Interview
„Bei jungen Wählern kommen wir nicht durch“

Marco Wanderwitz führt die junge Gruppe in der CDU an. Im Interview äußert er sich über Harmonie und Streit in der Partei – und warum er trotz der Probleme mit urbanen Wählern für die kommenden Wahlen optimistisch ist.
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Handelsblatt Online: Herr Wanderwitz – Angela Merkel wird mit einem Rekordergebnis gewählt, harte Debatten bleiben aus. Ist die Stimmung gar zu gut, versinkt die CDU in Harmonie?

Marco Wanderwitz: Das Ergebnis für die Vorsitzende ist natürlich toll, ein starkes Zeichen. Alle wissen, in einem Jahr ist Bundestagswahl – das war also auch die Akklamation unserer Kanzlerkandidatin. Aber es stimmt schon: die Stimmung ist besser, als es nach den vielen Scharmützeln der letzten Zeit den Anschein hatte.

Echte Streitthemen gibt es nicht mehr?

In einer Volkspartei gibt es immer unterschiedliche Meinungen, aber einiges ist höher gespielt worden, als es tatsächlich war. Zum Beispiel Rente für Kindererziehungszeiten ältere Mütter: im Ziel sind wir uns einig, nur müssen wir eine generationengerechte Finanzierung finden.

Gerade erst hat eine Gruppe von CDU-Abgeordneten im Bundestag gegen den Euro-Rettungskurs der Kanzlerin gestimmt. Ist das etwa kein großes Streitthema?

Nein, diese Debatte haben wir ausgetragen und beendet. Selbst wenn wir hier noch einmal darüber abstimmen würden, würden 98 Prozent hinter der Kanzlerin stehen. Das ist durch, aber wir respektieren die Gegenmeinung der Minderheit.

Noch einmal: Streit gibt es nicht?

Doch, die Frage der Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften ist ein echter inhaltlicher Streit, den wir hier offen ausgetragen haben. Und wir haben eine klare Entscheidung. Zum Glück hatte sich die Kanzlerin in dieser Sache früh eindeutig geäußert. Der Vorwurf, sie würde nur moderieren, trägt also nicht.

Merkel ist gegen die Gleichstellung, Sie ebenfalls. Warum?

Ich vertrete eine ländliche Region, da stellen sich die Menschen mit Macht gegen diese Initiative. Das ist zwar auch ein Konflikt zwischen Alt und Jung, vor allem aber zwischen Stadt und Land. Wie Julia Klöckner richtig gesagt hat: „Bei uns gibt es eben nicht so viele Latte-Macchiato-Bistros“.

Läuft die CDU nicht bei soviel Harmonie Gefahr, als Kanzlerwahlverein verstanden zu werden?

Nein. An der Basis gibt es eine ganz klare Haltung: Ihr könnt ja um die Themen ringen, aber bitte hinter verschlossenen Türen und nicht in der Öffentlichkeit. Da ist die CDU ganz anders als die SPD.

Hat die CDU um die wichtigen Themen gerungen?

Schauen Sie sich doch die Energiedebatte an, die Wehrpflicht und die stabilitätsorientierte Finanzpolitik. In all diesen Themen haben wir uns auf eine Linie geeinigt, jetzt geht es nur noch um Details.

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  • Man will es nicht hören, aber es ist nicht wegzuleugnen, dass der Kanzlerwahlverein, wirtschatspolitisch mit diesem geistigen Niveau, unseren Staat nicht führen darf.
    Schuldenbekämpfung mit neuen Schulden machen, um auch noch nicht gebietsansässige Banken zu retten, übersteigt die Befugnnisse u. ist zu 100% gegen die staatliche Interessengerichtet u. fällt privatrechtlich unter das StGB!!

  • Besser hätte man es nicht sagen können. Ich bin bestimmt kein CDU-Wähler, aber wer so mit der Bevölkerung umgeht, muss sich nicht wundern das er nicht durchkommt und das gilt so ziemlich für alle Punkte die sich "die beste Bundesregierung aller Zeiten seit der Wiedervereinigung" auf die Fahnen schreibt. KEine Kita-Plätze aber Betreuungsgeld und für altere Mütter kein Geld aber für Griechenland.

  • Solche Partei tage sind ohnehin, wenn man es mal genau nimmt, keineswegs demokratisch.
    Denn es kommen ja nur Vasallen, aus den Ortsverbänden ist doch keiner anwesend.
    Also nur eine kleine Gruppe um die Diktatorin Merkel bestimmt die Richtlinien.
    Wozu gibt es denn dann noch die vielen Ortsverbände in den Kommunen? Die ticken nämlich ganz anders, man muß nur mal ihnen reden

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