Interview mit Daniel Cohn-Bendit
„Özdemir muss eine gutes Ergebnis bekommen“

Daniel Cohn-Bendit bedauert, dass die Grünen in Baden-Württemberg seinem Parteifreund Cem Özdemir das Bundestagsmandat verweigert haben. Im Interview mit dem Handelsblatt äußert der Grünen-Europapolitiker die Hoffnung, dass Özdemir bei der Wahl zum Bundesparteivorsitzenden ein gutes Ergebnis erzielt.

Herr Cohn-Bendit, Ihr Parteifreund Joschka Fischer befürchtet, dass die Ereignisse in Hessen die Wahlaussichten der Grünen verschlechtern. Stimmt das?

Vielleicht hat Fischer eine Kristallkugel und steht in Verbindung mit höheren Mächten. Die Realität sieht anders aus. Die Grünen werden gestärkt aus der Neuwahl in Hessen hervorgehen.

Halten Sie es für möglich, dass die hessischen Grünen nach der Wahl mit der CDU koalieren?

Wenn Roland Koch keine schwarz-gelbe Mehrheit erreicht und deshalb uns braucht, dann muss es bei der CDU Veränderungen geben. Eine Jamaika-Koalition wäre möglich, aber nicht mit Koch. Entweder sieht die CDU ein, dass seine Zeit vorbei ist, oder es gibt eine Große Koalition.

Beim Bundesparteitag wollen die Grünen Cem Özdemir zum neuen Vorsitzenden wählen. Doch nun hat die Partei ihn schon im Vorfeld beschädigt. Warum?

Der Grünen in Baden-Württemberg haben Özdemir das Bundestagsmandat verweigert, weil dort die Trennung zwischen Amt und Mandat gilt. Da sind die Baden-Württemberger Grünen noch sehr an Fundi-Grundsätzen orientiert, was allerdings schon immer bekannt war.

Damit hat die Partei ihren künftigen Chef aber nicht gestärkt.

Stimmt. Ich hätte es anders gemacht. Cem ist demontiert worden. Das ist schade, traurig und falsch.

Und was nun?

Jetzt muss er ein gutes Wahlergebnis und eine gute Ausstattung als Parteivorsitzender bekommen. Er braucht einen größeren Mitarbeiterstab als Claudia Roth, denn die sitzt ja im Bundestag.

Wieso bewerben Sie sich eigentlich nicht um den Parteivorsitz?

Ich will den französischen Grünen helfen. Ich interessiere mich auch gar nicht für Parteien, sondern für das europäische Projekt. Außerdem ist nicht jeder für das Amt des Parteivorsitzenden geboren.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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