Interview
Evangelische Kirche ruft Deutsche zum Wählen

Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider lässt Politikverdrossenheit nicht als Ausrede gelten, nicht zur Wahl zu gehen. Es gibt eine Verantwortung der Regierten, sagt er. Sein Appell: „Nehmt Euer Wahlrecht wahr!“
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BerlinDie Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) fordert die Bundesbürger auf, zur Wahl zu gehen. Von der künftigen Regierung erwartet EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider, dass sie die Gesellschaft im Inneren zusammenhält. Im dpa-Interview appelliert er zugleich an Bund und Länder, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

Am übernächsten Sonntag ist Bundestagswahl, an diesem Wahl in Bayern. Was wollen Sie den Bundesbürgern, was wollen Sie insbesondere den 25 Millionen evangelischen Christen mit auf den Weg zur Wahlurne geben?

Nikolaus Schneider: Nehmt Euer Wahlrecht wahr und wählt eine demokratische Partei! Denn es gibt nicht nur eine Verantwortung der Regierenden, sondern es gibt auch eine Verantwortung der Regierten - das schärft uns Protestanten schon die „Barmer Theologische Erklärung“ von 1934 ein. Eine Demokratie fällt nicht vom Himmel, sie muss immer wieder neu errungen und gestaltet werden. Die Demokratie wurde in der Geschichte unseres Landes einmal verspielt. Wir haben eine große Verpflichtung gegenüber den Menschen, die in der Nazi-Diktatur ihr Leben eingesetzt haben, unsere demokratische Ordnung zu bewahren und fortzuentwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass Demokratie nach wie vor die beste Form der Regierung ist. Ich rufe dazu auf: Macht die Ränder nicht stark, das tut unserer Demokratie nicht gut. Achtet auch bei der Wahl auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft!

Was erwarten Sie von der künftigen Bundesregierung?

Ich erwarte, dass eine künftige Bundesregierung den Zusammenhalt der Gesellschaft fördert und im Blick behält, dass keiner verloren geht. Zudem erwarte ich, dass sie Schwerpunkte setzt, etwa in der Sozialpolitik. Aber auch in der Bildungspolitik: Hier muss sie in Zusammenarbeit mit den Bundesländern sich für die Verwirklichung von gleichen Bildungschancen einsetzen. Ich erwarte des weiteren, dass sie in den Fragen Europas weiter am Zusammenwachsen Europas arbeitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in Zukunft mehr und nicht weniger Europa brauchen. Schließlich habe ich die Erwartung, dass die künftige Bundesregierung eine überzeugende Friedenspolitik betreibt. Es ist sehr erfreulich, dass die Bundesregierung sich in der jetzigen Situation bemüht, nicht dem Militärischen den Vorrang zu geben.

Ungeachtet der diplomatischen Bemühungen geht der Bürgerkrieg in Syrien weiter. Was erwarten Sie von der internationalen Politik und was von der deutschen?

Von der internationalen Politik erwarte ich, dass sie die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch holt. Und dass sie Gewalt eindämmt, indem vor allem nicht immer neu Waffen geliefert werden. Von der Bundespolitik erwarte ich darüber hinaus, dass sie auf die humanitären Katastrophen reagiert und die nötigen Hilfen bereitstellt, damit Menschen Zuflucht auch in unserem Land finden. Außerdem ist es nötig, alle humanitären Hilfsbemühungen in Syrien und in den Nachbarländern, die ja die Hauptlast zu tragen haben, durch Sachmittel und Geld zu unterstützen. Zum Beispiel ist es notwendig, in den Flüchtlingslagern Schulen einzurichten.

Man geht von 5000 Flüchtlingen aus, die nach Deutschland kommen sollen. Hat Deutschland damit sein Kontingent ausgeschöpft, oder geht da noch mehr?

Da geht noch mehr, auf jeden Fall! Die Zahl 5000 berücksichtigt jedoch nicht, dass viele Bundesländer offen sind für den Familiennachzug. Und ich hoffe sehr, dass möglichst viele Bundesländer mit einer großzügigen humanitären Geste Zufluchtsmöglichkeiten in unserem Land eröffnen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • LÜGE IM WISSEN . . .

