Interview: Fünf Fragen an: Martin Kannegiesser

Interview
Fünf Fragen an: Martin Kannegiesser

Im Handelsblatt-Interview spricht Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, über Verständnisprobleme mit der IG Metall, betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten und die Internationalisierung seiner Branche.

Die IG Metall verlangt fünf Prozent mehr Lohn. Was für ein Signal ist das für die Unternehmen?
Es zeigt leider, dass wir in der grundsätzlichen Beurteilung der Lage unserer Branche auf völlig verschiedenen Wellenlängen sind. Das ist nicht nur ein Unterschied, der sich durch Tarifrituale erklärt. Offensichtlich erkennt die IG Metall nicht, was sich in der Metall- und Elektro-Industrie tatsächlich verändert.

Nämlich?
Der Zwang, sich international aufzustellen, hat inzwischen selbst kleinere Unternehmen erfasst. Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie hat heute bereits 4 000 Betriebe mit 1,2 Millionen Beschäftigten im Ausland. Da entstehen ganz neue Know-how-Kerne. Internationalisierung ist keine hohle Drohung, sondern inzwischen schlichte betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.

Das heißt für die Lohnpolitik?
Die Lohnpolitik darf sich nicht mehr allein an den nationalen wirtschaftlichen Daten orientieren. Der internationale Vergleich muss zumindest berücksichtigt werden. Die Firmen benötigen ein glaubwürdiges Signal, dass Deutschland als Produktions- und Know-how-Standort eine gute Basis ist. Dazu müssen wir in dieser Tarifrunde eine weitere betriebliche Komponente vereinbaren, die Differenzierungen erlaubt. Denn im gleichen Zuge öffnet sich die Schere zwischen den einzelnen Unternehmen immer mehr.

Die IG Metall will einen Tarifvertrag für Innovation und Qualifizierung. Gefällt Ihnen das nicht?
Dass wir alles tun müssen, um innovativ zu bleiben, ist völlig richtig. Aber gerade deshalb kann es nicht nur darum gehen, einen schönen Tarifvertrag zu schreiben. Bisher sehe ich einfach nicht, wie sich Innovation tarifpolitisch verordnen lassen sollte.

Die Metallindustrie hat 2005 in Deutschland 50 000 Stellen verloren. War der alte Tarifabschluss mit zuletzt 2,7 Prozent zu hoch?
Es lag jedenfalls weit über dem gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsfortschritt. Man wird schwer klären können, in welchem Umfang er direkte Ursache für den Beschäftigungsabbau war. Zugleich markiert der Abschluss aber einen wichtigen Mentalitätswandel hin zu betriebsnäheren Lösungen. Wir müssen jetzt bestätigen, dass dies als ein dauerhafter Prozess angelegt ist.

Die Fragen stellte Dietrich Creutzburg.

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