Interview mit Christian Wulff
„Erst die Ebbe zeigt, wer nackt im Wasser steht“

Im Machtkampf zwischen VW und Porsche fällt keine Entscheidung ohne ihn: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). Im Interview mit dem Handelsblatt spricht über die Zukunft der beiden Autokonzerne und den möglichen Einstieg arabischer Investoren.

Herr Wulff, schwindet eigentlich Ihr Glaube in die Porsche-Familie?

Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir die Familien Piech und Porsche als Aktionäre bei VW sehr willkommen heißen. Das gilt. Es gibt erhebliche Synergien zwischen Porsche und VW, etwa im Forschungsbereich, in der Marken- und Plattformstrategie. Zusammen bietet sich eine großartige Perspektive, die Nummer 1 in der Welt zu werden. Aber wir müssen ehrlich sein: Audi, aber eben auch Porsche wären heute nicht da, wo sie sind, ohne die Hilfe von VW, zum Beispiel beim Cayenne. Es gibt jetzt die Chance auf eine faire Lösung zwischen Porsche und VW.

Wie soll die aussehen?

Gewöhnlich wedelt der Hund mit dem Schwanz - und nicht umgekehrt. Dieser Realismus hält jetzt Einzug in die Beziehungen zwischen VW und Porsche. Das hat drei Gründe: Erstens die Finanzkrise, wegen der keine ausländischen Banken mehr für gewagte Übernahmemanöver bereit stehen. Wir an der Küste wissen: Erst bei Ebbe sieht man, wer nackt im Wasser steht. Zweitens die Absatzkrise, die vor allem die Hersteller von Luxusautos trifft. Drittens ist unsere Hartnäckigkeit beim Thema Sperrminorität im VW-Gesetz unterschätzt worden. Ich habe Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bei unserem allerersten Treffen gesagt, dass es ein Irrglaube ist, VW von Zuffenhausen aus dirigieren zu können. Ich habe da nichts hinzuzufügen und muss mich nicht korrigieren. Die Porsche-Familie und auch Wendelin Wiedeking schätzen mittlerweile unsere Klarheit, Offenheit und Verlässlichkeit. Der VW-Vorstand, der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen haben sich immer eindeutig und sehr berechenbar positioniert.

Und diese Verlässlichkeit vermissen Sie bei Porsche?

Porsche vollzieht jetzt einen Strategiewechsel gegenüber seinen Geldgebern. Bisher war das Ziel Beherrschung und Gewinnabführung von VW. Jetzt wird richtigerweise der gemeinsame Antritt eines Weltkonzerns propagiert. Ich begrüße das. Aber offenbar ist dieser richtige und notwendige Strategiewechsel noch nicht allen Beteiligten gegenüber überzeugend und deutlich kommuniziert worden ist. Das ist wenig zielführend.

Enttäuscht Sie die Demonstration des Porsche-Betriebsrates?

Auch in Zuffenhausen sollte mehr nach vorne als nach hinten geschaut werden. Uwe Hück macht sicher nichts, ohne sich mit Wendelin Wiedeking abgesprochen zu haben. Hück ist eigentlich schnell im Kopf, um eine neue Situation zu erkennen und zu verstehen. Beim Kickboxen ist es besonders notwendig, weil man ansonsten schnell etwas auf die Nase bekommt. Uwe Hück und ich haben unsere Mobilfunknummern. Wir sollten sie nutzen. Daraus entsteht Vertrauen.

Wann rechnen Sie denn mit einer Lösung?

Alles hätte längst erledigt werden können. Ich habe keine Zeitverzögerung verursacht, meine Position ist glasklar. Es müssen andere handeln - sie sollten es bald tun. Entweder wir einigen uns, oder es bleibt wie es ist - VW bleibt ein Konzern mit neun Marken, Porsche allein. Es ist ein Fehler in der Wirtschaft, sich zuviel mit sich selbst zu beschäftigen. Die Konkurrenz von VW schläft nicht.

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