Interview mit Altkanzler Schmidt „Der Euro ist prima“

Altkanzler Helmut Schmidt im Gespräch mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart über die Dauerkrise in Europa, den deutschen Zahlungsbilanzüberschuss und gedankliche Fehler der Merkel-Politik.
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Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) setzt auf Peer Steinbrück. Quelle: dapd

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) setzt auf Peer Steinbrück.

(Foto: dapd)

Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat sich in einem Interview mit dem Handelsblatt (Montagausgabe) für den SPD-Kanzler-Kandidaten Peer Steinbrück stark gemacht. Zwar gestand er ein, dass sich die SPD derzeit im Wahlkampf schwer tue. Gleichwohl betonte er: „Peer Steinbrück ist von all den Leuten, die im Augenblick auf den öffentlichen Bühnen stehen, derjenige, der am ehesten einen Überblick über die Finanzprobleme der Europäischen Union hatte und weiterhin hat.“ Und auf die Frage, ob die aktuellen Rettungsbemühungen erfolgversprechend seien, antwortete er leicht ironisch: "Der Euro muss gar nicht gerettet werden. Der Euro ist prima."

Zugleich übte Schmidt Kritik an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Das ist eine, die über Finanzen nicht Bescheid weiß, aber über sie verfügt“, sagte der Alt-Kanzler. Er verwies auf den enormen Zahlungsbilanzüberschuss, den Deutschland in jedem Jahr aufgrund seiner hohen Exporttätigkeit ausweist. „Ich bin der Meinung, wir müssen den Zahlungsbilanzüberschuss abbauen“, so Schmidt. Dies solle durch die Anhebung der Löhne und Gehälter geschehen. Denn die Löhne und Gehälter seien in den vergangenen Jahren in Deutschland nicht in dem Maße gewachsen, indem es angemessen gewesen wäre. Kritisch sieht Schmidt dabei unter anderem die Höhe der Gehälter an der Spitze der Banken.

Ein deutsche Führungsrolle in der Europäischen Schuldenkrise lehnt Schmidt gleichwohl ab. Die Deutschen seien zur Führung in Europa aufgrund der Weltkriegs-Vergangenheit „für Jahrhunderte ausgeschlossen“. Stattdessen forderte Schmidt: „Das Ideal wäre, wenn der Kern der Europäischen Union von den Vorschriften im Lissaboner Vertrag Gebrauch machte, die da sagen, es ist zulässig, wenn einige der Teilnehmer miteinander eine engere Zusammenarbeit vereinbaren als die ganze Europäische Union.“

In der Debatte, ob die Europäische Zentralbank (EZB) unbegrenzt Staatsanleihen kaufen dürfte, kritisierte Schmidt das Bundesverfassungsgericht. In Anspielung darauf, dass einige Richter gleichzeitig als Professoren arbeiten und öffentlich Vorträge halten, zu Themen, über die sie später Recht sprechen sollen, sagte der Altkanzler: „Die Unabhängigkeit der Verfassungsrichter ist nicht hundertprozentig garantiert.“

Das vollständige Interview erhalten Sie im Handelsblatt-Shop zum Download.

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77 Kommentare zu "Interview mit Altkanzler Schmidt: „Der Euro ist prima“"

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  • Seit 1952 geht der feine Hanseat Schmidt für Warburg und die Hochfinanz anschaffen.

  • Schmidt ist Mitglied der "Atlantikbrücke", und somit ein Vasall us-amerikanischer Interessen. Daher plädierte er ja auch schon mal in einer dieser unsäglichen TV-Quasselrunden für die Einführung von englisch als europäische Alleinsprache ("...aber da würden wohl die Franzosen nicht mitmachen" - O-Ton Schmidt)

    Richtig, Schmidt, und die Deutschen würden wie immer garnicht erst gefragt, gel?!