    " KEINE MACHT BEDROHENDE PARTEI IST IM ANGEBOT !! Hälst " MACHT HABENDE " FÜR UNFÄHIG .
    Solche , NUR SELBSTBEWUSSTE , werden DOCH BENUTZT WEGEN ihrer DUMMHEIT oder Blödheit ? ABER KAMEN DOCH , MIT ABSICHT , AUF LISTENPLATZ , im Glauben gelassen das Gute zu tun und dienen DOCH VORGEDACHTE ZUKUNFT , die solche als WAHRHEIT , ANERZOGEN , GARNICHT ERST MAL SUCHEN , um sich ENDSCHEIDEN ZU KÖNNEN . . .

    wer hat euch ins Hirn gepflanzt , das Wahrheit Gut sein muss ? wer Wahrheit NICHT SUCHT DIENT AUTOMATISCH DEM Bösen und WAHRHEIT FINDEN IST BÖSE ABER DURCH FINDEN KANN ES NUR ZUM GUTEN WEG GEBEN . da WAHRHEIT AUSSUCHENDE ABER NICHT SUCHENDE , DURCH SELBSTZENSUR , da ERKENNENDE WAHRHEIT IM ALS DARF SOWAS NICHT SEIN , ALS ABSCHRECKEND , sich im VERDACHT , DANN DOCH ZU DEN BÖSEN ZU GEHÖREN , WENN SOWAS ANFANGE ZU DENKEN (WISSEN . . . . )
    https://www.youtube.com/watch?v=46RGJV54118
    Pfarrer Hans Milch - Über dein Schicksal
    wer sich NICHT TRAUT ALLES MAL ZU DURCHDENKEN UND ÜBER HÄTTE FOLGEN sich ANTWORTEN GIBT , OHNE IN TATEN UMZUSETZEN , IST SKLAVE OHNE sich's BEWUSST ZU WERDEN !! ARMES GEFANGENES Hirn .

    Die Linken sagen dazu ihren Schafen : " Foren sollte man lieber NICHT ERÖFFNEN und Alle MEINUNGEN ZULASSEN und VERSUCHEN MIT ARGUMENTEN ZU WIDERSPRECHEN , man ist WIDERLEGEN NICHT GEWACHSEN .
    KANN man oder " MAN " WAHRHEIT und WENN WAHRE WAHRHEIT GEFUNDEN HASST ; NOCH WIDERLEGEN ? NEIN , dann FÄNGT , GEWALT Und GEGEN RECHTE , TATEN AN ZU BEWEISEN : " HAST WAHRE WAHRHEIT GEFUNDEN " !!!. . . DA VORRECHTE NUTZEN MÜSSEN.
    du gibst Rechte , mit Wahl , an welche , die WISSEN IM UNRECHT sich WÄHLEN LASSEN , seid 1990 , ABER VERGIBST VORRECHTE MIT NICHT .
    Vorrechte KANNST NUR . . . . ABER NICHT DURCH WAHL VERÄNDERN .
    http://www.youtube.com/watch?v=p7aUX27Tzng&feature=player_embedded
    ES GEHT FÜR JEDEN NUR NOCH DARUM :
    http://sphotos-b.xx.fbcdn.net/hphotos-ash3/s480x480/546159_4090124182836_1972377717_n.jpg

    IST WAHR und MACHT UNTERSCHIED ZWISCHEN BENUTZTES . . .

  • "Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider lässt Politikverdrossenheit nicht als Ausrede gelten, ..."

    Herr Schneider, wir haben in Deutschland keine Politikverdrossenheit, sondern eine PARTEIENverdrossenheit. Die Leute haben keinen Bock mehr, von diesem Parteienkartell belogen und für dumm verkauft zu werden.

    Natürlich sollte jeder zur Wahl gehen - und den Wahlzettel zum Denkzettel machen.

    Es gibt immer eine Alternative.

  • Ich fände "meinen" Ratsvorsitzenden in Sachen "Wir brauchen mehr Europa" wesentlich glaubwürdiger, wenn die Evangelische Kirche Deutschlands sich selber an seine Phrasen hielte: Bringen Sie Ihr erhebliche Teile der Steuereinnahmen in eine "Europäische Kirche Europas ein!". Lassen Sie die Verwendung dieser Gelder, wesentliche theologische Grundsätze und Grundsätze des Aufbaus der Kirche in einem Gremium entscheiden, in dem Sie für Deutschland und jemand anderes für Malta je eine Stimme haben! Denn wir brauchen unbedingt mehr Europa!".
    Oder warum ist die Kirche noch nicht so "weit" wie die Politik?

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