Interview in der "Westfälischen Rundschau"
Schröder kritisiert Konzerne

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) verlangt von der deutschen Großindustrie eine grundlegende Korrektur ihrer Unternehmenspolitik.

HB BERLIN. "Ich glaube, dass es bei den Unternehmen eines neuen Bewusstseins bedarf“, sagte der SPD-Politiker in der Dortmunder „Westfälischen Rundschau“ vom Freitag. „Auch global tätige Unternehmen müssen erkennen, dass sie nicht nur eine betriebswirtschaftliche, sondern auch eine nationale und regionale Verantwortung haben - eine Verantwortung für Standorte und Arbeitsplätze“, sagte der Kanzler nach dem Bericht der Internetausgabe der Zeitung.

„Die einseitige Shareholder-Value-Politik, die nur den Gewinn der Aktionäre im Blick hat, ist an ihre Grenzen gestoßen“, sagte Schröder. Zwar müsse das Betriebsergebnis stimmen, dennoch könnten Großunternehmen „viel von den Mittelständlern lernen, die immer auch ihre gesellschaftliche Verantwortung im Blick hatten“.

In der Debatte um die künftige Ausrichtung der Tarifpolitik stellte sich der Bundeskanzler auf die Seite der Gewerkschaften. „Ich halte es für falsch, den Menschen Lohneinbußen zuzumuten“, erklärte Schröder. „Deshalb muss sich auch im Hinblick auf den deutschen Binnenmarkt wieder das Prinzip durchsetzen, dass für anständige Arbeit auch anständiger Lohn gezahlt wird“. Schröder sagte weiter: „Ich bin ein Gegner jeder Lohndrückerei. Wir müssen über größere Flexibilität reden, aber nicht über weniger Lohn. Und wenn die Unternehmen ordentliche Gewinne machen, müssen auch die Beschäftigten angemessen beteiligt werden.“

Insgesamt erwartet der Kanzler eine positive Entwicklung der Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt. Dabei widersprach er indirekt auch der Einschätzung von Bundespräsident Horst Köhler, der zur Begründung der Auflösung des Bundestages die Lage in Deutschland als äußerst kritisch beschrieben hatte. "Ich kommentiere nicht die Entscheidungen oder Äußerungen anderer Verfassungsorgane", sagte Schröder. "Ich will in dem Zusammenhang nur auf ein paar Daten hinweisen, die zeigen, dass die Reformen zu greifen beginnen." So gebe es "sehr erfreuliche Entwicklungen" bei der Binnenkonjunktur und im Export. Bei der Jugendarbeitslosigkeit schneide Deutschland bei den 15- bis 19-Jährigen mit Dänemark am besten ab. "Das alles macht mich optimistisch."

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