Interview
„Die Regierung muss endlich von der Bremse runter“

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast fordert strengere Klima-Auflagen und höhere Strompreise für Großkunden. Für die Politikerin steht fest: Schwarz-Gelb hat viel Zeit bei der Energiewende verplempert.
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BerlinHandelsblatt: Frau Künast, soll Deutschland in 20 Jahren noch Industrieland sein, mit allem, was raucht und qualmt?

Deutschland kann sogar ein führendes Industrieland sein, mit einer modernisierten Chemieindustrie, einer Automobilindustrie, die vernetzte Mobilität anbietet, und einem Maschinenbau, der bei allem, was dampft und klappert, den Ressourcenverbrauch minimiert hat. Plus der vierten Schlüsselindustrie Umwelttechnik. Wir brauchen einen hohen Industrieanteil.

Aber mehr Industrie bedeutet immer noch mehr Strombedarf.

Das muss sich weiter entkoppeln und das geht auch. Wir stellen in Deutschland mit hohem Energie- und Ressourcenverbrauch Autos her, die dann 23 Stunden am Tag ungenutzt parken. Die Autokonzerne müssen ihre Palette erweitern und Mobilitätskonzepte anbieten. Hier liegt die Zukunft im Car-to-go, dem flexiblen Leihauto. Junge Leute in Städten haben schon heute kein Auto mehr. Ihnen geht es um Bewegung, nicht um Statussymbole.

Der Umweltminister sagt, zehn Prozent weniger Strom bis 2020 ist zu anspruchsvoll.

Ist es nicht. Wir müssen nur endlich damit anfangen. Diese Regierung hat bei der Energiewende viel Zeit verplempert - vor allem der Wirtschaftsminister, der Amt und Aufgabe gar nicht verstanden hat. Viele Unternehmen sind längst weiter und fühlen sich von dieser Regierung alleingelassen.

Was erwarten sie vom Zehnpunkteplan, den der Umweltminister diese Woche vorlegen will?

Die Regierung muss endlich von der Bremse runter.

Konkret?

Wir müssen uns in Europa für minus 30 Prozent CO2 bis 2020 einsetzen. Das schafft sanften Druck auf andere Mitgliedstaaten. Wir brauchen eine Effizienzkampagne: nicht nur für Autos und Kühlschränke, sondern auch für die Produktionsprozesse. Ein Klimaschutzgesetz muss bei Verkehr, Wärme und Strom scharfe Vorgaben machen, um einen Innovationsschub auszulösen.

Für große Energieverbraucher will Peter Altmaier weiter Ausnahmen.

Das ist ein fataler Fehler. Ohne Anreiz gibt es keine Innovation.

Aluwerke sind wegen der Strompreise pleitegegangen - sind das die Verlierer der Energiewende?

Wir müssen die Ausnahmeliste kritisch durchgehen, wer was leisten kann. Zementwerke etwa stehen nicht im internationalen Wettbewerb. Aluminiumwerke eher, aber auch dort müssen wir checken, was geht. Wenn wir den Klimawandel stoppen wollen, müssen wir anders wirtschaften.

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„Ernst machen mit der Energiewende“

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  • Was uns die Grünen Ökosozialisten versprechen ist der Energiemangel und das Feindbild der Großkonzerne und Industrie. Diese Partei will nicht das "Wohl des Volks", diese Partei will die ideologische Lebensweise einer Öko-Traumwelt uns als Bürger aufdiktieren.
    Hatten wir übrigends schon zweimal auf deutschen Boden. Erst kamm die diktatorische Ideologie im "braunen" Gewande daher, dann im (roten) Gewande und jetzt also im "grünen" Hemd mit Sonnenblume.
    Die freie Marktwirtschaft verschwindet so langsam und macht der ideologischen Planwirtschaft ala Ökologie Mangelgesellschaft platzt.

  • Nach brauner und roter naht nun die grüne Diktatur. Leute seid wachsam!

  • Auch den Zeitgeist muss man schubsen. Wir Grüne werden ab Herbst 2013 in der Regierung Ernst machen mit der Energiewende.
    ------------------
    Die Grünen in der Regierung? Da möge uns der liebe Gott vor bewahren
    Die Grüen wollen gängeln, bestimmen, den Menschen beherrschen. Die Bürger haben so zu leben, wie die Grünen es befehlen.
    Diese partei ist gefährlich, sie trägt Züge der NSDAP

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