Interview
„Die Bankenaufsicht BaFin gehört geschlossen“

Stefan Stein leitet das Institut für Kredit- und Finanzwirtschaft an der Uni Bochum. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über das Versagen der Bankenaufsicht, Konsequenzen für die BaFin in Bonn und einen möglichen Branchen-Stresstest in Europa.

Hat die Bankenaufsicht geschlafen?

Teilweise. In erster Linie haben die Bankvorstände und Aufsichtsräte versagt, aber auch die Aufsicht hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Vor allem durch ihre stark ausgeprägte Modell- und Ratinggläubigkeit. Eine Aufsicht muss sich selber ein fundiertes Bild über Produkte, Banken und Risiken machen und darf die Verantwortung dafür nicht einfach auf Dritte abwälzen.

Hätte sie das leisten können?

Sicherlich wäre es besser, wenn sie aus einem Guss gewesen wäre. Mal war die Bundesbank zuständig, mal die BaFin. Bei SachsenLB und IKB hat man sich darüber gestritten. Es hat zu oft in der Zusammenarbeit geknirscht und jetzt versucht man, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Ist das das einzige Problem?

Nein. Es gibt keine harten Kriterien dafür, was eine "systemrelevante Bank" ist, nur die Einstufung "niedrig", "mittel", "hoch". Aber was das konkret heißt, ist immer noch offen.

Aber die Aufsicht beteuert doch, es wäre jetzt alles anders und vieles besser geworden bei der Zusammenarbeit?

Wir haben schon 2006 als Gutachter für eine integrierte Bankenaufsicht bei der Bundesbank plädiert.

Das heißt, wir schließen die BaFin in Bonn?

In puncto Bankenaufsicht, ja.

Und entlassen die rund 1 700 Mitarbeiter?

Nein. Man kann Doppelbesetzungen in den Grundsatzabteilungen und unnötige Doppelprüfungen kappen. Die Aufsicht muss künftig genauer hingucken. Da werden eher mehr Kontrolleure für komplexe Produkte und das Risikomanagement gebraucht.

Politiker in Europa fordern einen Branchen-Stresstest wie in den USA

Das wäre gut. Die Aufsicht muss doch wissen wollen, wie viel das System noch aushalten kann. Die Ergebnisse für jedes einzelne Institut müsste sie veröffentlichen. Das schafft Transparenz und daran hat es bisher gehapert.

Die Fragen stellte Sonia Shinde

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