Interview: Manfred Gnjidic
El-Masri-Anwalt: „USA haben Deutschland nicht informiert"

Die CIA hatte den Deutsch-Libanesen Khaled el Masri im jahr 2004 entführt, weil sie ihn mit einem Terrorverdächtigen verwechselte. Nun verlangt el Masri vor einem US-Gericht Wiedergutmachung.

Planen Sie im Fall Khaled el Masri eine Klage in Deutschland?

Jetzt müssen erst alle Fakten auf den Tisch. Ich sehe im Moment aber keinen Grund für eine Klage.

Hat die Bundesregierung schnell genug reagiert?

Ich habe sowohl das Auswärtige Amt als auch das Bundeskanzleramt am 8. Juni 2004 über die Verschleppung el Masris durch die CIA informiert. Das Auswärtige Amt hat sich am 14. Juni, das Bundeskanzleramt am 6. Juli gemeldet. Zunächst haben die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hervorragend begonnen. Später hätte ich mir allerdings gewünscht, dass mich die Bundesregierung mehr auf dem Laufenden hält.

Hätte Berlin die USA nicht massiver um Aufklärung bitten müssen?

Dass sich die Bundesregierung zunächst um die Aufnahme diplomatischer Kontakte mit der US-Administration bemüht, geht in Ordnung. Der eigentliche Skandal ist aber, dass die Regierungen Amerikas und Mazedoniens ihr eigenes Spiel gespielt haben, ohne deutsche Behörden einzuschalten. Wären deutsche Stellen befragt worden, hätte innerhalb von wenigen Stunden geklärt werden können, dass el Masris Pass echt ist und dass er keine Verbindungen zum Terror-Netzwerk El Kaida hat.

Wie laufen die Ermittlungen in Deutschland?

Das Polizeipräsidium Augsburg hat die Arbeiten zügig aufgenommen. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft München. In letzter Zeit hatte ich allerdings keine Kenntnisse mehr, in welchem Stand sich das Verfahren befindet.

Welche Beweise erhärten die Aussage von el Masri?

Mehrere Fahrgäste des Busses, aus dem el Masri in Mazedonien entführt wurde, haben die Darstellung meines Mandanten bestätigt. Darüber hinaus hat ein Institut in München bestätigende Erkenntnisse aus einem Isotopen-Gutachten zu el Masris Kopfhaar gewonnen. Unverständlich ist es aus meiner Sicht, dass man einen Mithäftling aus dem Gefängnis in Kabul bisher nicht befragt hat.

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