Interview mit Bundesbank-Vize Zeitler
„Einheitliche EU-Prüfung für Banken wenig sinnvoll“

Der Vizepräsident der Bundesbank, Franz-Christoph Zeitler, unterstützt Überlegungen des europäischen Bankenausschusses CEBS zu Stresstests für Geldinstitute. Im Interview mit dem Handelsblatt erläutert er zugleich, warum er einheitliche Stresstests für alle Banken in der EU für wenig sinnvoll hält.

Handelsblatt: Herr Zeitler, wie steht die Bundesbank zu den Überlegungen des europäischen Bankenausschusses CEBS zu Stresstests?

Franz-Christoph Zeitler: Wir unterstützen die Arbeiten von CEBS für Stresstests, die sich bekanntlich auf die Stabilität des Finanzsystems in der EU beziehen, nicht aber auf einzelne Institute.

Wäre es nicht sinnvoll, darüber hinaus nach dem Vorbild der USA auch institutsbezogene Stresstests durchzuführen?

Hier gibt es in der Öffentlichkeit ein Missverständnis. Ein wesentlicher Unterschied zu den USA ist, dass wir in der EU Basel II schon lange umgesetzt haben, in Deutschland etwa in der Solvabilitätsverordnung. Danach haben die Institute für alle wichtigen Risikokategorien regelmäßige Stresstests durchzuführen, die auch im Lichte der Finanzmarktkrise überarbeitet wurden. Einheitliche Stresstest für alle Banken in der EU dürften dagegen wegen der Heterogenität der Institute und Geschäftsmodelle zu wenig sinnvollen und potenziell irreführenden Ergebnissen führen.

Müssen solche Stresstests nicht veröffentlicht werden?

Die erwähnten Stresstests sind ein wichtiges Hilfsmittel für die Leitung und die Kontrollorgane eines Instituts, genauso wie für die Aufsicht. Man darf Stresstests aber nicht mit einer Prophezeiung der Zukunft verwechseln. Die Realität wird sich im Positiven wie im Negativen oft anders entwickeln als die jeweils aktuellen Einschätzungen. Eine Veröffentlichung von Stresstests, die immer auf bestimmten Annahmen über die Zukunft beruhen, könnte deshalb kontraproduktiv sein.

Sollten nicht die EU oder europäische Gremien stärker in die institutsbezogenen Stresstests eingeschaltet werden?

Die Verantwortung für die genannten Stresstests sollte auf der nationalen Ebene bleiben, da auch eine mögliche Rekapitalisierung nach den Finanzmarkstabilisierungsgesetzen aus den nationalen Budgets der Mitgliedstaaten erfolgt. Sach- und Finanzverantwortung sollten auf der gleichen Ebene angesiedelt sein.

Marietta Kurm-Engels
Marietta Kurm-Engels
Handelsblatt / Redakteurin
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