Interview mit dem designierten Spitzenkandidat der Grünen
Trittin: "Koch muss weg"

Bei den Neuwahlen in Hessen wollen die Grünen erneut Front gegen Ministerpräsident Roland Koch machen. "Es bleibt dabei: Koch muss weg", sagte der designierte Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, im Interview mit dem Handelsblatt. Dass das beim ersten Anlauf nicht geklappt habe, sei Schuld der SPD.

Handelsblatt: In Hessen ist rot- grün tot. Wie geht es nach der Wahl weiter?

Jürgen Trittin: Andrea Ypsilanti hätte das Desaster verhindern können, wenn sie ihrem Konkurrenten Jürgen Walter ein Ministeramt angeboten hätte. Neuwahlen werden zeigen, dass die Grünen das letzte Mal unterbewertet waren. Es lag an der SPD, dass wir Koch nicht ablösen konnten. Wir wollen mehr Ökologie und ein gerechteres Bildungssystem in Hessen. Und es bleibt dabei: Koch muss weg.

Was bedeutet Hessen für den Bund: Bleib die unberechenbare SPD ihr Lieblingspartner?

Es geht nicht um Lieblinge, die Schnittmengen sind nach wie vor am größten. Das Problem ist, dass die SPD ihren Richtungsstreit nicht entschieden hat. Will sie eine Erneuerung der Gesellschaft oder will sie es sich als Juniorpartner der CDU gemütlich machen? Das Dilemma ist: Steinmeier und Müntefering blinken rot-grün, bereiten aber zugleich die schwarz-rote Juniorpartnerschaft vor. Deshalb müssen die Wähler schwarz-gelb verhindern und die Grünen so stark machen, dass der Marsch in die große Koalition für die SPD politisch schwierig wird.

Das geht aber nur mit der FDP.

Die Frage stellt sich dann eventuell.

Die Linkspartei ist tabu?

Die Frage stellt sich nicht. Glauben sie im Ernst, Müntefering und Lafontaine setzen sich an einen Tisch? Würde sie sich stellen, müsste man fragen: Stellt Ihr - als angeblich Linke - den Kampf gegen den Vertrag von Lissabon, also gegen Grundrechtecharta und bessere Beteiligung des EU-Parlaments ein? Tragt ihr die Uno-Verpflichtung für friedenserhaltende Einsätze mit? Im Libanon? Im Sudan? All das werden sie ablehnen.

Beim Parteitag in Erfurt wird Cem Özdemir als erster Migrant Parteichef. Hoffen sie auf einen Obama-Effekt?

Das ist für uns nichts Neues. Wir haben schon lange diverse Migranten in Parlamenten, wir waren da schneller und durchlässiger als alle anderen Parteien und das dokumentieren wir jetzt auch an der Spitze.

Was wird die größte Herausforderung für den neuen Parteichef?

Cem wird der Partei als Nachfolger von Reinhard Bütikofer ein anderes, ein neues Gesicht geben. Er ist dabei Teil eines großen Personalpakets. Wir wählen den Vorstand komplett und stimmen erstmals auch über die Spitzenkandidaten ab - und stellen uns so für eine schwierige aber Erfolg versprechende Bundestagswahl auf.

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