Interview mit CSU-Experte Michael Weigl
"Seehofers Image könnte Kratzer bekommen"

Wenn die Ablösung des BayernLB-Chefs Michael Kemmer scheitern sollte, dann wird das die Position des desginierten bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer innerhalb der CSU empfindlich schwächen, meint Michael Weigl. Warum, erklärt der Politikwissenschaftler von der Münchener Ludwig-Maximilian-Universität im Interview mit Handelsblatt.com.

Herr Weigl, welche Folgen kann das Debakel um die BayernLB für Horst Seehofer haben?

Natürlich entsteht für die neue Landesregierung unter Seehofers Vorsitz eine enorme finanzielle Belastung, weil der Freistaat seiner Landesbank 700 Mio. Euro zur Aufstockung des Eigenkapitals zuschießen muss. Das gefährdet den ausgeglichenen Haushalt und schränkt den Spielraum für größere Projekte ein.

Seehofer kommt aber frisch aus Berlin und dürfte damit wohl nicht in Verbindung gebracht werden.

Genau, und darin liegt seine große Chance. Mit Erwin Huber ist ein wichtiger Pfeiler im Machtgefüge der CSU verloren gegangen. Das gibt Seehofer mehr Freiheiten bei der Zusammensetzung des Kabinetts. Er versucht das zu nutzen, um einen neuen Aufbruch öffentlichkeitswirksam zu inszenieren und sich als Macher darzustellen.

Seehofer ist wohl auch für eine Abberufung des BayernLB-Chefs, die Sparkassen sind strikt dagegen. Was passiert, wenn sie sich durchsetzten können?

Dann würde das Macher-Image einen empfindlichen Kratzer bekommen. Aber die Sparkassen stehen unter starkem politischen Druck, es ist fraglich, ob sie Erfolg haben können.

Würde das auch Seehofers Position innerhalb der CSU schwächen?

Auf jeden Fall. Der designierte bayerische Ministerpräsident hat ja auch Kritiker in seiner Partei, die sich jetzt allerdings bedeckt halten, weil es keine Alternative zu Seehofer gibt. Sie warten aber nur darauf, bis sein positives Bild in der Öffentlichkeit einen Schaden nimmt.

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