Interview
„Bald gibt es Internet für alle ohne Staatsgeld“

Wenn die Bundesregierung Deutschland mit leistungsfähigen Breitbandnetzen versorgen will, muss sie gar kein Geld in die Hand nehmen, sagt Vodafone-Deutschlandchef Friedrich Joussen. Denn richtig verstandene Regulierung wirke besser als jede staatliche Finanzspritze.

Handelsblatt: Wie stark trifft die Rezession die Telekombranche? Telefoniert wird doch immer?

Joussen: Es ist schon richtig, der Kommunikationsbedarf wird nicht geringer. Wir merken allerdings, dass bestimmte Umsätze etwas sinken, etwa Gespräche im Ausland. Es gibt einfach weniger Geschäftsreisen als vor einem Jahr. Man merkt auch, dass Firmenkunden ihre Tarife optimieren. Aber das ist natürlich etwas vollkommen anderes als in der Automobilbranche, wo jetzt 30 bis 40 Prozent einfach weg sind. Bei uns ergeben sich in der Krise auch Chancen, weil viele Firmen stärker auf das Kerngeschäft schauen und Telekommunikationsleistungen komplett an uns outsourcen.



Helfen die Konjunkturprogramme der Regierung?



Es wurde besonnen, aber entschieden gehandelt. Ein Problem für viele Unternehmen, bei dem die Politik helfen könnte, ist die Garantie langfristiger Kredite. Unternehmen haben heute kein Problem, kurzfristig an Geld zu kommen. Aber langfristige Kreditzusagen über fünf Jahre oder länger sind für manche Firmen derzeit schwieriger zu erhalten. Sie sind häufig für langfristige Investitionen entscheidend. Die Politik hat viel getan mit den Bürgschaftsprogrammen. Wenn der Staat selber Geld ausgibt, sollte er in Infrastruktur investieren. Das löst zwar kurzfristig das Konjunkturproblem nicht, aber es sind nachhaltig sinnvolle und wirksame Investitionen für Deutschland.



Der Ausbau der IT-Netze ist ja auch Bestandteil des Programms.



Daran sieht man doch gut, dass richtig verstandene Regulierung vor allem als Industriepolitik für den Standort wirken kann. Die ländliche Versorgung mit Breitbandanschlüssen erreichen wir jetzt dadurch, dass Bund und Länder die richtigen Frequenzen freigeben und die Regulierung so gestalten, dass die Unternehmen selber investieren. Internet für alle wird Realität und der Staat muss überhaupt kein Geld in die Hand nehmen.



Klappt das denn alles noch vor der Bundestagswahl?



Ich sage optimistisch, der Fisch ist geputzt. Es richten sich alle darauf ein, dass nach dem Bund auch die Länder den Plänen zur Digitalen Dividende zeitnah zustimmen und das Vergabeverfahren Ende 2009 stattfinden kann. Schon im nächsten Jahr könnten die meisten weißen Flecken mit Internet versorgt sein. Das wäre ein wirklicher Gewinn für viele Landkreise und ländliche Kommunen.



Hätte man im Konjunkturpaket nicht noch stärker auf die Modernisierung der Netze setzen sollen?



Es geht ja weiter. Wir haben das gemeinsame Ziel mit der Regierung, bis 2010 überall in Deutschland ein Megabit pro Sekunde als Geschwindigkeit für die Datenübertragung zu erreichen. Dann ist für 2014 die nächste Stufe geplant, den meisten Haushalten Internet mit 50 Megabit pro Sekunde anzubieten. Das ist ambitioniert, aber ich finde es richtig, wenn die Politik ambitionierte Ziele setzt. Deutschland muss sich behaupten im Wettbewerb mit anderen Ländern. Man könnte allerdings schon heute in der Regulierung attraktiver sein für Investoren.



An welcher Stelle?



Zum Beispiel beim Bau der neuen VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetze. Es darf keinen Schutzschirm für ehemalige Monopolisten wie die Deutsche Telekom geben. Gerade die Deregulierung des deutschen Telekommunikationsmarktes ist ja ein absolutes Erfolgsmodell – für die Unternehmen wie für die Verbraucher.

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