    Na und das Atlantikbrückner Schmidt den Euro "prima" findet, weil er so nett in die NWO us-amerikanischer Prägung passt, muss dann nicht weiter verwundern...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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  • @ALFRED
    ich verstehe auch nicht, warum das HB dem Treiben zuschaut - oder wegschaut? Auffallend ist jedoch, dass immer mehr "echte" Kommentatoren fern bleiben.

  • Eddie, Fredi, Hantasilf, netshadow,usw. usw.

    "...es wäre mir eine Freude, Sie zu beschimpfen und zu
    beleidigen..., da kann ich Ihnen helfen.

    Schauen Sie sich den "Ludger" an zum Beitrag von Olaf
    Henkel am 3.6.2013! Ihre immer wieder bei anderen ein-
    geforderte Sachlichkeit kann der "Eddie" beim "Ludger"
    nachlesen.
    Sagen Sie uns doch mal, warum Sie diese vielen Tarnkappen brauchen, für diese dämliche Polemik z.B. den "Ludger"? Zu einer personenbezogenen Meinungsdis-
    kussion bestimmt nicht!
    Der Gipfel Ihrer Farce ist ja, daß Sie Ihre Kommentare unter verschiedenen Tarnnamen selber beantworten und
    somit eine Meinungsvielfalt und Ernsthaftigkeit für
    Ihre "Beiträge" vortäuschen!
    Haben Sie Mut, stehen Sie zu einem Namen, oder outen Sie sich (endlich) als Lobbyist.

  • @Eddie,

    bleiben sie doch einfach selbst bei einem Nick. Ihren Schreibstil können Sie nicht ändern, auch wenn sie so tun, als wären Sie zu Unrecht angegriffen. Aufmerksamen Lesen fällt immer öfter auf, dass Sie sogar ganz unterschiedliche Meinungen posten, um diese dann unter verschiedenen Nicks wieder zu zerlegen. Man könnte das auch als Selbstgespräche bezeichnen. Meinungsvielfalt sieht anders aus.
    ---
    ---
    Eddie, Freidenker,netshadow, graete, Fredi,Hantasilf, Tabu, pool, hermann.12, Moellenkamp, Freidenker/in, Realist, Karin, Müller_Luedenscheid, shadhajuuhpioky, Hans-Olaf, miklasross, fortissimogrande, Heinz, Haendle, Adi, Herrmann...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_%28Netzkultur%29

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wenn der Euro so prima ist, wieso muss man ihn dann am laufenden Meter retten?

    Und das seit Jahren schon!

  • Zu Bundesbuerge:

    Ich habe nicht geschrieben, dass Schmidt den Euro eingeführt habe, sondern "mit auf den Weg gebracht hat". Wenn eine Autobahn eröffnet wird, dann sind lange vorher die Planungen und sonstigen Vorbereitungen sowie die Baumaßnahmn erfolgt. Dann kommt erst die Eröffnung. Klar, der Euro wurde unter Kohl realisiert, aber lange vorher vorbereitet, also auch unter Schmidt. Aber Ihr Hinweis auf die Währungsschlange ist gut. Diese hat ja auch den Anforderungen in der Realität nicht stand gehalten (obwohl sie vom großen Finanzexperten Schmidt mit ralisiert wurde!!!!) und Italien und UK mussten die Schlange verlassen, da ihre Geldpolitik zu expansiv war und ine Abwrtung erforderte. Das wäre eigentlich für jeden normal denkenden Menschen dafür Anlass genug gewesen, manche Länder nicht in den ursprünglichen Euro-Kreis aufzunehmen, z.B. Italien. UK hat hinzu gelernt und wollte seine "weiche" Währung beibehalten und druckt eben auch heute Geld wie es braucht (fördert aber auch nicht unbedingt die Beschäftigung!!!) Italien hat nicht hinzu gelernt und hat deshalb durch den relativ stabilen Euro seine erheblichen wirtschaftlichen Problme. Italien fehlen einfach die sonst üblichen drei bis vier Abwertungen in 12/13 Jahren. Und was hat der große Finanzexperte Altbundeskanzler Schmidt daraus gelernt? Ich spare mir die Antwort!!!!

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