Wochen herausstellen. Wir haben für unsere Projekte als Elite-Uni insgesamt rund 80 Millionen Euro angesetzt für die Gesamtlaufzeit von fünf Jahren - davon müssten wir eigentlich mindestens drei Viertel erhalten. Dazu kommen jährlich schon jetzt 17 Millionen für die zwei Exzellenzcluster und die Graduiertenschule, die wir bereits in der ersten Runde 2006 bewilligt bekamen, also insgesamt auch bereits 85 Mill.

Was heißt das für ihr Gesamtbudget?

Angesichts unseres Etats von gut einer halben Milliarde Euro jährlich ist das Geld aus der Exzellenzinitiative kein großer Betrag - auch wenn diese zusätzlichen Mittel frei einsetzbar sind. Beispielsweise an die ETH Zürich kommen wir damit aber noch lange nicht ran.

Was ist wichtiger: das Geld oder das Gütesiegel?

Beides. Nach innen ist das Geld wichtig, um die Entwicklung voran zu treiben, nach außen ist das Gütesiegel das Wichtigere.

Wo steht die RWTH in den internationalen Rankings heute und wo kann sie in fünf bis zehn Jahren stehen?

Alle internationalen Rankings sind nicht auf Technische Unis zugeschnitten. Nach Meinung der einschlägigen Community wollen wir dann aber unter den ersten fünf technischen Unis weltweit stehen.

Das Gespräch führte Barbara Gillmann

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