Interview in der Zeitung "Die Welt"
IG Metall droht mit Tarifkonflikten in Firmen

IG-Metall-Chef Jürgen Peters kämpft um den Flächentarifvertrag: Er erwägt, die Lohnverhandlungen künftig stärker in die Betriebe zu verlagern, wenn die Unternehmen die Aufweichung des Vertrages weiter voran treiben sollten.

HB BERLIN. Peters sagte der Zeitung „Die Welt“ (Montagausgabe): „Sollten künftig immer mehr Unternehmen versuchen, die Beschäftigten und die IG Metall durch unnötige Abweichungen vom Tarifvertrag unter Druck zu setzen, werden wir entsprechend reagieren. Dann führt die IG Metall eben den Tarifkonflikt nicht stellvertretend irgendwo im fernen Frankfurt, sondern unmittelbar vor Ort in dem betreffenden Betrieb. Die Menschen selbst setzten sich dann zusammen mit ihren Gewerkschaften mit den Zahlen und Forderungen ihres direkten Arbeitgebers auseinander. Wir könnten betriebliche Tarifkommissionen bilden, die die notwendigen Entscheidungen herbeiführen. Kurzum: Die Dynamik der großen Tarifbewegungen würde eins zu eins auf möglicherweise viele tausend kleine Tarifbewegungen übertragen.“

Zugleich warnte Peters aber vor den Folgen einer solchen Entwicklung und betonte, dass der Flächentarif ein Standortvorteil sei. „Ist ein Tarifvertrag erst einmal abgeschlossen, gilt er für alle und die Unternehmen können den Wettbewerb über effektive Arbeitsorganisation und bessere Produkte sowie einer intensiveren Markterschließung austragen. Das schafft Sicherheit.“ Außerdem herrsche für die Laufzeit der Tarifverträge Frieden im Betrieb und es gebe keine ständigen Auseinandersetzungen um Arbeitszeiten, Entgelte und Arbeitsbedingungen.

Peters reagiert damit auf Bestrebungen vieler Großunternehmen (z.B. Siemens und MAN) und mittelständischer Betriebe, unbezahlte Mehrarbeit und Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld durchsetzen und damit immer häufiger vom Flächentarif abzuweichen. Peters: "Die IG Metall hat im Tarifkompromiß von Pforzheim im Februar 2004 ihren Instrumentenkasten erweitert und abweichende Regelungen zugelassen, wenn ganz bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Damit wollten wir besonderen Problemen der Betriebe Rechnung tragen. Jetzt sehe ich die Gefahr, daß einige Arbeitgeber benebelt durch betriebliche Vereinbarungen, die Jahrzehnte gültige Grundlage unserer Tarifpolitik verlassen wollen".

Er forderte die Arbeitgeber auf, sich weiterhin zu einer gesamtwirtschaftlichen Orientierung der Tarifpolitik zu bekennen. Er sagte aber auch: „Die IG Metall hat keine Angst, wenn die Arbeitgeber mit der Erosion der Flächentarifverträge drohen. Wer das glaubt, der irrt. Wir sind in der Lage, mit jedem einzelnen Arbeitgeber Tarifverträge zu schließen. Wenn jemand eine solche Richtung will, muss er das sagen."

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